Bryan Adams hat eine alte Halle des Transformatorenwerks zum Atelierhaus umgebaut. Foto: Thomas Loy
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Treptow-Köpenick Atelierhaus von Bryan Adams ist fertig

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Lecker Tee, tolle Architektur, nette Nachbarn – wie Bryan Adams. Das Atelierhaus des Musikers kann jetzt an die Künstler übergeben werden.

Das Atelierhaus von Bryan Adams auf dem ehemaligen Industriegelände der AEG in Oberschöneweide ist fertig. Zumindest von außen. „Vor 14 Tagen haben wir den Bauzaun weggenommen“, sagte Immobilienmanager Peter Hoppe dem Tagesspiegel. Demnächst würden die ersten Künstler mit dem Innenausbau ihrer Ateliers beginnen. Von den 14 Ateliers seien sechs verkauft und weitere fünf fest vergeben.

Die größten Räume bieten mehr als 200 Quadratmeter, eine dieser vier großen Hallen habe sich eigentlich Adams für eigene Zwecke vorbehalten, sagte Hoppe, dann überließ er sie doch einem Käufer. Zu denen gehört nach Tagesspiegel-Informationen auch die Berliner Künstlerin Alicja Kwade. Kwade ist neben Olafur Eliasson und Jorinde Voigt die dritte hochkarätige Künstlerin, die nach Schöneweide zieht. Dort entsteht seit einigen Jahren ein Kunstquartier, das mit der Eröffnung der Reinbeckhallen im Mai 2017 (mit einer Retrospektive auf die Fotografin Sibylle Bergemann) einen großen Schub erfahren hat. Mehrere Künstlergruppen veranstalten regelmäßig Festivals und gemeinsame Ausstellungen in Schöneweide, die inzwischen ziemlich gut besucht sind.

Die Kulisse von Oberschöneweide bietet Zeitreisen ins vorletzte Jahrhundert. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Ins Atelierhaus soll auch eine kleine Gastronomie einziehen, „eine Weinstube oder ein kleine Brauerei, was Nettes“, sagte Hoppe. Mit möglichen Betreibern gebe es bereits Gespräche, öffentlich zugänglich ist auch der Innenhof des Gebäudes. Ob es regelmäßig Ausstellungen geben wird wie in den Reinbeckhallen, sei noch nicht entschieden, so Hoppe. Im August erschien bereits ein Artikel über das Interieur des Hauses, mit seinen großen Fenstern, Galerien und Sichtbetonwänden, im renommierten Design-Magazin „Wallpaper“. Nachdem Musiker und Fotograf Adams 2013 die ziemlich marode Werkshalle gekauft hatte, glaubten einige, er wolle sich künstlerisch selbst verwirklichen und nebenbei günstige Flächen für die Kunst schaffen. Einige Jahre später kam dann heraus, dass Adams einfach die richtige Spürnase für ein lohnendes Investment hatte. Viele eher unbekannte Künstler argwöhnen, dass sie langfristig aus dem Quartier verdrängt werden könnten, obwohl es durch sie erst aus der Nachwende-Depression herausgefunden habe.

Bryan Adams singt, fotografiert und schreibt. Foto: dpa
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Einerseits locken große Namen Besucher und Sammler nach Schöneweide, andererseits steigen die Wohnungs- und Gewerbemieten drastisch. Das Regionalmanagement Schöneweide versucht mit einem Masterplan Kunst dagegenzuhalten und landeseigene Räume für Nachwuchskünstler zu sichern. Zwei leer stehende Schulgebäude sollen dafür hergerichtet werden. Bryan Adams ist ein scheuer Mensch und meidet öffentliche Auftritte außerhalb seiner Konzerte. Das Richtfest seines Atelierhauses blieb ohne öffentliche Resonanz, auch mit einer Einweihungsparty ist eher nicht zu rechnen. Adams geht aber gerne ins Café Schöneweile im ehemaligen Pförtnerhäuschen des Transformatorenwerks, um dort inkognito einen Tee zu trinken. Wer ihn treffen möchte, sollte dort öfter mal vorbeischauen. Ein Besuch lohnt sich auch wegen des guten Kaffees.

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