In Helferpose. Ronald Kucharski ließ sich im Frühsommer 2017 mit dem schwer kranken Paul und dessen Mutter Daniela Falk fotografieren. Das Bild veröffentlichen wir mit der Genehmigung der Mutter des inzwischen verstorbenen Jungen. Foto: Pankow live
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Streit um Spendengelder in Berlin-Pankow Die verschwundene Hilfe

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Ein Pankower Eventmanager sammelte mit einem Konzert Geld für einen todkranken Jungen aus Karow. Doch das versprochene Geld kam nicht an. Nicht zum ersten Mal fühlt sich ein karitativer Partner getäuscht.

Ein großes Sommerfest zugunsten eines schwer kranken Kindes hatte Eventmanager Ronald Kucharski angekündigt. „Spirit of Summer“ nannte er das Event, das er am 29. Juli in Karow plante. Kucharski betreibt in dem Nordberliner Ortsteil auch das Lokal „Bilderstübchen“. Als der kleine Paul kurz vor dem Konzert überraschend starb, entschied er: „Jetzt erst recht.“ Das Open-Air-Konzert wurde dem Gedenken an Paul gewidmet, die Spendengelder – fünf Euro von jedem verkauften Ticket – sollten der Mutter des Jungen helfen, wieder in ein normales Leben zurückzufinden. Ein behindertengerechtes Fahrzeug, das Paul und seine Mutter bekommen sollten und das dank eines Sponsors schon finanziert sei, werde an ein anderes Kind oder eine geeignete Hilfsorganisation übergeben, sagte Kucharski unmittelbar vor dem Konzert dem Tagesspiegel.

Doch der Verein „Kämpfen für Paul“, in dem sich seit 2015 Karower Bürger und Freunde von Pauls Mutter engagieren, wartet bis heute auf die Einlösung der Versprechen. „Mehr als eine Spendenbüchse mit 300 Euro, die auf der Veranstaltung platziert war, ist bei uns nicht angekommen“, sagt Sandra Volkmann vom Verein. „Dieses Geld konnten wir der Mutter für die Beerdigungskosten geben.“ Das Spezialfahrzeug steht nach wie vor bei der Firma KuBe Kranken- und Behindertentransport, die es zu einem stark vergünstigen Preis für die gute Sache abgeben wollte. „Wir haben Herrn Kucharski nach dem Event nicht mehr gesehen“, sagt Michael Zeisler. Die vereinbarte Restsumme vom 3500 Euro sei nie bezahlt worden.

"Eine vertragliche Zusage gab es nicht"

Kucharski begründet das mit wirtschaftlichen Verlusten. Nur 800 Besucher seien gekommen, „viel weniger als wir erwartet hatten“. Er sei auf 18.000 Euro seiner Ausgaben sitzengeblieben. Und: „Eine vertragliche Zusage für das Geld gab es nicht.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Kucharski karitative Partner enttäuscht. Auch der Sonnenhof, das weit über Berlin bekannte Kinderhospiz der Pankower Björn Schulz Stiftung, fühlt sich von ihm missbraucht. „Er hat Veranstaltungen mit unserem Logo beworben, die zugesagten Spenden sind nie eingetroffen“, sagt Claudia Dinse, bei der Stiftung für das Fundraising zuständig. Schriftlich fixiert wurden die Vereinbarungen nicht; Kucharski ist wohl kaum beizukommen. „Man geht ja mit einem gewissen Vertrauensvorschuss an so eine Sache heran“, sagt Dinse.

Mehrmals zahlte er die versprochenen Spenden nicht

Diese Vorfälle liegen schon länger zurück. Als die Stiftungsmitarbeiterin hörte, dass es auch beim Konzert für den inzwischen verstorbenen Paul zu Unstimmigkeiten kam, entschloss sie sich, sie öffentlich zu machen. Konkret geht es um die Zeit, als Kucharski das Ballhaus Pankow gepachtet hatte. 2014 war er angetreten, das restaurierte Gebäude an der Grabbeallee in Niederschönhausen mit neuem Leben zu erfüllen – mit Konzerten, Lesungen, Gastronomie. Er wolle an eine Familientradition anknüpfen, hatte er damals gesagt, denn die Kucharskis hatten vor mehr als 40 Jahren das erste private Varieté in Pankow, die Pank-Perle, betrieben.

Zur Eröffnung Anfang Dezember 2014 gab es eine Adventsgala mit Ostrock und Brunchbuffet. Der Sonnenhof sollte 1000 Euro erhalten, wie Kucharski ankündigte. Gezahlt hat er nicht. Anfang 2015 erneut ein Spendenversprechen, diesmal ging es um ein Konzert des RBB-Reporters Ulli Zelle. In diesem Fall gibt Kucharski wiederum nicht erfüllte finanzielle Erwartungen dafür an, dass es am Ende doch keine Unterstützung für den Sonnenhof gab. Zelle war bei seinem Auftritt von der Bühne gestürzt, das Konzert musste abgebrochen werden. Einige Gäste forderten danach offenbar das Eintrittsgeld zurück. Ulli Zelle hat eigenen Angaben zufolge von der Spendenzusage nichts gewusst.

„Deshalb stehen wir jetzt in einem schlechten Licht da“

Das Ballhaus blieb eine Episode für Kucharski. 2016 zog er weiter nach Karow. Dort gibt es indes einen weiteren Leidtragenden seiner Aktivitäten. Der Sportverein SV Karow 96 stellte für das Sommerkonzert eine Fläche zur Verfügung. Kucharski bewarb die Veranstaltung prompt als Gemeinschaftsprojekt. „Deshalb stehen wir jetzt in einem schlechten Licht da“, sagt Vereinsvize Nico Winkelmann. Er berichtet außerdem von massiven organisatorischen Problemen. „Wir sind in die Bresche gesprungen und haben die Bühne aufgebaut und die Stromversorgung sichergestellt.“ Ein Künstler habe seinen Auftritt kurzfristig absagen wollen, weil die vereinbarte Vorauszahlung nicht geleistet worden sei. „Das haben wir ebenfalls geklärt und 1500 Euro sowie Hotelkosten beglichen.“ Die Vereinsmitglieder hätten sich Paul verpflichtet gefühlt, dessen Konterfei sie auch auf ihren Trikots tragen, sagt Winkelmann. „Letztlich sind wir froh, dass wir dazu beitragen konnten, auf Pauls Schicksal aufmerksam zu machen. Für das Verhalten von Herrn Kucharski haben wir aber kein Verständnis.“

Widersprüchliche Aussagen

Kucharski sieht sich jedoch selbst geprellt. Er wirft dem Verein „Kämpfen für Paul“ vor, 100 Tickets, die diesem zuvor ausgehändigt worden seien, nicht abgerechnet zu haben. Sandra Volkmann bestreitet das. Der Verein habe ja zudem die Spendenbüchse bekommen, sagt Kucharski. Die Summe darin beziffert er anders als Volkmann auf rund 600 Euro. Und das Fahrzeug? Dazu äußert er sich widersprüchlich. Einerseits meint er, dass die Finanzierung des Wagens durchs Sponsoring der Firma KuBe gesichert gewesen sei, was diese anders darstellt. Andererseits sagt er, nach dem Tod von Paul hätte es keinen Sinn mehr gemacht, das Auto an „Kämpfen für Paul“ zu übergeben.

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