Es wird geklotzt. Quartier Heidestraße GmbH
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Stadtentwicklung in Berlin Mitte ist Spitze beim Wohnungsbau

Johannes Drosdowski
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Stolz präsentiert der Stadtrat seine Neubauprojekte. Und fordert andere Bezirken zum Nachahmen auf.

In Mitte soll gebaut werden. Und zwar im großen Stil. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres hat der Bezirk Neubau und Baumaßnahmen für 3543 Wohnungen genehmigt. Damit ist der Bezirk Spitzenreiter bei den Genehmigungen, die liegen in Berlin bei durchschnittlich 1485 Wohnungen.

„Für mich ist das wirklich auffällig“, erklärt Mittes Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Ephraim Gothe. Stolz spricht er am Freitag in seinem Büro an der Müllerstraße über die Leistung des Bezirks. Dann relativiert er allerdings: „Bei der hohen Zahl in Mitte kommen auch Sondereffekte zum Tragen, die sich nicht wiederholen lassen.“

Er spricht von den Großprojekten an der Lehrter Straße, an der rund 600 Wohnungen entstehen sollen, und dem Quartier Heidestraße am Hauptbahnhof, in dem über den Ladenzeilen sogar 860 Wohnungen vorgesehen sind. Viele Wohnungen, viele Neubauprojekte plant Mitte da also.

Das wird so nicht bleiben, sagt der Stadtrat: „Wir können auf diesem hohen Niveau nicht weiterbauen.“ Doch rechnet man die Großprojekte heraus, hat der Bezirk trotzdem rund 2000 neue Wohnungen bewilligt.

„Freundlicher Apell“

Im Gegensatz etwa zu Bezirken wie Spandau, Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg, die die hinteren Plätze bei Baugenehmigungen einnehmen. „Bei manchen Bezirken fragt man sich schon, was da eigentlich los ist“, sagt Gothe und richtet einen „freundlichen Appell“ an die Nachbarn. Nur gemeinsam bekomme man die Wohnungsfrage in den Griff. „Ihr müsst euch noch weiter anstrengen!“

Natürlich gebe es aber bezirksspezifische Hindernisse für Neubauten wie etwa Einflugschneisen. Besonders Pankow, das mit 1598 Wohnungen nur knapp unter dem Durchschnitt liegt, wird von Gothe kritisiert. „Das sind immer noch relativ wenige Wohnungen, wenn man betrachtet, welch große Flächen sie dort haben.“

Auch in Mitte gibt es große Flächen; laut dem Wohnungsflächeninformationssystem besteht dort ein Potenzial von über 28 000 Wohneinheiten. Die scheinen nötig: Mitte ist einer der Bezirke mit dem größten Bevölkerungswachstum. Von 2011 bis 2016 sind rund 50 000 Einwohner hinzugekommen. Von 2015 bis 2030 soll es nach einer Prognose der Senatsverwaltung 24 000 neue Einwohner in Mitte geben, in ganz Berlin 266 000.

20 000 Wohnungen pro Jahr

Der „Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen rechnet mit 194 000 zusätzlich benötigten Wohnungen. 20 000 sollen pro Jahr gebaut werden. Könnten und würden alle Bezirke so viele Wohnungen genehmigen wie Mitte, würde dieses Ziel 2017 weit übertroffen.

Doch Gothe kommt es nicht nur auf die Anzahl der Wohnungen an. Er will auch, dass sie sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren. „Wir haben eine schlechte Erkenntnislage über den wahren Wohnungsbedarf“, erklärt er. Deswegen hat er dem Rat der Bürgermeister Mitte November vorgeschlagen, einen Plan des Senats zu unterstützen.

Dieser sieht vor, ein Wohnungsbedarfskonzept zu erarbeiten, um herauszufinden, wie viele und welche Wohnungen gebraucht werden. Und zwar auf Grundlage von Bedarfsgruppen – Menschen etwa, die auf Barrierefreiheit oder auf Pflege angewiesen sind, Haushalte mit geringem Einkommen oder auch Menschen, die wohnungslos oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Auf diese Weise, so Stadtrat Gothe, könne man besser auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen.

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