Mehr als 50 Hektar Bauflächen, die überwiegend der Bahn gehören, will Katrin Lompscher anders als bisher nicht mehr privaten Investoren überlassen werden. Foto: Kai-Uwe Heinrichp

Stadtentwicklung in Berlin Lompscher plant Kauf des Köpenicker Güterbahnhofs

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Der Senat will den Köpenicker Güterbahnhof kaufen. Stadtentwicklungssenatorin Lompscher möchte hierfür das Vorkaufsrecht des Landes nutzen.

Brachgefallene Bahnflächen sind die Juwelen der Stadtentwicklung. Für die meisten ehemaligen Güterbahnhöfe gibt es längst neue Pläne, als künftiges Zuhause für Familien, Kreative oder Künstler – am Dienstag will der Senat sich nun auch des Güterbahnhofs Köpenick annehmen. Bausenatorin Katrin Lompscher will an diesem Beispiel vorführen, wie gemeinnützige Stadterneuerung aussehen könnte. Mehr als 50 Hektar Bauflächen, die überwiegend der Bahn gehören, sollen anders als bisher nicht mehr privaten Investoren überlassen werden. Lompscher möchte das Vorkaufsrecht des Landes nutzen.

Das haben bislang nur zwei Bezirke versucht, mehr oder minder erfolgreich. Tempelhof-Schöneberg wollte 48 Bundeswohnungen übernehmen, doch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben klagte dagegen beim Landgericht. Der Bezirk wollte nur den Verkehrswert bezahlen, nicht den wesentlich höheren Preis, den der private Käufer bot. Friedrichshain-Kreuzberg hatte mehr Glück.

Dort wurden zwei Häuser angekauft, bei einem dritten reichte schon die Drohung, das Vorkaufsrecht auszuüben, um dem Investor erhebliche Zugeständnisse abzuringen. Das sei auch das eigentliche Ziel, erklärte der damalige Baustadtrat Hans Panhoff. Als wirksames Verhandlungsinstrument wird das städtische Vorkaufsrecht seit vielen Jahren in München oder Hamburg eingesetzt. Der Vorteil: Die Städte müssen kein Geld für teure Grundstücke ausgeben.

Derzeit laufen "Voruntersuchungen" der Bauverwaltung

Die Baulandpreise sind auch im vergangenen Jahr stark gestiegen, in Köpenicker Lagen um 30 Prozent. Bauland wird knapp, und die städtischen Wohnungsbaugesellschaften können es sich nicht leisten, im Überbietungs-Wettbewerb um die wenigen freien Grundstücke mitzuhalten. Das Vorkaufsrecht könnte zumindest helfen, die neuen Vorgaben beim „kooperativen Baulandmodell“ gegen private Investoren durchzusetzen. Bisher galt, dass 25 Prozent der geplanten Wohnungen für eine Kaltmiete von maximal 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden müssen, diese Quote soll künftig auf 30 Prozent der Wohnfläche erhöht werden. Doch einige Investoren wehren sich gegen diese „schleichende Enteignung“.

Derzeit laufen „Voruntersuchungen“ der Bauverwaltung, ob der Köpenicker Güterbahnhof als „Entwicklungsgebiet“ eingestuft werden kann. Das würde die Zahl der Fördertöpfe erhöhen, aus denen der Senat Erschließung und Vermarktung des Gebiets finanzieren könnte. Vorbild ist laut Reiner Hölmer, Baustadtrat von Treptow-Köpenick, die Wissenschaftsstadt Adlershof (Wista). Dort habe sich die Zusammenarbeit zwischen Senat, Bezirk und Entwicklungsträger bewährt. Hölmer könnte sich einen Mix aus Wohnen, Gewerbe und Grünflächen vorstellen.

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