Abgeschlossen. Der Spielplatz am Heinrich-Zille-Park. Foto: Imagop

Spielplätze in Schöneberg und Mitte Berlin verliert zwei Spielplätze an Trinkertreff

Felix Keßler
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Erst Platz zum Buddeln, nun Treffpunkt für Trinker: In Mitte und Schöneberg gibt es Ärger um Spielplätze. Die Bezirke sind machtlos.

Wo einst Kinder spielten, ist nun ein Trinkertreff. Wo einst der Buddelsand war, fliegt nun trostlos Staub herum. Zwei Geschichten von zwei Spielplätzen.

Die eine Geschichte spielt am Heinrich-Zille-Park hinter dem bekannten Stadtbad Mitte, nahe der Torstraße. Immer wieder sollen Obdachlose hier auf dem Spielplatz an der Bergstraße übernachtet und auch Trinkgelage veranstaltet haben. Nun hat das Bezirksamt Mitte reagiert und lässt den Spielplatz durch einen privaten Wachdienst jeden Abend ab 20 Uhr abschließen. Morgens wird der Park um 7 Uhr wieder geöffnet. Ob das Wirkung zeigt, ist noch unklar. Vom Bezirksamt heißt es nur: „Es gab weder eine positive noch eine negative Reaktion.“

Drogenbestecke und Fäkalien in den Büschen

„Viel sauberer ist es dadurch nicht geworden“, sagt Marco Chriske. Er leitet die Mini-Kita in der nahegelegenen Schröderstraße und ist mit seinen Schützlingen regelmäßig auf dem Spielplatz. „In die Büsche lasse ich die Kleinen schon längst nicht mehr“, sagt Chriske. Dort habe er schon Drogenbestecke und Fäkalien gefunden, die die nächtlichen Nutzer des Spielplatzes dort hinterlassen hätten. Durch die abendliche Schließung habe sich die Lage laut Chriske allerdings etwas verbessert. Doch schmutzig sei die Anlage noch immer. Kurioserweise befindet sich direkt gegenüber dem Spielplatz, zwischen Berg- und Ackerstraße, eine weitere Grünanlage. Sie ist nachts weiterhin frei zugänglich. Auch dort gibt es Spielgeräte und auch dort ist die Fläche als Kinderspielplatz ausgewiesen. Trinker seien auf den Parkbänken ebenfalls keine Seltenheit, berichtet die Angestellte eines Cafés in der Ackerstraße.

Buddeln nicht geplant. Am Viktoria-Luise-Platz ist kein Sand mehr. Fotos: Felix Keßlerp

Die zweite Geschichte spielt am Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg, noch so ein Idyll in der Stadt, manche sprechen gar vom „schönsten aller Berliner Plätze“. Auch hier spielten mal Kinder, auch hier ärgern sich Anwohner über Trinker, die dort manchmal sitzen. Und alles begann mit der Schließung einer Buddelkiste. Die befand sich, umrahmt von einer Kolonnade, an der westlichen Seite des Platzes. Nun hat das Bezirksamt die Sandkiste eingeebnet und dem Sand scharfkantigen Splitt beigefügt – Burgenbau nicht mehr möglich. Der Grund: Laut Bezirksamt gibt es auf dem denkmalgeschützten Platz für die Sandkiste „keine historische Grundlage“. Mit anderen Worten: Als der Viktoria-Luise-Platz 1898 entstand, waren buddelnde Kinder offenbar nicht vorgesehen.

Dass das Bezirksamt nun so stark auf die Einhaltung des Denkmalschutzes pocht, hat die Bürger im Kiez überrascht. Erst vor einem Jahr hatte die Behörde im Rahmen von Sparmaßnahmen die Bepflanzung der Beete durch Mulch ersetzt. Eine Initiative mit dem Namen „Freunde des Viktoria-Luise-Platzes“ übte daraufhin Druck auf die Verwaltung aus. Mit Erfolg: Die Blumen kehrten in diesem Frühjahr zurück. Henning Niederhoff, der Sprecher der Initiative, hält die Pflege des Platzes noch immer für wichtig, auch über die Grenzen des Kiezes hinaus. Verkommt der Platz, könne er „zu einem Fanal für andere Bezirke werden“, glaubt Niederhoff.

„Auf die Grünflächen würde ich mich nicht legen“

Die Mitglieder der Facebook-Gruppe „Viktoria-Luise-Platz ist kein Hundeklo“ dagegen stören sich offenbar vor allem an Tieren, die in der Anlage ihre Notdurft verrichten. Auch Niederhoff sagt: „Auf die Grünflächen würde ich mich nicht legen.“ Die Signale der Bürger sind offenbar auch beim Grünflächenamt angekommen. Dort heißt es, dass der Bereich um die Buddelkiste einst „von vielen Eltern mit Kleinkindern stark genutzt“ wurde. Nun soll an der Ostseite des Platzes – also genau gegenüber – ein neuer Sandkasten entstehen. Doch die Planungen ziehen sich hin. „Die ursprüngliche Kostenschätzung wurde weit überschritten“, sagt Martin Haaser, Referent für Straßen- und Grünflächen in Schöneberg. Der Auftrag wurde daraufhin neu ausgeschrieben. Eltern mit buddelwütigen Kindern müssen also vorerst - sofern es die Öffnungszeiten zulassen - auf andere Spielplätze ausweichen.

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