Die Turnhalle des Andreas-Gymnasiums in Friedrichshain gehört zu den prägnanten Beispielen für die schleppende Schulsanierung. Foto: Kai-Uwe Heinrichp

Diskussionsforum am 27. AprilDas Milliardenspiel: Berlins marode Schulen

von Susanne Vieth-Entus2 Kommentare

Die Eltern lassen nicht locker: Sie suchen nach Wegen raus aus dem Sanierungsstau. Nach Hamburger Maßstäben ist Berlin noch komplett am Anfang.

„Von der Würde des Lernens“ – Schulsanierung und Schulneubau in Berlin, lautet der Doppeltitel einer Veranstaltung im Friedrichshainer Andreas-Gymnasium am 27. April. Der Ort ist nicht zufällig gewählt, weil die Schule seit Jahren um bessere bauliche Bedingungen kämpft. Deshalb ist vor der Begrüßung (17 Uhr) ein Rundgang (16 Uhr) durch die Schule mitsamt der berühmt-berüchtigten „Quelle“ geplant: Im nassen Keller muss rund um die Uhr eine Pumpe laufen. In den Diskussionsforen (17.30–19 Uhr) finden alle Akteure zusammen – Schüler, Eltern, Verwaltung, Lehrer, Hausmeister, Politik, Bauplaner, Pädagogen – und suchen gemeinsam in ihren Gruppen nach Lösungen. Veranstalter sind die Eltern des Andreas-Gymnasiums, der Landeselternausschuss und die Stiftung Bildung im Rahmen der Berliner Stiftungswoche. Weitere Infos zur Veranstaltung „Von der Würde des Lernens“ finden Sie hier.

Vor den Wahlen sind kaum noch seriöse Zahlen zu bekommen

Berlin ist nicht nur weit davon entfernt, die Sanierung seiner Schulen systematisch anzugehen, sondern weiß noch nicht einmal, wie hoch die Kosten sein werden. Allein die erste Bestandsaufnahme des Sanierungsbedarfs mit Hilfe des neuen einheitlichen Gebäudescans wird noch bis Ende Juni dauern. Dies teilte die Bildungsverwaltung auf Anfrage mit. Die ersten vier Bezirke hätten ihre Zahlen geliefert, aber die letzten Meldungen seien erst „für Ende des zweiten Quartals angekündigt“. Noch im Januar hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) Ende März als Limit gesetzt. Die bisherigen Schätzungen von rund zwei Milliarden Euro sind nicht zuverlässig, weil jeder Bezirk andere Maßstäbe angelegt hat. Den einheitlichen „Gebäudescan“ für alle bezirklichen Schulen gibt es erst seit 2015. Ob vor den Wahlen überhaupt noch seriöse Zahlen über den Gesamtsanierungsbedarf vorliegen werden, ist fraglich.

Hier sprudelt die "Andreas-Quelle": Blick in den Keller des Friedrichshainer Andreas-Gymnasiums. Die Pumpe muss immer laufen, weil sonst der Wasserspiegel steigt. Foto: privatp

Von Hamburg lernen? Her mit den acht Milliarden!

Damit hinkt Berlin etliche Jahre hinter Hamburg her. Wie berichtet, hatte die Hansestadt hatte bereits 2011 den Landesbetrieb Hamburger Schulbau gegründet und den Bereich personell und finanziell gestärkt. Der Sanierungsbedarf steht seit langem fest. Nachdem zunächst die Berliner Grünen und dann die CDU das Hamburger Beispiel gelobt hatten, war Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD) im Januar zur Hamburger Schulbau gereist. Zu seiner Delegation gehörte auch der Vorsitzende der Vereinigung Berliner Oberstudiendirektoren, Ralf Treptow, der anschließend umriss, was es bedeuten würde, die Hamburger Verhältnisse zu übertragen: Berlin müsste innerhalb von 14 Jahren 8,8 Milliarden Euro für Schulbau ausgeben und mehr Hochbaumitarbeiter einstellen.

Auch München hat längst damit begonnen, die Schulsanierung voranzutreiben. Wie Hamburg und München dabei vorgehen, wurden erst kürzlich anlässlich einer Tagung in der Konrad-Adenauer-Stiftung erläutert. Auch diese Veranstaltung war durch den Landeselternausschuss initiiert worden.