Jetzt will er Medizin studieren: Felix Schoknecht aus Mahlsdorf, dem ein Top-Abitur gelang. Foto: privat
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Berlins bester Abiturient "Überflieger? Das Wort benutze ich nicht gern"

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894 von 900 Punkten: Felix Schoknecht ist Berlins bester Abiturient. In Chemie ließ sich sein Hellersdorfer Gymnasium dafür was einfallen. Ein Interview.

Felix Schoknecht, 18, aus Mahlsdorf hat das Melanchthon-Gymnasium in Hellersdorf besucht. Früher spielte er bei den SCC Juniors, dem Jugendteam der BR Volleys. Jetzt freut er sich auf den Hochschulsport - und erzählt im Gespräch mit dem Tagesspiegel, wie seine Schule sich auf die Bedürfnisse der Schüler eingestellt hat.

Felix, mit 894 von 900 möglichen Punkten bist du Berlins bester Abiturient. Welcher Schnitt ist das genau?

Das müssten 0,7 oder 0,8 sein, jedenfalls nach der Formel, die hinten auf dem Zeugnis steht. Es kann aber auch sein, dass ich mich irre. Als wir vor einem Monat den Zettel mit den Prüfungsergebnissen bekommen haben, war ich ganz schön verblüfft.

Zeichnet sich so ein Spitzenabitur nicht allmählich ab?

Bei meinen Leistungskursen wusste ich schon, dass ich 15 Punkte schaffen kann. Aber ich hatte auch Latein als Prüfungsfach. Das besteht zu zwei Dritteln aus einer Übersetzung. Und da bedeutet schon ein halber Fehler, dass man keine volle Punktzahl bekommt.

Siehst du dich als Überflieger?

Ich benutze das Wort nicht gern. Aber eigentlich stimmt es schon – weil ich auch nicht übermäßig viel dafür gelernt habe. Das war schon in den unteren Klassen so. Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Vermutlich an meinem Gedächtnis. Ich muss Sachen nicht oft lesen oder hören, um sie mir zu merken. Die Lehrer meinten, ich habe eine gute Auffassungsgabe.

Viele werden sich wundern, dass der Landesbeste von einer Hellersdorfer Schule kommt, einem Ortsteil mit Problemen.

Wir haben ein gutes Schulklima am Melanchthon-Gymnasium. Soziale Differenzen spiegeln sich da überhaupt nicht wider. Es ist sicher keine reine Mahlsdorfer Oberschule. Viele wohnen in Lichtenberg oder direkt in Hellersdorf.

Hat die Schule dich besonders gefördert?

Ja, sehr. Als Leistungskurse hatte ich Mathe und Chemie gewählt. Letzteres wollten nur vier in meiner Stufe belegen. Da hätte eigentlich ein Schulwechsel angestanden. Stattdessen hat die Schule einen jahrgangsübergreifenden Leistungskurs eingerichtet. Das ging deshalb, weil es in Chemie in jedem Semester einen anderen Schwerpunkt gibt, der für sich immer abgeschlossen ist. Im letzten Jahr saßen wir mit den Älteren in einem Kurs und dieses Jahr mit der Stufe unter uns. Für unsere Tutorin war es nicht so leicht, das zu organisieren.

Wie geht es für dich jetzt weiter? Du hast wahrscheinlich die Qual der Wahl, weil du überall gut bist.

Mir war immer klar, dass ich in die naturwissenschaftliche Richtung gehen will. Das hat mich schon als Kind interessiert. Jetzt möchte ich Medizin studieren.

Da stehen dir mit dem Schnitt doch sicher alle Universitäten offen.

Das hoffe ich zumindest. Am Samstag war Bewerbungsschluss für Studiengänge mit Numerus clausus. Ich habe mich an der Charité beworben. Im Idealfall komme ich da schon über die Note rein. Wenn nicht, müsste ich noch einen Test schreiben.

Aber sicher ist das nicht?

Es bewerben sich mehrere Leute mit 1,0. Deshalb könnte ein Losverfahren greifen. Aber ich bin zuversichtlich.

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