Hunderte Straßenbäume fielen wegen "Xavier" - wie diese Linde in der Großgörschenstraße, die ein geparktes Auto zerquetschte. Foto: Stefan Jacobsp

Schäden nach Sturm "Xavier" Bezirke warnen vor Gefahr in Wäldern und Parks

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Die Aufräumarbeiten sind längst nicht beendet - trotz Sonne satt am Wochenende sollten Berliner darum viele Grünflächen meiden.

Der Herbst ist fürs Erste überstanden. Nun grüßt noch einmal der Sommer – am Sonnabend und an den Folgetagen mit Höchsttemperaturen um 20 Grad oder sogar knapp darüber. Es dürfte für dieses Jahr die letzte Chance für Ausflüge und Grillpartys ohne dicke Verpackung sein.

Es gibt allerdings ein Problem: Die Umweltverwaltung warnt weiter vor Ausflügen in die Wälder. Die anfängliche Schätzung von 20.000 beim Orkan „Xavier“ abgebrochenen oder gekippten Bäumen in den Berliner Forsten sei wohl eher knapp gewesen, sagt Verwaltungssprecher Derk Ehlert. Es werde noch Wochen dauern, bis auch die kleineren Waldwege wieder frei und sicher begehbar seien. Viele Kronen hingen noch gefährlich in den Nachbarbäumen, und schon zu Beginn des vergleichsweise harmlosen Sturms an diesem Donnerstag seien weitere Bäume umgekippt. Das müssen auch Pilzsucher bedenken. Betroffen sind laut Ehlert praktisch alle Wälder und Baumarten in Berlin und dem Umland.

Auch das Bezirksamt Mitte warnte am Donnerstag nochmals dringend vor dem Betreten der Grünanlagen: Man habe noch entlang der Hauptwege zu tun und in den Gehölzbeständen nicht einmal mit dem Aufräumen angefangen.

Ehlert empfiehlt, sich abseits von Bäumen oder in erkennbar schon beräumten Gefilden aufzuhalten. Ein gutes Indiz sind frische Holzstapel. Die Erträge, die die Berliner Forsten mit dem Holzverkauf erwirtschaften, dürften wegen des Sturms in diesem Jahr wohl sinken. Die Holzernte habe das Land größtenteils privaten Firmen übertragen; „die großen Harvester würden sich fürs Land nicht lohnen“. Viel Geäst soll liegen bleiben – als Nahrungsquelle für Mikroorganismen, in deren Folge sich auch größeres Getier etabliert und zur Artenvielfalt der Wälder beiträgt. Für die war der Sturm nicht nur schlecht, sagt Ehlert: Wo alte Bäume verschwinden, kommt Licht an die Emporkömmlinge, die sonst keine Chance hätten zu wachsen.

Auch hunderte Straßenbäume hat es erwischt

Ein Spezialproblem betrifft Autofahrer: Beim Orkan sind auch viele Wildschutzzäune beschädigt worden, sodass mit Tieren auf der Fahrbahn gerechnet werden muss. An der Avus südlich des Hüttenwegs häufen sich laut Ehlert bereits die Wildschweinsichtungen.

Auch für die knapp 440 000 Straßenbäume gibt es noch keine komplette Schadensbilanz. Klar ist nur, dass Hunderte den Orkan nicht überstanden haben – und viele weitere wohl nach der nächsten Begutachtung sicherheitshalber gefällt werden müssen. Kontrolliert werden die Straßenbäume mindestens im Jahresrhythmus.

Die BSR hat zwar ihren jährlichen Laubeinsatz gestartet, muss aber in vielen Fällen ebenfalls Geäst wegräumen, bevor die Kehrmaschinen durchkommen. Das Gros des Laubs hängt ohnehin noch an den Bäumen. Nach Auskunft von Sprecher Sebastian Harnisch werden die bei Anwohnern unbeliebten, aber für die BSR unverzichtbaren Laubbläser nur von 7 bis 20 Uhr eingesetzt, obwohl es von 6 bis 22 Uhr erlaubt wäre. Die BSR-Leute wollen vor allem die Rutschgefahr durch Laub möglichst schnell bannen. Privatleute dürfen ihr Laub nicht auf die Straße kehren. Neben Kompost und Laubsack gibt es mit der jetzt stadtweit verfügbaren Gartentonne nun eine weitere Möglichkeit, Grünzeug legal loszuwerden.

Das Wochenende empfiehlt sich für Gartenarbeit ebenso wie zum Faulenzen in der Sonne. Am Montag kann es noch wärmer werden, heißt es beim Wetterdienst Meteogroup: 22 Grad in Berlin, 24 in der Lausitz. Mehr geht Mitte Oktober kaum. Ob es klappt, hängt davon ab, wie schnell sich morgendlicher Dunst vertut. Das für den Spätsommer verantwortliche Hoch soll allmählich ostwärts wandern, sodass es im Laufe der nächsten Woche allmählich wieder kühler und wechselhafter wird – aber nicht allzu ungemütlich.

Wer einen sicheren Platz an der Sonne sucht, hat am Wochenende letztmalig die Chance, die IGA in Marzahn zu besuchen. Die lockt Sonntag mit einem Abschlussfest – bei halbem Eintrittspreis.

Mit Schild, Bürger. Ein gespendeter Straßenbaum in Friedrichshain. Foto: Doris Spiekermann-Klaasp

Die Stadtbaum-Kampagne

Seit Ende 2012 bittet die Verwaltung zweimal im Jahr um Spenden, um den jahrelangen Schwund der Straßenbäume zu stoppen. Bisher seien dadurch fast 7500 zusätzliche Bäume gepflanzt worden. Saison ist jeweils im Fühjahr und Herbst; in diesen Wochen sollen mehr als 500 Bäume hinzukommen – gespendet von Unternehmen, Verbänden und Privatpersonen. Gepflanzt wird aktuell in Mitte, Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg.

Wer 500 Euro spendet, kann sich den Standort seines Baumes auf der interaktiven Karte aussuchen. Kleinspenden werden gesammelt, bis 500 Euro beisammen sind, und von der Verwaltung aufgestockt. Die Preise pro Baum inklusive Anfangspflege haben sich binnen wenigen Jahren auf gut 2000 Euro verdoppelt. Ab 1. Dezember kann für die Frühjahrspflanzung 2018 gespendet werden. Dann sind Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf an der Reihe. Weitere Infos unter www.berlin.de/stadtbaum und telefonisch: (030) 9025-1234.

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