Die Kinder und Jugendlichen des interkulturellen Zentrums „Kinderwelt am Feld“ in der Neuköllner Oderstraße haben aufs Müllsammeln verzichtet und lieber einen Spaziergang unternommen. Foto: Tspp

Gemeinsame Sache in Neukölln 2016 Schluss mit Schmuddel-Neukölln

Daniel Godeck
1 Kommentare

Neukölln putzt sich und spielt auf recycelten Instrumenten. Manche wollen das Müllproblem auch mit Spaziergängen lösen.

Zugegeben: Wie ein Musikinstrument sieht dieses schlauchartige Ding nicht aus. Eher würde man es im Gartenschuppen vermuten. Doch weit gefehlt: Was Sascha Schneider vom Kulturprojekt „Kollegen 2,3“ da in der Hand hält, ist tatsächlich eine Trompete selbstgebastelt aus Gartenschlauch, Sektkorken und Trichter.

„Klingt aber eher wie eine Vuvuzela“, sagt Schneider und muss schmunzeln. Neben den recycelten Instrumenten beschäftigten sich am Neuköllner Herrfurthplatz auch andere Stände mit dem Thema Müllvermeidung und Wiederverwertung. Auf einer aus Holzpaletten gebauten Bühne traten derweil Künstler auf, die mit ihrer Musik ebenfalls einen Beitrag zur Müllsensibilisierung leisten wollten. Desmond zum Beispiel, der Verstärker und Schlagzeug mit Papierkarton ummantelt hat. Mit der Aktion sollte auf das Müllproblem im Schillerkiez aufmerksam gemacht werden. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf künstlerische Weise, wie die Organisatoren betonten.

Eine Trompete aus einem Gartenschlauch, Sektkorken und Trichter - Wiederverwertung in Neukölln. Foto: Tspp

Reuterplatz sauber

Der Neuköllner Reuterkiez gilt unter in- wie ausländischen Touristen als ausgewiesene Partymeile. „Dass hier aber auch noch Leute wohnen“, sagt Simone Schwartz, das werde oft vergessen. Die Leiterin des „Kiosks Reuterplatz“ spielt damit vor allem den Müll an, den die Feierwütigen rund um die Kinderfreizeiteinrichtung hinterlassen.

Zum Beispiel die zertrümmerten Glasflaschen, an denen sich die spielenden Kinder leicht verletzen können. Mit einer großen Putzaktion haben die etwa ein Dutzend Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren und einige andere Freiwillige den Reuterplatz vom Unrat befreit zumindest für den Moment.

„Wir sammeln öfter zusammen Müll“, berichtet Schwartz. Diesmal wollten sie beim Abfall sammeln und Fußweg fegen zusätzlich noch Ideen sammeln, wie das Problem der Vermüllung langfristig in den Griff zu kriegen ist.

Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Platz in ein paar Tagen wieder so aussieht wie vor der Aktion. „Wir brauchen hier viel größere Mülleimer als die üblichen orangenen“, meint Schwartz. Nach dem großen Reinemachen wollte daran aber niemand denken: Für alle Helfer gab‘s frisch gebackenen Kuchen.

Baumscheiben an der Boddinstraße

Die nun hübsch bepflanzten Baumscheiben in der Neuköllner Boddinstraße sind das Eine. Zum Anderen hat die Aktion, da sind sich alle Freiwilligen einig, Nachbarn zusammengebracht. „Wir haben hier echt eine bunte Mischung gehabt“, sagt Christian Hoffmann vom Projekt „umweltconsulting“, das die Baumscheibenaktion direkt vor der Boddinschule mit dem Quartiersmanagement Flughafenstraße auf die Beine gestellt hat.

Nicht nur, dass viele Nachbarn mit angepackt haben; die Reinigung der Baumscheiben und das anschließende Bepflanzen der winterfesten Gewächse gingen wirklich flott von der Hand. Nein, auch andere Baumscheiben in der Straße sollen nun verschönert werden.

„Die eine Kneipe auf der Ecke will nun auch was pflanzen“, berichtet Hoffmann. Besonders beeindruckt ist er davon, dass unter den Helfern auch ein Flüchtling war, der nach einem Jahr in Deutschland nicht nur gut Deutsch spricht, sondern auch engagiert mitgemacht hat. Nun bleibt für die Ehrenamtlichen nur noch zu hoffen, dass die Pflanzen auch immer genug Wasser bekommen. Damit sie kräftig wachsen können und gut durch den Winter kommen.

Nachbarn beeindrucken

Mit der Reinemachaktion in der Neuköllner Finowstraße konnte der Moscheeverein „IKEZ“ bei den Nachbarn mächtig Eindruck schinden. „Die Leute haben uns gefragt, ob wir das nicht alle zwei Monate machen können“, berichtet der Vereinsvorsitzende Raed Zaloum.

„Vor allem der Hundekot ist ein Problem hier.“ Doch die rund 50 Freiwilligen des Vereins, von Jung bis Alt, haben sich davon nicht abschrecken lassen. In einem anderthalbstündigen Marathon haben sie die gesamte Straße zwischen Sonnenallee und Wildenbruchplatz von Müll und Unrat befreit.

Auch die hohen Temperaturen konnten den Elan der Müllsammler nicht schmälern. „Wir haben genügend Wasser verteilt“, sagt Zaloum. Auch mehrere Flüchtlinge halfen bei der Saubermachaktion mit. Und nicht nur das: Beim Schuften sind den Ehrenamtlichen sogar noch andere Ideen gekommen, wie sie ihre Straße anderweitig verschönern können. „Wir haben uns überlegt, an bestimmten Stellen noch Blumen zu pflanzen“, so der „IKEZ“-Vorsitzende weiter. Auch daran dürften viele Nachbarn Gefallen finden.

Kiezspaziergang Warthekiez

 Die Kinder und Jugendlichen des interkulturellen Zentrums „Kinderwelt am Feld“ in der Neuköllner Oderstraße haben ganz aufs Müllsammeln verzichtet und stattdessen einen Spaziergang unternommen. Mit im Gepäck: Gebastelte Holztafeln mit Sprüchen wie „Weniger Müll ist Mehr“.

„Wir haben uns bewusst dazu entschieden, Schilder aufzustellen“, berichtet Petra Walter, die die Einrichtung direkt am Tempelhofer Feld leitet. Mit ihnen soll auf die vielen Schandflecke im Warthekiez aufmerksam gemacht werden. Denn: Illegal abgestellter Sperrmüll und giftige Abfälle  gehören hier längst zum Straßenbild.

Sofas, alte Computer, Teerpappe und Mikrowelle all das haben die rund 15 Jugendlichen zwischen 8 und 16 Jahren auf ihrem Spaziergang durch den Kiez gesehen und entsprechende Tafeln aufgestellt. Damit ein Umdenken stattfindet.

Sauber nach 15 Minuten

Die Müllsammelaktion in der Kita Neudecker Weg in Rudow war schneller über die Bühne gebracht, als Ole Rasmus eigentlich gedacht hätte. „Es war gar nicht so viel Müll da“, sagt der Leiter der Einrichtung. Insgesamt 25 Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren haben den Spielplatz „Pfarrer-Heß-Weg“, der direkt an der Kita grenzt, vom Müll befreit.

Vor allem kleine Zigarettenstümmel haben die Jungen und Mädchen dabei gefunden. Angesichts der vielen helfenden Hände und dem wenigen Abfall waren die Kinder und die drei mithelfenden Erzieher in Rekordzeit fertig. „Nach einer Viertelstunde waren wir durch“, sagt Kita-Leiter Rasmus. Nun kann wieder fleißig geschaukelt und im Sand gebuddelt werden.

Müllsammeln im Harzer Kiez

 

Der Spielplatz auf der Ecke Treptower Straße/ Harzer Straße ist nicht nur unter Anwohnern äußerst beliebt. Kein Wunder, denn der Spielplatz ist nicht nur außergewöhnlich groß, sondern besitzt auch viele Spiel- und Klettergeräte. So stark er von Kindern und Eltern frequentiert wird, so viel Müll landet auch hier.

Also hat die SPD Neukölln Rixdorf zur großen Reinemachaktion aufgerufen. Insgesamt etwa zehn bis 12 Erwachsene und eine Handvoll Kinder haben den Spielplatz, mit Zangen und Müllsäcken bewaffnet, von umherliegendem Abfall befreit. „Das ist eine von den Aktivitäten, die nachhaltig wirklich etwas bringen“, resümiert der Bezirksverordnete Marko Preuss die Aktion.

Putzkolonne Stadtvilla Global

Das Gelände der Jugendfreizeiteinrichtung „Stadtvilla Global“ ist zwar eingezäunt, und doch lassen sich viele davon nicht abhalten, ihren Müll auf das Areal im Otto-Wels-Ring in Britz zu werfen. „Der meiste Abfall kommt gar nicht von uns“, sagt Necati Manap, der die Einrichtung leitet.

Nichtsdestotrotz haben rund 30 Kinder Westen und Handschuhe übergestreift, um nicht nur auf dem eigenen Grundstück, sondern auch auf dem umliegenden Höltermannsteig bis zur Johannisthaler Chaussee alte Flaschen, Tüten und Glas einzusammeln. „Wir sind momentan auch dabei, ein Schild zu bauen“, berichtet Manap. Damit die Abfallsünder künftig nachlesen können, dass die Böschung der „Stadtvilla Global“ keine Müllkippe ist.

Igelkinder Buckow

Die Igelkinder in Buckow sind nicht die Einzigen, die die umliegenden Spielplätze am Hornblendeweg und an der Sandsteinschule nutzen. „Auf dem einen halten sich oft viele Jugendliche auf“, sagt Kita-Leiterin Thea Hieber. Deshalb landen dort viele Bierflaschen und Zigarettenstümmel, die eigentlich nicht in den Sandkasten oder neben die Rutsche gehören.

Anlass also genug für die 18 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren, auf den Spielplätzen mal ordentlich Klarschiff zu machen. Auch den Weg zum Spielplatz sind die Jungen und Mädchen mit ihren drei Erziehern abgegangen, um den Unrat einzusammeln. „Denen hat das viel Spaß gemacht“, fasst Hieber die Aktion zusammen.

Mehr zu Neukölln