Die Ehe für alle - ein Problem für die Behördensoftware. Foto: Jörg Sarbach/dpa
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Softwareproblem der Behörden Ehe doch nicht für alle

Milan Ziebula
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Heiraten Lesben und Schwule, wird sich ein Partner formal mit falschem Geschlecht registrieren lassen müssen: Die Software Ämter kennt nur „Mann und Frau“.

Am 1. Oktober dürfen Schwule und Lesben heiraten – doch die Software der Standesämter macht noch Probleme. Sie kann die Ehepartner bis auf weiteres nur als „Mann“ und „Frau“ ins Eheregister eintragen. Das erinnert an die Zeit, als das Ehegattensplitting für homosexuelle Paare eingeführt wurde, die Finanzämter aber nicht in der Lage waren, automatisch Bescheide an „Herr und Herr“ oder „Frau und Frau“ zu verschicken.

Für die Heiratswilligen hat es zur Folge, dass bei einem Frauenpaar eine Partnerin als Mann im Register steht, bei einem Männerpaar ein Partner als Frau. Wer von der Software, die ausgerechnet „Autista“ heißt, auf welchen Platz sortiert wird, ist unklar. „Wir nehmen an, dass sich das die Paare selbst aussuchen können“, sagte Ines Bens, Referentin für Bürgerdienste im Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf. Das Problem besteht übrigens bundesweit.

Die meisten Anmeldungen gibt es in Tempelhof-Schöneberg

Laut Bundesinnenministerium gibt es jedes Jahr zum 1. November eine neue Version des Programms. Allerdings braucht die eine Vorlaufzeit von neun Monaten. Der Bundestag hatte die „Ehe für alle“ am 30. Juni beschlossen, der Bundespräsident unterzeichnete das entsprechende Gesetz am 21. Juli, im Bundesgesetzblatt wurde es eine Woche darauf veröffentlicht. Damit kann es in Kraft treten.

Wer nach dem 1. Oktober heiratet, braucht sich aber keine Sorgen über merkwürdige Eheurkunden zu machen. Auf denen ist anstatt von „Ehefrau“ oder „Ehemann“ künftig von „Ehegatte“ die Rede.

In Berlin gibt es aktuell unter 100 Anfragen für die gleichgeschlechtliche Ehen. Die meisten gibt es mit 35 in Tempelhof-Schöneberg, in den anderen Bezirken schwanken die Zahlen zwischen fünf und zwölf. In Treptow-Köpenick gibt es bislang noch keine Anfragen von Paaren. Eine verbindliche Anmeldung ist aber auch erst ab dem 1. Oktober möglich, sagt Jochen Biedermann (Grüne), Stadtrat für Bürgerdienste in Neukölln. Die Anmeldungen, die jetzt eintreffen, würden derzeit noch unter „eingetragener Lebenspartnerschaft“ laufen und dann im Oktober umgewandelt werden.

Ein Standesbeamter rät, bis Ende 2018 zu warten

Volker Weber, Standesbeamter in Neukölln, rät gleichgeschlechtlichen Paaren, noch bis Ende 2018 zu warten mit der Hochzeit. „Wenn wir zwei Männer als „Frau“ und „Mann“ ins elektronische Register eintragen, steht dann da auf immer und ewig drin, dass sie „Mann“ und „Frau“ sind.“ Das sei zwar für den Alltag kaum relevant. Sollten die Partner später jedoch eine beglaubigte Abschrift des Eheregisters benötigen, lasse sich der Eintrag nicht ändern. Solch eine Abschrift wird in Scheidungsfällen gebraucht. „Die Ehe für alle ist ja vor allem für Menschen wichtig, die adoptieren wollen. Wenn keine Adoption geplant ist, dann empfehlen wir den Paaren doch noch eine Weile zu warten“, sagt Stadtrat Jochen Biedermann.

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