Elizabeth (Rebecca Hall) und William Marston (Luke Evans) mit ihrer gemeinsamen Geliebten Olive (Bella Heathcote). Foto: Sony
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„Professor Marston & The Wonder Women“ Ein fesselndes Dreieck

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Angela Robinson erzählt in ihrem gelungenen Spielfilm „Professor Marston & The Wonder Women“ wie die amerikanische Comic-Heldin entstand.

Lügen unmöglich. Wer von Wonder Womans goldenem Lasso umschlungen wird, muss die Wahrheit sagen. Schön zu sehen war das kürzlich in Patty Jenkins’ fabelhafter Filmadaption des 1941 erstmals erschienenen Comics. Ein bisschen kurz kam darin allerdings eine zweite wichtige Funktion des Seils: Die Amazonen-Prinzessin benutzt es nämlich nicht nur zur Informationsbeschaffung, sondern auch um ihre Opfer zu fesseln. Ob Männer oder Frauen – die Superheldin beweist immer wieder gern ihre Bondage-Fähigkeiten. Dass sie dazu noch ein sexy Kostüm trägt, bringt ihren Schöpfer William Moulton Marston im prüden Amerika der Vierziger in Schwierigkeiten.

Der auf seinem Leben basierende Film „Professor Marston & The Wonder Women“ wird daher von einer Anhörung durch eine Jugendschutz-Kommission gerahmt, vor der sich der Autor (Luke Evans) unter anderem damit rechtfertigt, dass er ein starkes Frauenbild zeigen wolle. Doch an Feminismus ist die strenge Ausschussleiterin nicht interessiert, sondern nur an den in ihren Augen schmutzigen, unmoralischen Aspekten des Comics.

Das Paar öffnet seine Ehe für eine Geliebte

Marston, der sie unter einem Pseudonym schreibt, erscheint ihr höchst verdächtig. Sie glaubt, dass er etwas verbirgt– womit sie sogar richtig liegt. Denn der gelernte Psychologe führt ein höchst unkonventionelles Privatleben an der Seite von zwei Frauen: seiner Ehepartnerin Elizabeth (großartig: Rebecca Hall) und seiner ehemaligen Studentin Olive (Bella Heathcote). Die beiden sind die Inspiration für die „Wonder Woman“-Comics, die Marston einmal als eine Fantasie und einen Liebesbrief bezeichnet.

Regisseurin und Drehbuchautorin Angela Robinson erforscht die autobiografischen Verbindungslinien auf eine ruhige, überzeugende Weise, wobei die Liebesgeschichte im Vordergrund steht. Ein wiederkehrendes Motiv in der ersten Filmhälfte sind Tests mit dem Lügendetektor, den die Marstons entwickelt haben. Die drei befragen sich gegenseitig zu ihren Gefühlen füreinander. Dabei wirkt der Messriemen um die Brust wie das Wahrheitslasso von Wonder Woman, heftige Nadelausschläge begleiten die Liebesgeständnisse wider Willen.

Die Rollen- und Fesselspiele sind erstaunlich züchtig

Elizabeth, selbst Forscherin und frustriert, dass sie als Frau nicht in Harvard promovieren kann, ist die Dominante in diesem Dreieck. Wie sich diese kontrollierte, von Olive angehimmelte und von William zutiefst verehrte Person langsam in das Abenteuer des Begehrens abseits der Norm hineinziehen lässt, macht den größten Reiz von „Professor Marston“ aus. Die erotischen Szenen hält Robinson dabei erstaunlich züchtig: Die dezenten Kostüm-, Rollen-, und Fesselspielereien wären für einen frühen „Wonder-Woman“-Comic sicher zu brav gewesen.

In 7 Berliner Kinos, OV: Cinestar Sony Center

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