Jack Woodhead bei seinem Auftritt im Tagesspiegel-Salon. Foto: Agnieszka Budek/Tagesspiegel
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Jack Woodhead im Interview "Ich bin schon mit sechs auf hohen Absätzen herumgestiefelt"

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Was ist der Unterschied zwischen Ihnen und einer Drag Queen? Wintergarten-Star Jack Woodhead im Gespräch über seine Auftritte, Frauenkleider - und was passiert, wenn er geschminkt in der U-Bahn steht.

„Heteros fragen, Homos antworten“: So heißt das neue Buch der Tagesspiegel-Redakteure Anja Kühne, Nadine Lange, Björn Seeling und Tilmann Warnecke. Bei der Präsentation des Buchs im Tagesspiegel-Salon hatte der Komponist und Sänger Jack Woodhead, Varietéstar und aus Wintergarten-Shows bekannt, einen Gastauftritt. Hier seine Antworten auf die Fragen einer Hetera.

In dem Buch „Heteros fragen, Homos antworten“ fragt ein Tagesspiegel-Leser, warum Schwule „oft so penetrant tuckig in Sprache und Gestik“ seien. Sie treten als Paradiesvogel in Shows auf, auf hohen Absätzen und in extravaganter Kleidung. Mögen Sie das Tuckige?

Ich spiele damit auf der Bühne, ja. Wenn Schwule sich im Privaten besonders tuckig geben, dann gefällt mir das nicht, es wirkt oft aufgesetzt und unecht.

Wann haben Sie angefangen, Frauenkleider zu tragen?

Ich bin schon mit sechs Jahren im Wohnzimmer auf hohen Absätzen und mit Lippenstift herumgestiefelt und habe für meine Eltern eine Show abgezogen. Mein T-Shirt habe ich mit Teddybären ausgepolstert, das waren meine Brüste.

Was ist der Unterschied zwischen Ihnen und einer „Drag Queen“?

Ich versuche nicht, eine Frau darzustellen, ich trage keine Perücke, keinen Busen und gar nicht unbedingt „weibliche“ Kleider. Mit meinen Kleidern würden die wenigsten Frauen rumlaufen! Ich stelle meinen eigenen Charakter Jack Woodhead dar. Ich fühle mich wohl im Körper eines Mannes, aber ich ziehe mich halt gerne extravagant an.

Auch wenn Sie privat unterwegs sind?

Auf Partys schon. Wenn ich eine Show habe und oft auf der Bühne bin, ziehe ich mich privat zurückhaltend an; wenn ich keine Show habe, dann lebe ich das Bedürfnis danach im Privaten aus.

Wie reagieren die Leute darauf?

Interessant ist: Wenn ich völlig übertrieben aufgemacht bin, kriege ich kaum negative Reaktionen – die Leute haben dann das Gefühl, dass sie mich in eine bestimmte Schublade stecken können. Wenn ich aber nur wenig verändert in der U-Bahn stehe – geschminkt, mit einem eleganten langen Mantel, einem auffallenden Hut –, dann sind sie irritiert.

Gibt es Fragen oder Reaktionen von Heteros, die Ihnen auf die Nerven gehen?

Ich finde es merkwürdig, wenn heterosexuelle Bekannte zu mir sagen: „Heute kommt ein schwuler Freund zu Besuch, den wirst du mögen!“ Als ob ich jeden mögen müsste, nur weil er schwul ist.

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