Dallas (Erika Linder) und Jasmine (Natalie Krill) verbringen ein Wochenende im Bett. Foto: Salzgeber
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Im Kino: Erotikdrama "Below Her Mouth" Im Bett mit der Dachdeckerin

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Das lesbische Erotikdrama "Below Her Mouth" konzentriert sich ganz auf die Leidenschaft von zwei frisch Verliebten. Model Erika Linder gibt ihr Kinodebüt als selbstbewusste Butch.

"Ich bin verlobt", haucht Jasmine (Natalie Krill). Allerdings scheint diese Information gerade niemanden zu interessieren – weder sie selbst noch die dicht vor ihr stehende Dallas (Erika Linder), deren Lippen nur noch Millimeter von ihren entfernt sind. Als sich ihre Münder endlich berühren, küsst Jasmine leidenschaftlich zurück.

Trotzdem läuft sie anschließend panisch weg. Denn sie spürt, dass das hier keine harmlose Partyknutscherei war, sondern der Beginn von etwas Unaufhaltsamen. Etwas, das ihr Leben durcheinander bringen wird.

Die Heiratspläne der Mode-Redakteurin rutschen auf ihrer Prioritätenliste jedenfalls in Lichtgeschwindigkeit nach unten. Verantwortlich dafür ist Dachdeckerin Dallas, die gerade auf dem Nachbarhaus arbeitet, sehr fordernd um sie wirbt und damit auch bald Erfolg hat. Die beiden stürzen sich in eine Affäre.

Der Kamerablick ist lustvoll ohne voyeuristisch zu sein

Mit einer rein weiblichen Crew in Toronto von der kanadischen Regisseurin und Schauspielerin April Mullen in Szene gesetzt, ist „Below Her Mouth“ völlig auf die Leidenschaft der Frischverliebten fokussiert. Die expliziten, langen Sexszenen sind deshalb zentral. Mit der Kamera nah an den Körpern gelingt Mullen vor allem in der ersten Sequenz ein lustvoller, aber nicht voyeuristischer Blick auf Krill und Linder.

Damit hebt sie sich ab von den Male-Gaze-geprägten Lesbensex-Inszenierungen der jüngeren Filmgeschichte. Anders als etwa in „Blau ist eine warme Farbe“ oder „Die Taschendiebin“ kommt bei April Mullens Bildern nicht der Eindruck auf, dass sie von Pseudolesben-Pornos inspiriert sind. Die diesen zugrundeliegende klassische Hetero-Männerfantasie wird in „Below Her Mouth“ schon dadurch durchkreuzt, dass Dallas gern einen Strap-On-Dildo benutzt.  

Die Softporno-Nähe des dramaturgisch und inszenatorisch schlichten Girl-meets-Girl-Werkes ist durchaus gewollt. So spielt Mullen etwa das Motiv des Handwerkers, der überraschend vorbeikommt und Spontansex mit einer Hausfrau hat, in einer Masturbationsszene an: Jasmine befriedigt sich in der Badewanne auf sehr artistische Weise selbst, während vom gegenüberliegenden Dach das Hämmern von Dallas zu hören ist. Das Ganze ist ein Quasi-Vorspiel zu dem Wochenende, das die beiden größtenteils im Bett verbringen werden.

Selbstbewusste Butch-Repräsentation

Dass die Hauptdarstellerinnen eine gute Chemie haben, ist ein großes Plus von „Below Her Mouth“. Wobei Erika Linder erstmals vor einer Filmkamera stand. Die 26-jährige Schwedin, die eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Leonardo DiCaprio hat, ist im Erstberuf Model. Die von ihr glaubhaft verkörperte Figur der Dallas macht das Erotikdrama vor allem für ein queeres Publikum sehenswert. Denn eine derart selbstbewusste Butch-Repräsentation war im Kino schon sehr lange nicht mehr zu erleben – wahrscheinlich sogar seit Gina Gershons Corky aus „Bound“ (1996) nicht mehr.

Verliebt in Toronto: Jasmine (Natalie Krill, links) und Dallas (Erika Linder). Foto: Salzgeber
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In TV-Serien sieht die Sache dank „Orange Is The New Black“, „Wentworth“ oder „The L Word“ glücklicherweise etwas besser aus. Ein wenig erinnert Dallas denn auch an Shane aus dem US-Klassiker der nuller Jahre: eine offensive Verführerin, die in persönlichen Dingen allerdings sehr zurückhaltend ist. Zudem sieht sie die schlanke Frau mit den hellblonden Haaren einfach klasse aus – egal ob sie Lederjacke, Anzug, Arbeitskluft oder gar nichts trägt. Als Butch-Idol hat Erika Linder jedenfalls das Potenzial, es mit Ruby Rose aufnehmen. Fehlen nur noch ein paar Tattoos. Und weitere Filmrollen.

"Below Her Mouth" läuft ab 13. April in Berlin im Central Hackescher Markt, Moviemento und Zukunft (alle OmU).

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