Schicke Aussicht. Die Gäste inszenieren ihre Körper in "Dream Boat". Foto: Gebrüder Beetz Filmproduktionp

Im Kino: Die Doku "Dream Boat"Schwule Freiheit, ahoi!

von Nadine Lange0 Kommentare

Für seinen Dokumentarfilm „Dream Boat“ geht Regisseur Tristan Ferland Milewski mit 3000 Männern auf Kreuzfahrt.

Das Motto der ersten Party heißt Flaggen und Landesfarben. Die meisten Männer scheinen kein Problem damit zu haben, sich eine Fahne umzubinden oder Nationalfarben auf die Wange zu malen. Doch für den in Brüssel lebenden Palästinenser Ramzi ist die Sache nicht so eindeutig. „Ich musste mein Land verlassen, weil ich schwul bin“, sagt er, während er sich für den Abend zurechtmacht. „Ich hasse mein Land nicht, aber ich schätze Belgien sehr.“ Dort könne man zur Polizei gehen, wenn man diskriminiert wird, in Palästina werde man von der Polizei drangsaliert.

Also kombiniert Ramzi eine schwarz-weiße Kufiya mit einer Belgien-Schärpe. Party und Politik kommen auch sonst zusammen auf diesem Ozeandampfer, der für die 3000 schwulen Kreuzfahrtgäste ein großes Freiheitsversprechen bedeutet. Hier sind sie für kurze Zeit einmal nicht in der Minderheit, müssen sich nicht verstecken oder blöd anschauen lassen. Das Glück darüber steht ihnen in die Gesichter geschrieben.

Fünf Männer hat Regisseur Tristan Ferland Milewski in seiner sehenswerten Dokumentation „Dream Boat“, die auf der Berlinale Premiere hatte, während der Reise begleitet. Neben Ramzi porträtiert er den in England lebenden Polen Marek, den in Dubai arbeitenden Inder Dipankar, den Österreicher Martin sowie den Franzosen Philippe. Was einen guten Querschnitt durch die auf dem Schiff vertretenen Hoffnungen und Einstellungen ergibt.

Der 31-jährige Dipankar, der sich sein Schwulsein erst seit zwei Jahren eingesteht, glaubt, die Reise sei „eine goldene Gelegenheit, Liebe zu finden“. Relativ schnell kommt er aber zu der Erkenntnis, dass es hier vor allem „um gute Schwänze und gute Ärsche geht“. Etwas verkürzt – aber Sex findet man hier eindeutig leichter als Liebe.

Auch Marek macht das zu schaffen. Er sieht gut aus, findet den konsumistischen Körperkult jedoch bedrückend. Weinend steht er einmal an der Reling und spricht darüber, wie sehr er sich nach jemandem sehnt, der nicht wegen seines Äußeren mit ihm zusammen sein will. Immer wieder gibt es solche anrührenden Momente in „Dream Boat“, der sehr von der Offenheit der Protagonisten profitiert – und von besagtem Körperkult, den die Kamera mit Schwenks über Sixpacks und Knackhintern angemessen würdigt.

Majestätisch gleitet der Dampfer durch den Ozean

Ein Gegengewicht dazu bildet der gehbehinderte, etwas ältere Philippe, der mit seinem Partner an Bord ist und eine leicht melancholische Lebensfreude ausstrahlt. Er hat ein „Free Hugs“-Schild dabei und sieht das Positive: Im Rollstuhl hat er den optimalen Blick auf die Badehosen um ihn herum.

Auch das riesige Schiff wird ästhetisch in Szene gesetzt, wobei besonders die mittels Drohnen gefilmten Luftaufnahmen beeindrucken: Majestätisch gleitet der Dampfer durch das Dunkelblau des Ozeans. Weil außer einer kurzen Landgang-Szene nur das Leben an Bord gezeigt wird, entsteht das Gefühl einer Parallelwelt – eine schwimmende Schwuleninsel. Prima Einstimmung auf die CSD-Saison.

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