Das Bezirksamt Mitte hat bereits in allen drei Rathäusern Unisextoiletten eingerichtet. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Berliner Verwaltung Justizsenator wirbt für Unisex-Toiletten in Ämtern

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Laut Prüfbericht der Berliner Justizverwaltung ist es unproblematisch, die Amtstoiletten auf Unisex umzurüsten. Einen Kulturkampf fürchtet Senator Behrendt deshalb nicht.

In den meisten Berliner Verwaltungsgebäuden ist es ohne großen Aufwand möglich, Unisex-Toiletten einzurichten. Das geht aus dem Prüfbericht der Justizverwaltung für das Abgeordnetenhaus hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. „Der Gebäude-Scan hat ergeben, dass eine Toilette für alle Geschlechter in vielen Häusern einfach umzusetzen ist“, sagt Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne), der auch für Antidiskriminierung zuständig ist.

In vielen Behörden gebe es genügend „Einpersonenanlagen“, wie es in dem Bericht heißt. Diese könnten zu Unisex-Klos umgewidmet werden, ohne dass sie baulich verändert werden müssen. „Separate Frauen- und Männertoiletten bleiben natürlich erhalten“, sagt Behrendt.

Das Abgeordnetenhaus hatte 2015 den Senat aufgefordert, die Einrichtung von Unisex-Toiletten zu prüfen; mit den Stimmen aller Fraktionen. Die WCs sollen Diskriminierungen für Trans*menschen und Intersexuellen abbauen, die beim Gang aufs Klo oft mit abschätzigen Blicken zu rechnen haben. Einen Kulturkampf – wie er etwa in den USA in einigen Bundesstaaten ausgebrochen ist – will Behrendt vermeiden. „In Zügen und Flugzeugen werden Toiletten auch nicht nach Geschlechtern getrennt, und das stört keinen.“

Ein Klo kostet maximal 500 Euro

Für den Bericht wurden zehn Gebäude geprüft, darunter Kultureinrichtungen, Amtsgerichte, ein Jobcenter und eine Senatsverwaltung. Die Kosten für die Umwidmung werden auf „maximal circa 500 Euro“ pro WC-Anlage beziffert. Zuweilen muss auch nur ein Schild ausgewechselt werden. Seine Verwaltung wolle jetzt mit der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmBH (BIM) – sie verwaltet die meisten öffentlichen Gebäude – für Umwidmungen werben. „Vorgeben können wir nichts“, sagt Behrendt.

In einigen öffentlichen Gebäuden ist das schon längst umgesetzt. Die Senatsverwaltung für Arbeit stellte einige WCs vor anderthalb Jahren um. Auch in der Justizverwaltung gibt es laut Behrendt ein All-Gender-Klo – eingerichtet von einem seiner Vorgänger. Die Alice-Salomon-Hochschule widmete einige Toiletten um, auch das Studio des Gorki-Theaters hat eine Toilette für alle. Und in vielen Berliner Clubs ist das All-Gender-Klo seit langem Usus.

Im Prüfbericht wird auch vorgeschlagen, „mittel- und langfristig“ in Gebäuden mit hohen Besucherzahlen – etwa Jobcenter oder Kultureinrichtungen – eine größere Anzahl von „Multifunktionstoiletten“ zu schaffen. Diese sollten „barrierefrei zugängliche Sitzbecken, Waschbecken, Wickeltische sowie ggf. Urinale“ umfassen, um einen inklusiven und auch familienfreundlichen Zugang zu ermöglichen. Kostenschätzungen liegen dafür nicht vor. Laut Behrendt kommt das vor allem dann infrage, wenn Gebäude ohnehin umgebaut oder saniert werden müssen.



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