Die Fahrradstaffel der Polizei im Einsatz in der Wilhelmstraße in Mitte. Foto: Jörn Hasselmann
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Studie der Unfallforschung Fahrradstaffel war erfolgreich

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Drei Jahre gibt es die Fahrradstaffel bei der Polizei. Die Unfallforschung der Versicherer hat das Projekt wissenschaftlich ausgewertet - und empfiehlt nun eine Aufstockung.

Am Donnerstag stellten Polizei und Unfallforschung die Ergebnisse der Studie vor. Demnach seien die speziellen Fahrradpolizisten von den Berlinern "positiv wahrgenommen" worden - obwohl der Kontrolldruck gesteigert worden sei. In den drei Jahren schrieben die 20 Radpolizisten 53.972 Anzeigen. 70 Prozent trafen Autofahrer, meist Falschparker. Nur 26 Prozent der Anzeigen richteten sich gegen Radfahrer, oft wegen Rotlichtmissachtung. "Es wird deutlich regelkonformer gefahren", sagte der Chef der Unfallforschung, Siegfried Brockmann. Und noch eine positive Nachricht: Die Zahl der schweren Radunfälle im Wirkungsbereich der Staffel ist zurückgegangen, nicht jedoch die Gesamtzahl der Unfälle. Brockmann empfahl eine "Weiterführung und Aufstockung der Fahrradstaffel" und eine Erweiterung des Einsatzbereichs auf andere innerstädtische Bereiche. Bislang ist die Truppe im Bezirk Mitte überwiegend zwischen Alexanderplatz und Regierungsviertel unterwegs.

Doch eine Ausweitung wird es so schnell nicht geben. Nach Angaben des Chefs der Verkehrspolizei, Andreas Tschisch, könne das Personal frühestens 2019/2020 aufgestockt werden - wenn denn die Politik die nötigen Stellen finanziere. Derzeit ist die Polizei schon froh, dass aus dem Pilotprojekt im Spätsommer in den Regelbetrieb überführt wurde. Dem Vernehmen nach sind derzeit nur 19 der 20 Stellen besetzt. Für den im Frühjahr ausgeschiedenen Chef der Staffel konnte bislang kein neuer, radbegeisterter Beamter gefunden werden. Derzeit sei eine räumliche Ausweitung nicht sinnvoll, weil schlicht Personal fehle. Wenn die 20 Radpolizisten neben Mitte weitere Innenstadtbereiche übernähmen, wäre die Fahrradstaffel als solche nicht mehr wahrnehmbar. Einzigartig ist das Berliner Projekt, weil die Polizisten keine weiteren Aufgaben haben und das ganze Jahr über im Dienst sind - auch bei Schnee im Winter. "Wir haben das Personal wirksam und gewinnbringend eingesetzt", ist Tschisch von der Fahrradstaffel überzeugt. Die anderen Radstaffeln in deutschen Großstädten müssen parallel normale Funkwagen-Einsätze bewältigen.

Eines fällt an den am Donnerstag vorgestellten Zahlen auf: Autofahrer fielen in den drei Testjahren immer negativer auf, Radfahrer immer positiver. Im ersten Testjahr bekamen 7000 Autofahrer und 6000 Radfahrer eine Anzeige - also ziemlich ausgeglichen. Im dritten Jahr hat sich das Verhältnis extrem verschoben: 16.700 Anzeigen für Autofahrer, nur noch 4000 für Radfahrer. Brockmann kritisierte, dass die Staffel sich zuletzt offenbar zu stark um Falschparker gekümmert habe.

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