Eine Frau mit einem Transparent "Vielfalt für Deutschland" mit zahlreichen anderen Menschen am Brandenburger Tor in Berlin. Foto: dpa/Jörg Carstensen
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Regierungsviertel in Berlin Tausende demonstrieren „gegen Hass und Rassismus im Bundestag“

Sophie Krause
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Am Sonntagmittag haben sich tausende Menschen im Regierungsviertel versammelt, um ein Zeichen gegen Rechtsextreme und Rassisten im Bundestag zu setzen. Ab Dienstag sitzt dort die AfD.

Bei bestem Demo-Wetter versammelten sich am Sonntag tausende Menschen „Gegen Hass und Rassismus“ vor dem Brandenburger Tor. Die Veranstalter sprachen von bis zu 12.000 Teilnehmern. Sie wollten ein Zeichen setzen gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft und gegen die rassistischen und diskriminierenden Positionen, die nach dem Wahlerfolg der AfD nun möglicherweise im Bundestag laut werden. „Die nächsten vier Jahre wird man uns hören“, rief Initiator Ali Can vom Verein "Interkultureller Frieden e.V." dem Publikum zu und forderte die Menschen zum Krachmachen auf. Die AfD konterte, die Demo sei ein "Anschlag auf die Demokratie".

Gekommen waren Jugendliche, Senioren, aber auch viele Familien, die Fahnen, Luftballons und Protestschilder trugen. Darunter befanden sich neben den von den Veranstaltern ausgegebenen Pappschildern mit den Aufschriften „Meine Stimme gegen Hetze“ und „Mein Herz schlägt für Vielfalt“ auch eindeutige Botschaften: „Fuck AfD“ und „Bundestag nazifrei“.

Den Initiatoren war es gelungen, in der kurzen Zeit nach der Wahl viele Menschen zu mobilisieren. Die Stimmung im Publikum blieb gelassen, nahezu andächtig lauschten die Menschen den Wort- und Musikbeiträgen.
Zwei Teilnehmerinnen erklärten, sie seien wegen der „geschichtlichen Verantwortung Deutschlands nach 1945“ gekommen: „Es ist erschreckend, wie salonfähig rassistische Äußerungen geworden sind“, sagte eine von ihnen. „Selbst studierte Menschen erdreisten sich, so etwas zu sagen.“ Angst hätten sie wegen des Rechtsrucks nicht: „Es sind nur 13 Prozent, die die AfD gewählt haben“, erklärte die Dame selbstbewusst. „Die anderen 87 Prozent sind ja vernünftige Menschen – hoffe ich“.

Versöhnung statt Hass


Es soll aber nicht darum gehen, die Spaltung der Gesellschaft zu vertiefen. Initiator Ali Can rief auf der Bühne: „Wir möchten uns versöhnen mit allen, die den Hass verbreitet haben. Aber wir möchten nicht auf die Spirale des Hasses aufspringen.“
Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz schwor die Demonstranten ein: „Ihr alle kennt noch die gespenstischen Szenen, die sich hier am 30. Januar zum 75. Mal jähren“, und schlug den Bogen zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933, als SA und SS von Jubel begleitet durch das Brandenburger Tor marschierten. Zum Glück sei man weit entfernt von solchen Szenen, so Bautz.

„Doch wenn Nazis und Faschisten in den Bundestag einziehen, müssen wir sagen: Wehret den Anfängen!“ Er forderte, lauten Widerspruch zu formulieren und die Ursachen des Rechtsrucks zu bekämpfen: Zeitverträge, Altersarmut und steigende Mieten, aufgrund derer sich Menschen abgehängt fühlten.
Um 13.30 Uhr zogt der Demozug los in Richtung Siegessäule. Neben der Bühne griff eine Flaschensammlerin tief in eine große Mülltonne.

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