Seit 15 Jahren ist die 1906 eröffnete Späthbrücke mit Stacheldraht versperrt. Die Bürgermeister von Neukölln und Treptow wollen sie wieder öffnen – Radfahrer und Fußgänger hätten so eine neue Anbindung an den Mauerradweg. Foto: Jörn Hasselmannp

Radverkehr in Berlin SPD will Späthbrücke wieder öffnen

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Die Öffnung der alten Späthbrücke zwischen Neukölln und Treptow würde Radfahrern neue Wege öffnen. Die Sache hat aber einen Haken.

Berlin tut sich schwer mit dem Radverkehr. Lange Jahre geschah fast nichts, der Fahrradvolksentscheid hat bewirkt, dass das nun zumindest jeder weiß. In den letzten Monaten entstanden viele hochfliegende Pläne – doch der Neuköllner Bundestagsabgeordneten Fritz Felgentreu hatte eine ganz einfache Idee, Radfahrern und Fußgängern zu helfen. Er fordert eine Brücke – eine aber, die schon da ist.

Seit Eröffnung der Neuen Späthbrücke 2002 ist die historische Späthbrücke über den Teltowkanal mit Stacheldraht und Gittern versperrt. Bislang weigert sich die dem Bund unterstehende Wasser- und Schifffahrtsstraßenverwaltung, die Brücke zu öffnen. Am Sonntag präsentierte der SPD-Politiker mit den Bezirksbürgermeistern von Neukölln und Treptow, Franziska Giffey und Oliver Igel (beide SPD), ihren Plan zur Wiedereröffnung. „So ist die Brücke verschenkt“, ärgert sich Felgentreu.

Die 1992 grundlegend sanierte Brücke untersteht dem Bundesverkehrsministerium. Doch das scheint daran kein Interesse zu haben, wie Felgentreu sagt. Sein Brief an Verkehrsminister Alexander Dobrindt sei nicht beantwortet worden. „Seit eineinhalb Jahren habe ich nichts gehört“, klagt Felgentreu. Wie viel eine Rampe kosten würde, um die historische Späthbrücke an den Mauerradweg anzubinden, konnte Felgentreu nicht sagen.

Das Desinteresse des Bundes ist kein gutes Omen für eine andere, viel wichtigere Brücke. Denn dem Mauerradweg entlang der A113 fehlt eine Anbindung nach Norden. Die erforderliche Brücke über den Britzer Verbindungskanal ist Teil des im Februar vom Senat vorgestellten Radschnellwegenetzes. Ob und wann sie gebaut wird, steht nicht fest. „Da sind Bund, Land und Bezirk beteiligt“, sagt Bürgermeisterin Giffey. Die Radbrücke parallel zur Autobahn wäre ein „unheimlicher Gewinn“.

Gruppenbild vor gesperrter Brücke. Die Bundestagsabgeordneten Matthias Schmidt (li) und Fritz Felgentreu (mi), die Bezirksbürgermeister von Treptow und Neukölln, Oliver Igel und Franziska Giffey^und Christa Emde vom ADFC (re). Foto: Jörn Hasselmannp

Beim Bau der A113 entstand nach der Jahrtausendwende zwischen Autobahn und Teltowkanal ein perfekt asphaltierter Betriebsweg – nur die Anbindung in die Stadt wurde vergessen. Erreicht wird der Weg weit abseits von der Chris-Gueffroy-Allee oder am stark befahrenen A113-Anschluss Späthstraße. Am südlichen Ende überquert der Mauerradweg dagegen parallel zur Autobahn den Teltowkanal und führt bis nach Schönefeld. Die fast sechs Kilometer lange Strecke am Kanal ist bei Spaziergängern, Skatern und Rennradfahrern sehr beliebt. Wer sich auskennt, kommt als Radfahrer mit nur zwei Ampeln und weitgehend autofrei vom Tempelhofer Feld bis nach Schönefeld. Ausgeschildert ist die Strecke nicht, und in Neukölln bremst auf verwinkelten Uferwegen desaströses Pflaster.

Der Senat will den Mauerradweg nun auch für Pendler attraktiver machen. Von 30 Radschnellweg-Trassen, die die Verkehrsverwaltung berlinweit untersucht hat, erreichte der offiziell „Betriebsweg A113“ genannte idyllische Weg die Spitzennote 1,9. Am Britzer Zweigkanal würde sich der Radschnellweg nach Ost (Richtung Elsenbrücke) und nach West  (Trasse Südstern-Neukölln) verzweigen. Radschnellwege sollen schnell, sicher und direkt zu befahren sein, letztlich sollen sie Autofahrer zum Umstieg animieren. Wann der erste Senatsradschnellweg fertig ist, steht nicht fest.

Klare Ansage. Die Brücke wurde 1992 umfassend saniert und ist in gutem Zustand. Foto: Jörn Hasselmannp
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