Knotenpunkt. Der U-Bahnhof Hermannplatz gehört zu den gefährlichsten Berliner Stationen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Berlin-Neukölln BVG-Kontrolleure am U-Bahnhof Hermannplatz angegriffen

Helke Ellersiek
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Als zwei Kontrolleure einen mutmaßlichen Schwarzfahrer in Neukölln festhalten, werden sie von vier Männern angegriffen. Eine größere Gruppe feuert die Täter an.

In Neukölln wurden am Montagnachmittag zwei Fahrkartenkontrolleure der BVG angegriffen und leicht verletzt. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei hielten die 20- und 22-jährigen Mitarbeiter, die in Zivil unterwegs waren, gegen 17.20 Uhr auf dem U-Bahnhof Hermannplatz einen mutmaßlichen Schwarzfahrer fest und alarmierten die Polizei.

Der Mann beschimpfte die Kontrolleure, dann seien plötzlich vier Männer dazugekommen, die auf die beiden BVG-Mitarbeiter losgingen, um den mutmaßlichen Schwarzfahrer zu befreien. Laut Polizei, die erst später eintraf, sollen sie die Kontrolleure geschlagen, getreten und gekniffen haben. Gleichzeitig hat sich offenbar eine Traube aus etwa 25 Passanten gebildet, aus der heraus das Quartett angefeuert wurde.

Schließlich gelang dem Mann ohne Ticket die Flucht, auch die vier Männer, die ihn befreit hatten, liefen weg. Einer der Zivilkontrolleure und sein uniformierter Kollege, der dazugeeilt war, wurden leicht verletzt. Die Kriminalpolizei ermittelt gegen Unbekannt wegen Landfriedensbruchs, Beleidigung und Körperverletzung. Laut einer Polizeisprecherin geht es dabei auch um die Umstehenden.

Auf Deeskalation trainiert

Anders, als oft angenommen wird, sind Kontrolleure berechtigt, Schwarzfahrer festzuhalten, bis die Polizei eintrifft. Das ist durch das sogenannte Jedermann-Festnahmerecht der Strafprozessordnung geregelt. Demnach ist jeder dazu befugt, einen Täter, der auf frischer Tat ertappt wird, festzuhalten, wenn seine Identität nicht sofort festzustellen ist und Fluchtgefahr besteht. Der Paragraph soll Situationen abdecken, in denen die Polizei nicht sofort vor Ort ist.

Die BVG rät ihren Mitarbeitern allerdings, sich nicht in Gefahr zu bringen und auf die Polizei zu warten. Die Kontrolleure müssen sich aber keine Übergriffe gefallen lassen: „Unsere Kontrolleure sind keine Ordnungsmacht wie die Polizei, aber sie dürfen sich natürlich wehren, wenn sie angegriffen werden“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Die Angriffe seien jedoch seit Jahren rückläufig: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Verkehrsgesellschaft 555 Übergriffe auf ihre Mitarbeiter, knapp die Hälfte gegenüber 2012, als noch 1004 Angriffe gemeldet wurden.
Eine Erklärung für den Rückgang hat die BVG nicht. Die Kontrolleure bekommen schon seit Jahren Deeskalationstrainings

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