Im Tiergarten gibt es eine Gedenkstätte für die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma. Das Denkmal wurde nach einem Entwurf des Künstlers Dani Karavan gestaltet. Foto: dpa
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Antiziganistische Vorfälle in Berlin Ausgrenzung und Diskriminierung von Roma nehmen offenbar zu

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Das Dokumentationsprojekt "Amaro Foro" beklagt "umfassende und zunehmende" Diskriminierung. Justizsenator Behrendt äußerte sich solidarisch.

Das Dokumentationsprojekt von "Amaro Foro" hat für das Jahr 2016 568 antiziganistische und diskriminierende Vorfälle in Berlin erfasst. Darunter sollen 146 gemeldete Vorfälle und 63 diskriminierende Medienberichte sein. Außerdem wurden auch die Reaktionen von Lesern ausgewertet. Dabei wurden 350 Äußerungen gegen Sinti und Roma in Kommentarspalten und neun Social-Media-Beispiele dokumentiert. Bei den gemeldeten Vorfällen ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr (118) ein Anstieg von etwa 20 Prozent.

„Roma oder Menschen, die dafür gehalten werden, erleben in Berlin eine fast umfassende und vor allem zunehmende Diskriminierung", sagte die Projektleiterin bei "Amaro Foro", Diana Botescu. Ihr zufolge kommt es vor allem beim Kontakt zu Leistungsbehörden wie Jobcentern oder Familienkassen zu strukturellen Diskriminierungen. „Außerdem kommt es vor allem im Bereich Alltag und öffentlicher Raum immer wieder zu Beleidigungen bis hin zu massiven Drohungen und Angriffen“, so Botescu.

"Sie verdienen unsere Solidarität"

Auch der grüne Justizsenator Dirk Behrendt äußerte sich zu dem neuen Bericht: "Sinti und Roma sind die wohl am stärksten benachteiligte und diskriminierte Minderheit in Europa. Sie verdienen unsere Solidarität", sagte Behrendt. Ihm zufolge sei es die demokratische Pflicht von Medien, Politik und Zivilgesellschaft, aktiv gegen Antiziganismus vorzugehen.

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