11 Minuten für 110. Extremfall aus Berlin. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Polizei in Berlin Bei Notruf bis zu 11 Minuten Wartezeit

Anna Pia Möller
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Erst der Überfall und oder doch erst der Autounfall? Manchmal müssen Menschen in Not sehr lange warten.

Im Durchschnitt dauert es 13 Sekunden, bis die Beamten in der Notrufzentrale der Berliner Polizei einen Anruf entgegennehmen. In Extremsituationen kann sich diese Wartezeit aber bis auf 11 Minuten erhöhen, wie jetzt aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervorgeht. So geschehen am 29. Juni 2017. An diesem Tag fegte ein Unwetter über die Stadt, das den meisten Berlinern noch gut in Erinnerung sein dürfte. U-Bahnhöfe waren überflutet, Keller liefen voll, auf Straßen stand das Wasser kniehoch. In solchen Ausnahmesituationen gingen in kurzer Zeit sehr viele Notrufe gleichzeitig ein. Diese müssten nacheinander abgearbeitet werden und überschritten das reguläre Anruferaufkommen massiv, heißt es in der Stellungnahme der Senatsinnenverwaltung.

Die gleiche Anfrage hatte Luthe bereits im vergangenen Jahr gestellt. Da habe die maximale Wartezeit 10 Minuten betragen. "Dass sich diese Zahl jetzt sogar erhöht hat, offenbart das fehlende Verantwortungsbewusstsein der Landesregierung für ihre Kernaufgabe: für die Sicherheit der Bürger zu sorgen.", sagt Luthe. "Unter diesen Umständen ist das Überleben der Verletzten vom Zufall abhängig. Keiner weiß, ob erst der vollgelaufene Keller, oder erst der Schlaganfall entgegengenommen wird."

Die Polizei habe keine Möglichkeit, Notrufe zu priorisieren, erklärt ein Sprecher der Polizei. Die Anrufe würden in der Reihenfolge bearbeitet, in der sie reinkämen. Daher sei es wichtig, auch bei längeren Wartezeiten in der Leitung zu bleiben. "Wer auflegt und nochmal anruft, muss sich wieder hinten anstellen."

Zu viele Notrufe: Beim Starkregen im Juni kam es zu langen Wartezeiten bei 110 und 112. Foto: imago/Marius Schwarz
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Die meisten Anrufe während Sturmtief Xavier

Auch bei der Berliner Feuerwehr dauert es immer länger, bis abgenommen wird. 2016 lag die durchschnittliche Wartezeit noch bei knapp 14 Sekunden. Im Jahr 2017 hat sie sich auf 20,6 Sekunden erhöht. Die Gründe dafür konnte die Feuerwehr nicht benennen. Die längste Wartezeit im letzten Jahr betrug 18 Minuten und 30 Sekunden. Diese Zeit wurde während des Sturmtiefs Xavier im Oktober gemessen. "An diesem Tag waren über Stunden all unsere Leitungen belegt", sagte Thomas Kierstein von der Berliner Feuerwehr.

Eine flexible Bereitschaft, die bei Bedarf auch von Zuhause oder Unterwegs Notrufe entgegennehmen kann - das schwebt Luthe vor. "Ob das Problem technisch oder personell gelöst wird, ist allerdings Aufgabe des Senats, nicht des Parlaments. Fest steht nur, dass es dringend gelöst werden muss, um nicht weiter Menschenleben zu gefährden."

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