Lackierte Wagenkästen der neuen S-Bahn stehen im Stadler Werk in der Montagehalle. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa
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Nahverkehr in Berlin Die neuen S-Bahnen werden montiert

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Der Wagenkasten kommt aus Ungarn, die Technik aus Pankow; 900 Millionen Euro investiert die Bahn in die neuen Wagen. Ab Mitte 2019 sollen sie fahren.

Der Bauch ist schon da – jetzt werden auch noch das Herz und das Gehirn eingepflanzt. Die neue S-Bahn, sie beginnt zu leben, wie es am Montag beim offiziellen Montagestart der neuen Baureihe im Stadler-Werk in Pankow hieß.

85 Vier-Wagen- und 21 Zwei-Wagen-Einheiten hat die Bahn zunächst bestellt, die gemeinsam von Stadler und Siemens gebaut werden. Rund 900 Millionen Euro will die Bahn investieren. Mitte 2019 soll der Testbetrieb beginnen, Anfang 2021 sind die ersten Fahrgastfahrten geplant.

Die letzten Fahrzeuge sollen 2023 geliefert werden

Die erste Fahrt haben die drei Rohbaufahrzeuge, die bereits in der Halle stehen, schon hinter sich. Per Tieflader sind die Wagenkästen als Straßentransport vom ungarischen Stadler-Werk nach Pankow gerollt, wo nun der Innenausbau beginnt. Das Werk in Ungarn sei innerhalb des Konzerns auf solche Aluminiumfahrzeuge spezialisiert, sagte der Deutschland-Geschäftsführer von Stadler, Ulf Braker bei der Montage-Premiere durch das Anbringen einer Isolierplatte.

Mehrere Wochen werden nun Mitarbeiter in verschiedenen Teams bohren, kleben, schrauben und sicher auch hämmern. Reibungslos werde das trotz aller Computer-Berechnungen nicht gehen, weiß Braker. Er ist aber überzeugt, dass die Ingenieure jeweils schnell eine Lösung finden werden, wenn es irgendwo klemmt. Für die Montage der ersten Fahrzeuge müsse man mehr Aufwand betreiben als später, wenn die Züge in Serie gebaut werden. Zunächst werden jeweils fünf durchgehend begehbare Vier- und Zwei-Wagen-Züge auf die Schienen gestellt. Die letzten Fahrzeugen sollen 2023 geliefert werden. Sie sind für den Verkehr auf dem Ring und dessen Zulaufstrecken vorgesehen.

Das „Herz“ der neuen Züge ist für Sabrina Soussan von Siemens der Antriebscontainer mit den Motoren und der elektrischen Ausrüstung. Die Leit- und Steuerungstechnik bilde das „Gehirn“, sagte Soussan.

Und selbstverständlich hat die Neue auch eine „Seele“ – den Komfort, den das Fahrzeug bieten soll. Unter anderem wird es erstmals eine Klimaanlage geben. Sitzend können aber weniger Fahrgäste als in den alten Zügen die Annehmlichkeiten genießen. Im neuen Fahrzeug sind in einem Doppelwagen 80 Sitze eingebaut, 20 davon klappbar. Die älteren Typen haben je nach Bauart 92 bis 100 Sitzplätze. Dafür sind die Mehrzweckbereiche in den neuen Fahrzeugen erheblich größer.

Auch neue U-Bahn-Wagen sind geplant

Ins Konzept seien zahlreiche Anregungen von Kunden und Verbänden eingeflossen, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner. Im Herbst 2016 hatte man im Werk Schöneweide ein Modell in Originalgröße aufgebaut und vorgeführt sowie Fragebogen ausgeteilt.

Lackiert werden die Züge in den Traditionsfarben Rot-Gelb, die aber anders als bisher aufgeteilt werden. Das Gelb dominiert. 220 Kilogramm Farbe hängen an einem Wagen, die schon lackiert aus Ungarn eintreffen.

Für den Auftrag musste Stadler keine weiteren Mitarbeiter einstellen, sagte Braker. Das Unternehmen beschäftigt nach seinen Angaben rund 1100 Menschen. Sie schafften auch den Zusatzauftrag der BVG, die 20 vierteilige U-Bahnen zusätzlich bestellt hat, um ihren Wagenmangel etwas zu beheben. Auch die BVG will einen neuen U-Bahn-Typ haben. Die Ausschreibung ist aber noch nicht erfolgt. Um den Auftrag wird sich sicher auch wieder Stadler bewerben. Mit Bahnen aus Berlin und für Berlin, wie Braker sagte.

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