Nach Rassismusvorwürfen machte der Wirt aus dem „kleinen Mohr“ einen „kleinen Moritz“. Fotos: Thilo Rückeis
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Nach Rassismus-Vorwürfen Berliner Kneipe streicht "Mohr" aus ihrem Namen

Michael Graupner
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Eine Kneipe am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg hat sich umbenannt und ihren Namen mit diskriminierendem Hintergrund abgelegt. Aber nicht allen Stammgästen gefällt das.

Mit der politischen Korrektheit ist es gerade an den Stammtischen dieser Republik eine schwierige Sache. Das wird an diesem Abend am Moritzplatz wieder einmal deutlich. Die dort befindliche Kneipe „Zum kleinen Mohr“ heißt seit Oktober „Zum kleinen Moritz“. Doch ihre Stammgäste sind nicht begeistert.

„Wohin soll das denn noch führen?“, ruft Kai. „Diese Political Correctness ist doch albern“, schimpft Ralf, braucht aber mehrere Anläufe, um „Political Correctness“ korrekt auszusprechen. Ein anderer Stammgast führt spontan eine Umfrage durch: „Wer will den alten Namen zurück?“ Kai und Ralf melden sich. Der Rest der gut gefüllten Kneipe ignoriert sie. Man trinkt lieber seine große Molle für 2,30 Euro, im Hintergrund blinken die Spielautomaten, dicke Rauchschwaden erfüllen den Raum. Eckkneipenromantik.

Renato Bono beobachtet die drei und schüttelt den Kopf. Seit 2002 besitzt er die Kneipe. „Die kannste heute nicht mehr ernst nehmen.“ Bono ist ein ungewöhnlicher Kneipier: Er trägt kurze Haare, Jogginghose und trinkt keinen Alkohol. „Sonst hältst du das nicht durch“, sagt er. Als er die Kneipe übernahm, wusste er gar nicht, was es mit diesem Mohren überhaupt auf sich hatte. „Irgendwas mit Sklaven“ habe der Begriff zu tun, erzählte man ihm.

Namensursprung ist umstritten

Damit liegt Bono nicht ganz falsch. Der Begriff „Mohr“ stammt wohl schon aus dem Mittelalter. Europäer nannten in Reiseberichten so Menschen mit dunkler Hautfarbe, die sie auf dem afrikanischen Kontinent trafen. Im 17. und 18. Jahrhundert verbreitete sich die Bezeichnung, als dunkelhäutige Kinder und Erwachsene als Sklaven an europäischen Königs- und Fürstenhöfen gehalten wurden.

So kam vielleicht auch die Mohrenstraße in Mitte Anfang des 18. Jahrhunderts zu ihrem Namen. Der genaue Namensursprung ist aber umstritten. Wie auch der Name an sich. Seit einigen Jahren wird über die Umbenennung der Straße diskutiert. Mehrere Organisationen sprechen sich dafür aus. Sie prangern den diskriminierenden Hintergrund des Begriffes an. Ihre Bestrebungen scheiterten bislang am Bezirk.

Die Kneipe "Zum kleinen Mohr" heißt jetzt "Zum kleinen Moritz". Promo
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Warum ausgerechnet die Kneipe den Mohren im Namen trug, weiß niemand so richtig. Laut Inhaber Bono habe sich hier einmal eine „Mohren Apotheke“ befunden. Seit mehr als 30 Jahren sei es aber eine Kneipe. Anfangs habe ihn das alles wenig gekümmert. Bis seit einiger Zeit häufiger Leute in die Kneipe kommen und meinen, er sei rassistisch. Das letzte Mal am 1. Mai. „Die ganze Hütte war voll und jemand stürmte rein und rief, dass das hier eine Nazi-Kneipe sei. Da habe ich ihm gesagt: Wir sind keine Nazi-Kneipe!“ Renato Bono betont, dass sein Vater Italiener war und er selbst absolut nichts gegen Ausländer habe. Das gelte auch für die meisten seiner Gäste.

Ein "Frauenschänder" als Namenspatron

Dennoch wollte er sich die Vorwürfe nicht mehr anhören. Er fragte bei der Brauerei nach, ob die nicht die beiden Schilder an der Fassade auswechseln könnte. Das taten sie. „Sonst hätte ich das auch nicht gemacht“, sagt Bono. Momentan noch hinter einem Baugerüst versteckt, leuchtet nun an der Wand: „Zum kleinen Moritz“.

„Da wir ja hier am Moritzplatz sind, war das dann naheliegend“, sagt Bono. Doch wer war dieser Moritz? Benannt ist der Platz nach Moritz von Oranien. Der war im 16. und 17. Jahrhundert Statthalter von Holland, führte einen pompösen Fürstenhof und war für seine Kriegsführung bekannt. Er lebte zwar lange mit Margaretha van Mechelen zusammen und hatte mit ihr drei Kinder, heiratete sie aber nie. Denn daneben hatte er noch weitere fünf Kinder von fünf anderen Frauen. Das brachte ihm seinerzeit den Ruf eines „Frauenschänders“ ein.

Währenddessen ist in der Kneipe wieder Ruhe eingekehrt. An der Theke schweigen die Männer über ihrem Bier, Kai und Ralf zahlen. Gerade erst hat sich der Preis um 20 Cent erhöht. Das sei aber völlig in Ordnung, meint Ralf. „Daran kann ich mich gewöhnen.“

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