Ein Fahndungsplakat der Berliner Polizei an der Tür des Mehrfamilienhauses in der Naugarder Straße in Berlin. Foto: Monika Skolimowska/dpap

Mord in Prenzlauer Berg Wurde auch Irma Kurowski ermordet?

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Eine alte Frau wird vermisst, seit 17 Jahren schon. Jetzt hat die Polizei einen Verdacht. Im Mittelpunkt steht dabei jener Mann, der einen Rentner getötet und zerstückelt haben soll.

Es ist ein wolkenbedeckter Tag, als zwei Ermittler der Kriminalpolizei in der Naugarder Straße in Prenzlauer Berg von Haus zu Haus gehen. Sie suchen Zeugen, befragen Anwohner, Kneipenbesucher und den Bäcker von nebenan, verteilen Fotos, auf denen eine ältere Dame zu sehen ist: Irma Kurowski. Wer kannte sie? Und wann wurde sie zuletzt gesehen?

Nur wenige Tage nachdem die Polizei einen getöteten Rentner in einer Kühltruhe in der Hosemannstraße in Prenzlauer Berg entdeckt hat, haben die Ermittler Hinweise auf ein weiteres Verbrechen. Polizei und Staatsanwaltschaft teilten am Montag mit, dass der 55-jährige Tatverdächtige auch Zugriff auf die Rentenzahlungen einer heute 92-jährigen Frau hatte: auf die Zahlungen von Irma Kurowski. Er war damals im selben Haus wie die Frau gemeldet. Irma Kurowski, die in der Naugarder Straße wohnte, gilt nach derzeitigem Ermittlungsstand seit dem Jahr 2000 als verschwunden. Als vermisst gemeldet wurde sie laut Polizei nie. Im August 2002 wurde sie von Amts wegen bei ihrer Anschrift in Prenzlauer Berg abgemeldet.

Durch Videoaufnahmen in einer Bankfiliale konnte der Verdächtige bald gefasst werden

Erst am vergangenen Mittwoch war bekannt geworden, dass die Polizei am 9. Januar die zerstückelten Überreste eines heute 90-jährigen Mannes in einer Tiefkühltruhe in seiner Wohnung in der Hosemannstraße gefunden hatte. Die Obduktion des Rentners hatte ergeben, dass er vermutlich bereits vor zehn Jahren ermordet worden war. Während der Ermittlungen stellten die Beamten außerdem fest, dass ein Unbekannter jahrelang Geld vom Konto des Toten abgehoben hatte – zuletzt im Januar.

Foto: nullp

Durch Videoaufnahmen einer Bankfiliale konnte die Polizei den Mann identifizieren und ihn einen Tag nach dem grausigen Fund, am 10. Januar, in der Nähe der Wohnung des Rentners festnehmen. Der 55-jährige Tatverdächtige führte persönliche Gegenstände des Opfers mit sich. Jetzt wurden auch persönliche Gegenstände von Irma Kurowski bei dem Mann gefunden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die Frau ebenfalls einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist und bitten die Bevölkerung deshalb um Hinweise. Angehörige der Frau konnten sie bisher noch nicht ausfindig machen.

Noch schweigt der Tatverdächtige zu beiden Fällen

Der Tatverdächtige schweigt. Laut Martin Steltner von der Staatsanwaltschaft verweigert der Mann, der Deutsch-Pole sein soll und aktuell in Untersuchungshaft sitzt, jede Aussage zu beiden Fällen und hat auch kein Geständnis abgelegt.

Die Wohnungen beider Opfer liegen nur etwa 250 Meter auseinander. Ob der Tatverdächtige eventuell weitere Menschen umgebracht haben könnte, um sich an ihren Renten zu bereichern, wollte die Polizei am Montagmittag nicht ausschließen. "Im Moment gibt es dafür keine Hinweise, aber unsere Ermittlungen dauern an", sagte ein Sprecher. Martin Steltner von der Berliner Staatsanwaltschaft wollte weitere Opfer ebenfalls nicht ausschließen.

In dieser Straße lebten Opfer und Tatverdächtiger – und zwar im selben Haus, wie die Polizei nun mitteilte. Foto: Ann-Kathrin Hippp

In der Naugarder Straße hat die Kriminalpolizei inzwischen Bilder der Vermissten an alle Türen der Nachbarschaft aufgehängt. Immer wieder bleiben Menschen davor stehen, betrachten die Frau und lesen den Zeugenaufruf, den die Polizei geschrieben hat. "So was gab es hier noch nie", sagt eine Frau, die bereits seit den 90er Jahren in der Nachbarschaft wohnt, und schüttelt den Kopf. Sie kennt die Frau nicht, aber das sei hier keine Ausnahme. Generell kenne man nur wenige Leute in der Nachbarschaft, sagt sie. Vieles sei hier anonym.

Vom Billardtisch der Bierstube gegenüber blickt man direkt auf das Haus von Irma Kurowski. Doch auch hier will die Frau keiner gekannt haben, immerhin ist die Geschichte auch schon mehr als zehn Jahre her. Trotzdem drücken die Polizeibeamten den Kneipenbesuchern einen Zettel mit ihrem Foto in die Hand. Für den Fall der Fälle: Falls wer wen kennt, der wen kennt, der die Frau kannte. Einen Mann, der zumindest das andere Opfer kennen will, bitten die Beamten für eine Aussage mit aufs Revier zu kommen. "Das ist schon komisch", sagt eine andere Kneipenbesucherin. "Ist ja schon das zweite Mal in so kurzer Zeit."

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