Liebe, die nicht hält. Die BVG wirbt mit dem drahtlosen Internet-Zugang. Doch WLAN gibt es nur im Bahnhof. Foto: picture alliance / Jörg Carstens
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Mobile Daten in Berlin Die BVG schwächelt weiter beim WLAN

Markus Hüttmann
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Der Mobilfunkempfang in der Berliner U-Bahn ist nach wie vor sehr schlecht – und WLAN gibt es nur an Bahnhöfen. Verbesserungen der Netzinfrastruktur in den Schächten verzögern sich seit Jahren.

Als die U6 in den Bahnhof Oranienburger Straße einfährt, blickt der Fahrgast im Waggon gebannt auf sein Smartphone und wartet auf die kleinen Symbole auf dem Display, die einen erfolgreichen Verbindungsaufbau zum Mobilfunk anzeigen. Und siehe da: Tatsächlich füllt sich ein Balken, die Verbindung steht, es kann losgesurft werden. Doch kaum ist die erste Seite geöffnet, bewegt sich die U-Bahn wieder. Und sobald sie in den dunklen Schacht eintaucht, bricht die Verbindung ab, der hoffnungsvolle Blick weicht resignierter Enttäuschung. Auf ein Neues in der nächsten Station.

So ergeht es momentan vielen Fahrgästen in der Berliner U-Bahn. Abhängig von Streckenabschnitt und Mobilfunknetz ist die Verbindungsqualität in den Schächten miserabel oder gar nicht vorhanden. Dabei rühmt sich die BVG eigentlich mit dem Ausbau ihres kostenlosen WLAN-Angebots.

In der Tat geht das Vorhaben seit 2016 schnell voran, erklärt ein BVG-Sprecher: Nach Auskunft der BVG seien bereits seit April dieses Jahres 170 von 173 Stationen mit dem WLAN-Netz der BVG ausgestattet. Die fehlenden drei Stationen Bismarckstraße (U7 und U2), Schlossstraße und Steglitz (beide U9) würden ohnehin gerade komplett saniert und bis Ende 2018 nachrücken. Zu den Kosten von 5 Millionen Euro steuerte der Senat 190 000 Euro bei.

Verbindung für Sekunden

In der Praxis sorgt das neue WLAN derzeit aber oft für weniger statt mehr Verbindungsqualität: Nutzt man als Fahrgast das stationäre WLAN in den Bahnhöfen, kommt es beim Ein- und Ausfahren in die Stationen zum ständigen Wechsel zwischen Mobilfunknetz und WLAN-Netz der BVG. Da das Ein- und Ausloggen schon mal etwas dauern kann, verbleiben dem Nutzer oft nur ein paar Sekunden mit einer stabilen Verbindung, bevor die Bahn weiterfährt und die Verbindung erneut verschwindet – das vergrößert allenfalls den Frust.

Diesen Zustand kritisieren nicht nur Nutzer in Kommentaren und Forenbeiträgen im Internet, sondern auch der Grünen-Abgeordnete Stefan Ziller, Mitglied des Ausschusses für Kommunikationstechnologie und Datenschutz. Im Januar stellte er eine Anfrage an den Senat zum Thema. Die Antwort, die der Senat von der BVG einholte: Der öffentliche Mobilfunkempfang sei eben „ein Oberflächenfunk und nicht für den Einsatz in U-Bahn-Tunneln optimiert“, das WLAN der BVG sei ein Angebot, das die Qualität des ÖPNV in Berlin erhöhe. Für Nutzer eine wenig zufriedenstellende Antwort.

Mobil ohne Netz

Wer das WLAN der BVG beim U-Bahnfahren deaktiviert, steht vor dem nächsten Problem: Der Mobilfunkempfang in den Schächten ist miserabel und schwankt zwischen sehr langsamen Verbindungen und Totalausfall – außer für Kunden im O2-Netz. Bereits vor einigen Jahren unterzeichneten die BVG und der mittlerweile von der Télefonica Deutschland aufgekaufte O2-Vorgänger E-Plus einen exklusiven Vertrag für den Ausbau von Infrastruktur für schnelle Datenverbindungen mittels der Übertragungstechniken UMTS und LTE. Kunden in den Netzen von Vodafone und Telekom dagegen guckten bislang in die Röhre.

Nun gibt es aber einen Hoffnungsschimmer: Auf Nachfrage bestätigt der Konzern die Existenz eines Pilotprojekts, nachdem einige Nutzer in Foren des Konzerns von unerwartet guter Mobilfunkverbindung auf einigen Streckenabschnitten berichtet hatten. Im Rahmen des Projekts testen seit Mitte September die Telekom und auch Vodafone den Einsatz von schneller LTE- und UMTS-Technik in den Berliner U-Bahnschächten. Der Versuch läuft auf der Linie U8 zwischen Kottbusser Tor und Hermannstraße sowie auf der U7 zwischen Gneisenaustraße und Hermannplatz.

Berlin hinkt hinterher

Wie es über das Projekt hinaus weitergeht, steht allerdings in den Sternen, die Verantwortlichen schieben sich für die Verzögerungen gegenseitig die Schuld zu: Die BVG verweist auf die Mobilfunkbetreiber, die schließlich für das Netz verantwortlich seien. Aus deren Umfeld wiederum ist erheblicher Unmut über die BVG zu vernehmen: Der Prozess sei von zähen, jahrelangen Verhandlungen und absurden Preisvorstellungen seitens der BVG geprägt.

In anderen Städten wie Hamburg oder München habe man viel weniger Schwierigkeiten mit den Verkehrsbetrieben gehabt. Tatsächlich hinkt Berlin mit der Mobilfunkqualität im Untergrund um Jahre hinterher, in anderen deutschen Städten mit Untergrundbahnen ist Mobilfunk per LTE und UMTS schon längst etabliert.

Die BVG lässt dazu nur verlauten: „Zu laufenden Verhandlungen können wir uns nicht äußern.“ Die Berliner Politik sei bestrebt, im Sinne der Fahrgäste einen möglichst raschen Ausbau zu erreichen, sagt Stefan Ziller. Die Situation sei „tricky“, im November gäbe es einen runden Tisch mit der BVG zu den Themen Mobilfunk und Digitales.

Die Busse bleiben offline

Auch anderswo gibt es keine guten Nachrichten für internetaffine Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr: Die Installation von WLAN in Bussen oder Fähren der BVG ist aus Kostengründen zunächst nicht geplant, wie ein Sprecher mitteilt, ein aktuell laufender Testbetrieb in 30 BVG-Bussen werde nicht fortgeführt. Auch in vielen S-Bahnhöfen der Deutschen Bahn gibt es weiterhin kein WLAN, laut Stefan Ziller befände man sich mit der Bahn im Gespräch.

Immerhin: Mit dem öffentlichen WLAN-Netz des Landes Berlin, dessen Hotspots seit Juni 2016 in wachsender Zahl in Betrieb sind, sei man zufrieden. Im nächsten Jahr sei eine Evaluation und Neubewertung durch den Senat geplant, der Vertrag mit dem Betreiber ABL Social Federation aus Fürth habe eine Verlängerungsoption.

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