Brigitte Hausmann will Ideen entwickeln, um das kulturelle Leben im Bezirk zu bereichern. Foto: Anett Kirchner
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Kulturamtschefin von Steglitz-Zehlendorf im Porträt Behutsam neue Akzente setzen

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Brigitte Hausmann ist seit einem halben Jahr die neue Leiterin der Schwartzschen Villa und des Kulturamtes im Berliner Südwesten. Sie will das kulturelle Leben im Bezirk vorantreiben.

Im Gespräch mit Brigitte Hausmann fällt auf, dass sich ein Satz oft wiederholt, und zwar: „Das interessiert mich.“ Was zunächst banal klingt, erweist sich beim genauen Hinhören als ein Kompass in ihrem Leben. Neugier, Wissensdurst, Interesse an den Menschen, der Gesellschaft, der Politik und Kultur scheinen bei ihr grenzenlos. Sie will alles wissen - ohne Fernseher, ohne soziale Netzwerke und am liebsten ohne Smartphone. Statt digitaler Kommunikation zieht sie es vor, Bücher und Zeitungen zu lesen. Und sie sucht das direkte Gespräch, möchte ihren Gegenüber sehen, spüren, in seiner Mimik lesen. Die promovierte Kunsthistorikerin ist seit einem halben Jahr die neue Leiterin der Schwartzschen Villa und des Kulturamtes von Steglitz-Zehlendorf.

Dass sie alles andere als rückwärtsgewandt ist, zeigen ihre Ambitionen. Brigitte Hausmanns Blick richtet sich vor allem in die Zukunft. Sie will Ideen entwickeln, um das kulturelle Leben im Bezirk zu bereichern: allerdings behutsam, nicht alles umkrempeln, sondern vereinzelt neue Akzente setzen. So möchte sie zum Beispiel das Programm in den kommunalen Galerien wie der Schwartzschen Villa und im Boulevard Berlin noch internationaler gestalten; Künstler etwa aus Asien, Afrika oder Lateinamerika einladen.

Die gesellschaftlichen Veränderungen sollen sich im Kulturprogramm widerspiegeln

„Unsere Gesellschaft wandelt sich und wird zunehmend von unterschiedlichen Kulturen geprägt“, erklärt sie. Diese Veränderungen sollen sich in den Ausstellungen, Konzerten oder Lesungen widerspiegeln. So wird zum Beispiel ab dem 18. Januar der gebürtige Japaner Aisuke Kondo in der Galerie im Boulevard Berlin Fotocollagen, Installationen und Videos ausstellen. Unter dem Titel „diasporaMemoria“ arbeitet er die Lebensgeschichte seines Urgroßvaters auf, der aus Japan in die USA auswanderte und während des Zweiten Weltkrieges als „Enemy Alien“ interniert war.

„Hier wird deutlich, wie die politische Großgeschichte in ein einzelnes Leben eingreifen kann“, beschreibt es Brigitte Hausmann. Die Herangehensweise und die Umsetzung des Künstlers an das Thema hätten sie gleichermaßen berührt und überzeugt. Er habe sich nicht nur gedanklich mit dem Schicksal des Urgroßvaters befasst und dazu recherchiert, er habe es auch physisch nachempfunden, sei die Wege, die er einst gehen musste, noch einmal gelaufen.

Die Schwartzsche Villa, das Kulturzentrum des Bezirks an der Schloßstraße. Foto: Anett Kirchner
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Das Bauhaus hatte seinen letzten Stand in Lankwitz

Der Blick in die globalisierte Welt, weit über die Grenzen des Bezirks hinaus, ist dabei nur ein Arbeitsschwerpunkt für Brigitte Hausmann. Parallel möchte sie hier vor Ort bleiben, denn „ich sehe enormes Entwicklungspotenzial in Steglitz-Zehlendorf.“ Als Beispiel nennt sie die Architektur der Weimarer Republik im Bezirk, die sie absehbar zum Thema machen will. Weltbekannte Architekten wie Walter Gropius und Bruno Taut haben hier gebaut. Außerdem - was viele nicht wissen - habe das Bauhaus, bevor es 1933 aufgelöst wurde, seinen letzten Standort in Lankwitz gehabt.

Die Kraft für ihre Projekte schöpft die 55-Jährige dabei vor allem aus dem Erfahrungsschatz ihres bisherigen Lebens. Brigitte Hausmann ist in Regensburg aufgewachsen. Sie hat eine katholische Klosterschule – nur für Mädchen – besucht, was sie sehr prägte, wie sie heute weiß. Denn entgegen der allgemeinen, öffentlichen Meinung sei die Haltung der Nonnen schon damals fortschrittlich gewesen. Sie wollten die Mädchen zu selbstbewussten Persönlichkeiten erziehen, die ihren Teil in der Gesellschaft beitragen. „Wir wurden stark gefördert und gefordert“, erinnert sie sich.

Tote Künstler reden nicht

Weil sich ihr Vater leidenschaftlich für Kunst, Literatur und Musik begeisterte, wurde bei Brigitte Hausmann schon früh in der Kindheit das Interesse dafür geweckt. Also studierte sie nach dem Abitur Philosophie und Kunstgeschichte; zunächst in Regensburg, später in Rom. Schon bald erkannte sie, dass ihre Vorliebe vor allem in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts lag. In ihrer Dissertation befasste sie sich mit Denkmälern über NS-Opfer. „Mich interessiert die neuere Geschichte und die Gegenwart, denn ich sehe mich als Zeitgenossin und unterhalte mich gern mit den Künstlern“, erklärt sie. Welche Beweggründe und Gedanken sich hinter einem künstlerischen Werk verbergen, will sie wissen. Tote Künstler könne man leider nicht mehr fragen.

Berlin als Kunstmetropole

Ihr berufliches Leben führte Brigitte Hausmann immer wieder auch nach Berlin. Nicht zufällig, denn für sie ist es die wichtigste Stadt der Gegenwartskunst in Deutschland. So arbeitete sie beispielsweise in den 1990er Jahren als Museumsassistentin im Georg-Kolbe-Museum, wo sie eigene Projekte zeitgenössischer Kunst betreute. In dieser Zeit machte sie erste Erfahrungen in der globalen Kunst, etwa mit Künstlern aus China. Weitere berufliche Stationen von Brigitte Hausmann sind Ulm und Braunschweig. Zuletzt leitete sie die Kunstakademie in Bad Reichenhall.

Seit August vergangenen Jahres ist sie zurück in Berlin, speziell in Steglitz-Zehlendorf. „Angekommen“, wie sie sagt. Dass dem Bezirk nun im letzten Jahr zwei große staatliche Museen verloren gegangen sind, sei aus kultureller und kulturtouristischer Sicht dramatisch. „Auch deshalb finde ich es wichtig, dass die Kultureinrichtungen im Südwesten gemeinsam ihre Sichtbarkeit erhöhen und damit Touristen für einen Ausflug in unseren Bezirk motivieren“, ergänzt sie.

Viel zu entdecken im Berliner Südwesten

Der Berliner Südwesten habe kulturell viel zu bieten, etwa das Haus am Waldsee, Brücke-Museum, die Liebermann-Villa, den Botanische Garten, das Kunsthaus Dahlem. Diese und weitere Einrichtungen sind auch in dem bezirklichen  Netzwerk „natürlich Kultur – Berlins Grüner Museumsbezirk“ zusammengefasst. Derlei Synergien gelte es auszubauen, zu verfeinern und Neue zu entwickeln. „Damit das bekannter wird, was es schon gibt“, sagt die neue Kulturamtschefin.

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