Räumungsverkauf in Berlin-Kreuzberg. Hier gab es vieles, ach was!, fast alles rund um den Berliner Verkehr. Foto: Kai-Uwe Heinrichp

Kreuzberg und Schöneberg Zwei Läden, zwei Abschiede - Tschüs, Mädels!

Klaus Kurpjuweit
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Am Anhalter Bahnhof schließt eine schöne Fachbuchhandlung rund um den Berliner Verkehr, in Schöneberg ein alter Modelleisenbahnladen. Wir nehmen Abschied.

Jahrelang haben sie es den Männern gezeigt – und dem Markt getrotzt. Jetzt ist es vorbei. Sie geben auf. Die Welt geht dadurch nicht unter, aber vielen Berlinern – und auch Besuchern – wird was fehlen. An der Stresemannstraße 107 in Kreuzberg schließen Marie Gründler und Dagmar Petzold ihre Fachbuchhandlung „Flügelrad“, in der sie seit fast 20 Jahren vor allem Bücher rund um den Verkehr, aber auch passendes Spielzeug, verkauft haben. Meist an Männer. Hin und wieder haben einige dieser Kunden zwar nach dem „Chef“ gefragt, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass zwei Frauen so tief in ihre Domäne eingedrungen und oft besser informiert waren als so mancher Kunde.

Berlin-Karte gefällig? Mit Mauerstreifen? Allein der Blick durchs Schaufenster war jedes Mal ein Vergnügen. Foto: Kai-Uwe Heinrichp

Doch das waren Ausnahmen. Der Laden lebte vor allem von den Stammkunden. Und die schätzten die Frauen. Die beiden kannten jeden, der regelmäßig vorbei schaute. Stammkunden haben bereits einen Abschiedsbrief erhalten, und viele seien bestürzt, sagt Dagmar Petzold. Doch es geht nicht mehr. Seit 2005 sanken die Umsätze Jahr für Jahr, jetzt läuft auch noch der Mietvertrag mit den noch erträglichen Konditionen aus. Aufhören, wenn’s am Schönsten ist, heißt es jetzt bei „Flügelrad“ - am 8. März ist es soweit. Schön war, was am Ende finanziell herauskam, aber schon lange nicht mehr.

Eisenbahnen, Räder, Flugzeuge - hier gab es alles. Foto: Kai-Uwe Heinrichp

Christine Vogelbusch hat sogar 39 Jahre durchgehalten. Auch sie muss ihren Modellbahnladen an der Cranachstraße 9 in Schöneberg nun schließen. Der Umsatz reicht nicht mehr, um wirtschaftlich zu überleben. Sie geht in Rente, hätte das Geschäft aber gerne noch ein paar Jahre weiter geführt. Die Kunden, die Modellbahnen kauften, seien doch ein netter Menschenschlag. Dumm nur, dass die immer älter – und immer weniger – werden. Nachwuchskäufer fehlen. Mit ihrem fünfjährigen Enkel hat sie Christine Vogelbusch ein paar Gleise aufgebaut, aber der Kleine spielt lieber mit dem Computer.
Kleiner, schwacher Trost: In beiden Läden gibt es zum Schluss kräftige Rabatte.

Aber auch manche verdrückte Träne.

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