Für die Komfortstationen im Unfallkrankenhaus in Marzahn wurde eigens ein Architekt engagiert. Foto: DAVIDS/Sven Darmer
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Komfortstationen im Krankenhaus In der Vier-Sterne-Klinik

Martin Kaluza
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Immer mehr Patienten wollen es im Krankenhaus schön haben – und sind bereit, dafür mehr zu bezahlen. Die Träger reagieren darauf und richten Komfortstationen ein. Ein Besuch bei Vivantes und im Unfallkrankenhaus Berlin.

Ullrich Meier steht in der Lounge mit den in rotem Leder bezogenen Clubstühlen und den bodentiefen Fenstern. Von den Korbstühlen auf dem Balkon aus kann man den Blick weit ins Grüne schweifen lassen. Die Gäste können sich an Kühlschrank und Kaffeeautomat bedienen. „Wir wollten unseren Patienten besseren Komfort und besseres Essen bieten“, sagt Meier. Die Lounge ist Teil der Komfortstation am Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn. Hier quartieren sich Patienten ein, die es schöner haben wollen als in der üblichen Krankenstation und die bereit sind, dafür ein bisschen mehr Geld auszugeben.

Ullrich Meier ist Direktor der Klinik für Neurochirurgie und ärztlicher Koordinator der Komfortstation. Im Sommer 2016 ging sie in Betrieb, nach anderthalb Jahren Planung und Bau. „Beim Komfort haben wir uns am Vier-Sterne-Plus-Hotelstandard orientiert“, sagt Meier nicht ohne Stolz. „Wir haben uns Hotels angesehen und dann einen Architekten beauftragt, die Einrichtung zu entwerfen.“ Und dieser hat viel Mühe darauf verwandt, den typischen Krankenhaus-Look zu vermeiden. Die Böden sind mit grauen Steinfliesen ausgelegt, die Wände in den Zimmern rot getüncht, die Gänge mit Strukturtapeten und Fotos Berliner Sehenswürdigkeiten verziert. Die Zimmer haben Fußbodenheizung, in die Schrankwand ist ein Kühlschrank eingelassen und die Badezimmer sind mit Regenduschen ausgestattet. An einer Ecke im Flur hängen drei Wanduhren, die die Zeit in drei Städten anzeigen: Moskau, Berlin, Mekka. „Für Patienten mit einem besonderen Sicherheitsbedürfnis haben wir sogar vier schusssichere Zimmer eingerichtet“, sagt Meier. Die Zimmer liegen am Ende eines Flurs und lassen sich durch eine Schleuse vom Rest der Komfortstation abtrennen – so können die Patienten auch ihre Bodyguards unterbringen. Das sei in den letzten anderthalb Jahren schon drei Mal vorgekommen.

Fast alle Berliner Kliniken bieten ihren Patienten mittlerweile eine Unterbringung in Komfortzimmern oder Komfortstationen an. Die schusssicheren Zimmer im UKB sind eine Ausnahme, doch davon abgesehen bieten die Kliniken ähnliche Zusatzleistungen: die Option der Einzelbelegung, ein schöneres Zimmer, ein besserer Service und besseres Essen. Im Unfallkrankenhaus zum Beispiel wird die Komfortstation von einem eigenen Caterer beliefert.

Die ärztliche Versorgung ist genau die gleiche

Wer dieses Paket im UKB bucht, zahlt dafür 177 Euro pro Nacht drauf. Der Service steht Privat- wie Kassenpatienten offen – viele Kassenpatienten haben eine Zusatzversicherung abgeschlossen, die die Kosten übernimmt. „Die ärztliche Versorgung ist dabei genau die gleiche, die die Patienten auf den anderen Stationen bekommen“, sagt Meier. Eine bevorzugte medizinische Behandlung ist nicht inbegriffen. In der Begrifflichkeit der Gesundheitsbranche fallen die Komfortstationen unter „Wahlleistung Unterkunft“. Wie hoch die Zuzahlungen sind, entscheiden die Kliniken übrigens nicht selbst. „Sie richten sich nach der gemeinsamen Empfehlung für Komfortstationen, die vom Verband der Privaten Krankenversicherungen und der Krankenhausgesellschaft beschlossen wurde“, sagt Andrea Bronner, geschäftsführende Direktorin des Vivantes Klinikums im Friedrichshain. „In der gemeinsamen Empfehlung ist eine Liste von über hundert Kriterien hinterlegt. Für jede Komfortstation wird genau überprüft, welche davon erfüllt sind.“

In der Liste steht zum Beispiel: Für Service wie Handtuchwechsel, Tageszeitungen, Erledigung der Aufnahmeformalitäten auf dem Zimmer und persönlichen Wäscheservice dürfen die Kliniken bis zu 14,59 Euro Zuzahlung verlangen. Für besondere Verpflegung dürfen sie 17,25 Euro berechnen. Kriterien wie Balkon und Terrasse, eine bevorzugte Lage und die Einbindung in eine Komfortstation mit Aufenthaltsräumen darf im Einzelzimmer bis zu 17,25 Euro kosten, im Doppelzimmer pro Person 10,59 Euro. Auch die Zuzahlungen für Komfortbetten, Rollos, einen Kühlschrank im Zimmer, Internetanschluss und eine Besucherecke sind genau geregelt. „Diese Leistungen werden jedoch nicht etwa einzeln angeboten, sondern im Paket“, sagt Bronner. „Der Patient zahlt immer eine Pauschale.“ Im Klinikum am Friedrichshain liegt die derzeit bei 153 Euro pro Nacht im Einzelzimmer. Auch hier bekommen die Patienten auf der Komfortstation die gleiche medizinische Behandlung wie die Patienten auf den anderen Stationen.

Anna Kinghorne (r.) leitet dort das International Office, das sich um ausländische Patienten kümmert. Foto: DAVIDS/Sven Darmer
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Dass sich die Krankenhäuser in der Preisgestaltung durch eine gemeinsame Empfehlung mit den Privatkassen festlegen, hat einen einfachen Grund: Viele Patienten haben eine private Zusatzversicherung abgeschlossen, die ihnen die Komfortunterbringung garantiert. Das heißt, die Privaten zahlen einen Großteil der Komfort-Aufenthalte – und sie wollen ihren Kunden konkrete Vorteile anbieten. Auch Kassenpatienten ohne Zusatzversicherung können in die Komfortstation ziehen. Wenn sie denn die Zusatzleistungen aus eigener Tasche zahlen.

Während die Vivantes-Kliniken mit ihrer Komfortstation vor allem Berliner ansprechen wollen, fischt das UKB auch auf dem internationalen Markt. Zwischen 20 und 40 Prozent der Patienten auf der Komfortstation kommen aus dem Ausland. Für sie hat das UKB ein International Office eingerichtet. Eine Mitarbeiterin hilft ausländischen Patienten bei Visumsangelegenheiten, vermittelt Dolmetscher und Transfers. Das UKB beteiligt sich an der Initiative „Berlin Health Excellence“, die Gesundheitstouristen umwirbt, und war auch schon auf einem Gemeinschaftsstand auf der ITB vertreten.

Die Komfortstation des Klinikums im Friedrichshain liegt im 5. Stock des Neubaus. Es ist die oberste Etage, und die einzige, in der die Zimmer Balkone haben. Die Flure sind mit dunkelrotem Teppich ausgelegt. Am Ende des Ganges liegt eine Lounge, vor dem Fenster reihen sich Berliner Wahrzeichen auf: Fernsehturm, Dom, Wasserturm, Zionskirche. Als das Klinikum die Station eröffnete, schloss es damit eine Lücke. „Die Patienten werden anspruchsvoller. In den vergangenen Jahren hatten schon einige bedauert, dass wir keine solche Station hatten“, sagt Bronner. Nun hält die Klinik 28 Komfortbetten bereit – bei insgesamt 1004 Betten. Nehme man alle Vivantes-Kliniken zusammen, liege der Anteil der Komfortbetten bei fünf Prozent. „Das ist ein kleiner Anteil“, sagt Bronner, „aber wir sehen darin eine wichtige Ergänzung unseres Angebots.“

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