Der Innenhof des Jüdischen Museums in Kreuzberg. Eine neue Ausstellung widmet sich dem Thema Verschleierung. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Jüdisches Museum Ausstellung geht weiblicher Verschleierung auf den Grund

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In der Schau des jüdischen Museum geht es nicht nur um die Burka. Auch weibliche Verhüllung im Islam, Judentum und Christentum werden behandelt.

„Bei uns wird immer ein Tuch auf dem Kopf getragen.“ Mit diesem Ausspruch blickt eine Ordensschwester lächelnd von einem Plakat eines katholischen Krankenhauses herunter. Was so selbstverständlich scheint, ist spätestens seit den Debatten über ein Verschleierungsverbot von muslimischen Frauen gesellschaftlich stark umstritten. Mit seiner neuen Ausstellung „Cherchez la Femme. Perücke. Burka. Ordenstracht“ geht das Jüdische Museum in Berlin den Ursachen und Begründungen der weiblichen Verschleierung auf den Grund. Von den antiken Ursprüngen bis zur heutigen Praxis zeigt die Schau den Umgang mit der weiblichen Verhüllung von Kopf und Körper in Islam, Judentum und Christentum.

Dabei werden nicht nur die muslimische Burka und das Kopftuch, sondern auch die Perücken orthodoxer Jüdinnen nicht selten als Provokation verstanden. Denn viele Menschen sehen in der Verhüllung ein Zeichen des fehlenden Willens zur Integration. Die Kuratorin Miriam Goldmann geht daher in der Ausstellung auf 400 Quadratmetern vor allem der Frage nach, wie viel sichtbare Religiosität die Gesellschaft verträgt. „Cherchez la Femme“ heißt übersetzt „Suchet die Frau“. Die Frage ist demnach, wo die Frau steckt und ob sie, verborgen unter Textilien oder künstlichem Haar, noch die gleiche Person ist oder jemand anderes? Eingangs stellt Goldmann die Ursprünge der weiblichen Verschleierung sowie ihre religiöse Bedeutung für die drei monotheistischen Religionen dar. Vor 3000 Jahren war die Verhüllung der Frau zwischen Euphrat und Tigris demnach ein Zeichen ihrer herausgehobenen Stellung.

Niquab ist nicht gleich Hijab

Im Christentum hat die weibliche Kopfbedeckung, die als Zeichen der Ehrfurcht vor Gott dient, vorrangig noch in östlichen Kirchen und reformierten Täufergemeinschaften Bestand. Bei der Papstaudienz ist der Schleier für Frauen indes eigentlich ein Muss. Pressefotos aus dem Archiv der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zeigen Bilder der verschleierten Jacky Kennedy, Charlene von Monaco sowie Michelle Obama; selbst die Queen trägt bei der Begegnung mit dem Papst die Krone mit einem Schleier.

In einer Vitrine werden die Kleidungsstücke vorgestellt, mit denen Frauen Kopf und Körper verhüllen. Der Besucher lernt, dass der muslimische Niquab das Gesicht bis auf einen Schlitz für die Augen verschleiert und wie sich ein Al-Amira-Schleier von anderen Hijabs unterscheidet. Von der gegenüberliegenden Seite starren an die Wand projizierte männliche Augenpaare auf die Exponate. Für Programmdirektorin Cilly Kugelmann hat der männliche Blick viel mit der Verhüllung der Frau zu tun. „Die Frau soll ihre Reize verstecken, damit der Mann seine körperlichen Bedürfnisse beherrschen kann“, sagt Kugelmann. KNA

Cherchez la femme. Perücke, Burka, Ordenstracht“, 31. März bis 2. Juli, Jüdisches Museum Berlin, Eintritt 8 Euro, ermäßigt 3 Euro.

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