Theo und ein paar andere YouTuber wollen den Grusel der Heilstätten mit ihren Fans teilen – bald bereuen sie es. Foto: 20th Century Fox
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Horrorfilm "Heilstätten" Der Grusel der Influencer

Julia Frese
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Sieben YouTuber fahren in die Heilstätten, um dort ihr neustes Video zu drehen. Das bereuen sie schnell. Der Film spielt in Beelitz, auch wenn er nicht dort gedreht wurde.

Theo, Charly, Betty, Finn, Marnie, Chris und Emma sind die Stars ihrer Generation. Täglich erreichen sie Hunderttausende Altersgenossen mit ihren YouTube-Videos. Um für ihre Fangemeinde interessant zu bleiben, haben sich die sieben Jugendlichen für ihre nächsten Videos etwas Besonderes ausgedacht: Mit Nachtsicht- und Wärmebildkameras im Gepäck fahren sie in eine ehemalige Tuberkulose-Heilstätte nahe ihrer Heimatstadt Berlin, um auf Geistersuche zu gehen.

Ähnlich wie im bekannten Horrorfilm „Blair Witch Project“, der dem Produktionsteam als Vorbild diente, verwandelt sich die Mutprobe für die sieben YouTuber in einen Alptraum. Eine Vorab-Version zeigte die Produktionsfirma 20th Century Fox jetzt vor Journalisten in Berlin. Anschließend gaben der Regisseur und einige Darsteller Interviews. Der fertige Film kommt am 22. Februar ins Kino.

Grabowsee statt Beelitz

Nach Angaben des Produktionsteams habe man sich gegen Beelitz als Drehort entschieden. Besitzer der Beelitzer Heilstätten sagten dem Tagesspiegel hingegen, sie hätten die Drehgenehmigung verweigert. Im Film wird schnell deutlich, dass die Ereignisse eigentlich dort spielen sollen.

Um den Grusel zu steigern, fangen die Jugendlichen nach ihrer Ankunft in der Klinikruine an, aufzuzählen, was für abscheuliche Vorfälle es dort schon gegeben hat: Obdachlose hätten Suizid begangen, ein Fotograf bei Sadomaso-Spielen sein Modell getötet und der Serienmörder „Bestie von Beelitz“ eine junge Mutter erwürgt und ihr Baby an einem Baum erschlagen – alles Vorfälle, die tatsächlich in den Beelitz-Heilstätten passiert sind.

Warum sich das Team trotzdem gegen Beelitz als Drehort entschied, erklärte Regisseur Michael David Pate jetzt so: „Wir haben diverse Heilstätten besichtigt und ich fand Beelitz als Setting nicht optimal, weil es nicht in sich geschlossen ist.“

Wegen der Hauptstraße, die durch das Gelände führe, sowie mehrerer Häuser und Restaurants in der Nähe wäre der Eindruck völliger Abgeschiedenheit in Beelitz deutlich schwieriger zu erzeugen gewesen als in Grabowsee, so der Regisseur. „Die Heilstätte dort liegt wirklich mitten im Wald – diese Ausweglosigkeit ist viel schöner, als wenn man ständig drauf achten muss, dass am Bildrand keine Telefonzelle zu sehen ist.“

Man habe sich entschieden, dass es im Film offiziell um „keine bestimmte Heilstätte, sondern nur eine Heilstätte bei Berlin“ gehe. Die historischen Bezüge zu Beelitz habe er aber beibehalten wollen: „Ich denke, es ist einfach ein schöner Nebeneffekt, wenn die Leute googeln und sehen: Das ist ja tatsächlich passiert.“

Neue Schauspieler und ein echter Influencer

Die sieben YouTuber, die sich im Laufe des Films immer sehnlicher wünschen, sie wären zu Hause geblieben, werden von jungen, noch wenig bekannten Schauspielern verkörpert. In der Rolle des draufgängerischen YouTubers Finn ist etwa Timmi Trinks zu sehen, der zuletzt unter anderem in den Fernsehproduktionen „Kreuzfahrt ins Glück – Hochzeitsreise nach Sardinien“ und „Der Lehrer“ mitgespielt hat.

In Beelitz sei er noch nie gewesen, habe aber davon gehört, dass Denkmalschützer und Stadt nach Erscheinen des Films einen neuen Ansturm von Grusel-Touristen fürchten, sagt der gebürtige Berliner. „Wir haben den Film nicht mit der Intention produziert, irgendwelche Leute da hinzulocken.“ Um sich auf seine Rolle vorzubereiten, habe er täglich mehrere Stunden Videos von bekannten YouTubern gucken müssen, sagt Trinks. Er selbst habe zuvor nicht viel mit dem Thema zu tun gehabt.

Zum Cast gehörte auch ein echter YouTube-Star: der Schleswig-Holsteiner Torge Oelrich, besser bekannt als „Freshtorge“. Der 29-Jährige produziert seit elf Jahren YouTube-Videos und lebt mittlerweile von den dadurch generierten Werbeeinnahmen.

„Ich verdiene mehr als in meinem erlernten Beruf als Erzieher“, verrät Freshtorge, auch wenn er keine genauen Zahlen nennen will und darf. Auf seinem YouTube-Kanal zeigt er Comedy-Sketche und Parodien, die ihm im Alltag einfallen. In „Heilstätten“ hat er eine Nebenrolle, in der er in einer der Anfangsszenen für ein paar Minuten zu sehen ist. Auch in anderen Kinofilmen war Freshtorge in kleineren Rollen zu sehen.

Dass das YouTuber-Dasein im Film „Heilstätten“ kritisch beleuchtet wird, findet Freshtorge gut. Teilweise gebe es in seiner Branche gefährliche Auswüchse, nur um mehr Klicks und Follower zu erreichen, sagt der 29-Jährige. „Es gibt darunter einige, da denkt man, die würden alles für ein paar Klicks und Kommentare tun.“

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