Bitte glauben Sie nicht alles, was im Internet steht - außer diesem hier. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Horoskop für 2018 Das große Berlin-Kiezorakel

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Um zu wissen, was 2018 wirklich passiert, haben wir für jeden Bezirk Blei gegossen. Hier kommt das ultimative Kiez-Horoskop mit knallhart recherchierten Fakten.

Lichtenberg - Der Osten im Mieterglück Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Lichtenberg

Das Jahr 2018 wird für Lichtenberg eindeutig abwechslungsreich, da lässt das Ergebnis des Bleigießens für diesen Bezirk keine zweite Meinung zu. Leider ist wohl auch eindeutig ein Abwärtstrend zu erkennen. Nach einem guten, festen Start ins Jahr geht es zunächst solide nach oben, dann jedoch wird etwas Unvorhersehbares geschehen. Die Bleikurve bricht jäh ab und fällt sturzflugartig nach unten. Es könnte sein, dass sich Hohenschönhausen wieder vom Bezirk Lichtenberg abspalten wird. Doch, oh, das ist faktisch schon halb passiert: Die Bahn-Anbindungen an den Stadtteil sind derzeit mehr als problematisch. Lichtenberger Anwohner fühlen sich von der Stadt abgetrennt. Bürgermeister Grunst will das Problem 2018 anpacken – das hat er zumindest angekündigt.

Allerdings kann man das Bleiobjekt auch einfach andersherum drehen. Nun deuten wir einen kurvenartigen Aufstieg. Der Milieuschutz für Weitling- und Kaskelkiez wird kommen und seine Hand schützend über die Bewohner halten. Die Mieten werden nicht nur nicht steigen, sondern sogar fallen. Es wird Mietrückzahlungen geben. Die Vermieter werden anrufen und sagen: „Entschuldigen Sie, wir haben uns jahrelang verrechnet, Sie haben zu viel Miete gezahlt.“ Aber, was weiß schon das Blei. (Robert Klages)

Marzahn-Hellersdorf - Natürlich ein Riesenviech Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Marzahn-Hellersdorf

Es wird doch noch was mit der IGA. Keine Frage, das Blei hat für Marzahn-Hellersdorf einen Walfisch geformt, und das kann nur bedeuten: Im ersten Jahr nach der verregneten Internationalen Gartenausstellung stehen dem Bezirk rosige Zeiten bevor. Denn mit diesem bleiernen Wal kann nur das hölzerne Riesenviech vom Südsee-Spielplatz am Fuße des Kienbergs gemeint sein. Was uns das jetzt sagt? Na klar, die Besucher werden 2018 endlich in Scharen in den Park strömen (ist ja dann auch kostenlos und sonnig).

Aber Spielplatz, das heißt natürlich auch Kinder, viele Kinder, und da wären wir schon wieder bei den Problemen: Noch mehr Kitas, noch mehr Schulen werden benötigt, und wohnen wollen die ja auch irgendwo, es geht immer weiter, bau auf, bau auf. Dabei werden doch schon an jeder Ecke Lücken geschlossen, Projekte, Projekte, Projekte realisiert. Ob sie am Ende auch noch den Kienbergpark zubetonieren? Ich leg' mich fest: dieses Jahr nicht mehr. (Ingo Salmen)

Reinickendorf - Tegel forever Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Reinickendorf

Warum ich beim Bleigießen ausgerechnet ein Segelschiff geschaffen habe? Ganz klare Antwort: Weil wir es in Reinickendorf bald dringend brauchen werden. 2021 wird TXL, neben dem alten Schönefelder, immer noch der einzige funktionierende Berliner Flughafen sein. An eine Eröffnung des BER 2020 glaubt doch sowieso niemand.

Leider wird TXL dann aber nicht mehr auf dem Landwege zu erreichen sein: Rudolf-Wissell-Brücke abgerissen, A 111 wegen Renovierung gesperrt, U-Bahn nach Tegel aus gleichem Grund stillgelegt – bleibt also nur noch der Seeweg. Wir bauen einfach einen Stichkanal zum Hohenzollernkanal, über den kommen die Fluggäste dann zur Havel und nach Spandau zum dortigen ICE-Bahnhof. So haben wir auch endlich eine Schienenanbindung für den TXL. (Gerd Appenzeller)

Friedrichshains-Kreuzberg - Über den Wolken Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Friedrichshain-Kreuzberg

2018 wird in Friedrichshain-Kreuzberg ganz sicher fantastisch werden: War das vergangene Jahr im Bezirk noch geprägt von Protesten und erbitterten Debatten um die ewig drohende Gentrifizierung, gibt es jetzt endlich eine Lösung für Verdrängung und Wohnungsnot, denn das Ergebnis unseres Bleigießens lässt eigentlich nur einen Schluss zu:

Es werden sehr hohe, schlanke Skyscraper im Bezirk entstehen. In diesen sind natürlich nicht nur luxuriöse Eigentumswohnungen zu haben, sondern auch Sozialwohnungen. Hoch sind sie, damit viele Menschen darin unterkommen, schlank, damit sich der Schattenwurf in Grenzen hält und Grünflächen erhalten bleiben. Und selbst wenn es mit den futuristischen Türmen doch (noch) nicht klappen sollte, wird der Bezirk zumindest beim Ausbau neuer Verkehrskonzepte mit Sicherheit einen Gang zulegen – denn als Schaltknüppel würde unser Xhain-Klumpen auch durchgehen. (Nele Jensch)

Pankow - Das bisschen Haushalt Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Pankow

Für Pankow ist die Deutung klar: Hier surft einer auf einer Riesenwelle. Wer die Haushaltsberatungen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) verfolgt hat, könnte den Schluss ziehen, dass es sich um Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) handelt, der in diesem Jahr quasi im Geld schwimmt. Denn nach vielen Jahren eisernen Sparens kann der Bezirk 2018 und 2019 endlich wieder mehr ausgeben – und auch neue Mitarbeiter einstellen. Lange Wartezeiten auf Termine beim Bürger-, beim Bau- oder beim Standesamt könnten dann der Vergangenheit angehören. Doch Vorsicht: Surfen ist ein gefährlicher Sport. Man kann leicht stürzen, und in manchen Regionen lauern Haie. Ob sich Benn oben halten kann, muss sich daher noch zeigen.

Der Haushalt jedenfalls steht unter Vorbehalt, denn der Senat hat einige Finanzrisiken moniert und ihn nicht bewilligt. Bis Ende Mai muss nachgebessert werden, sonst droht eine Haushaltssperre. Oder handelt es sich vielleicht doch eher um ein Modell für ein neues Verkehrskonzept für den stark wachsenden Bezirk? Weil Ausbaupläne für den öffentlichen Nahverkehr fehlen und auf Pankows Straßen ohnehin schon überall gebaut wird, könnte man schließlich aus der Not eine Tugend machen: Einfach ein bisschen tiefer buddeln und aus den Hauptstraßen Wasserstraßen machen – und jeder Bürger bekommt ein Surfbrett, das ihn schnell und absolut klimaneutral ans Ziel bringt. (Ulrike Scheffer)

Steglitz-Zehlendorf - Blei verleiht Flügel Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Steglitz-Zehlendorf

Ganz klar, es ist der Flügel eines Vogels! Der Schulterknochen ist glatt, stabil und fest; das Federkleid kunstvoll geformt, beschützend, vielfältig, geschwungen. Der Bezirk wird flügge, schwingt sich auf – nicht zu alter Größe (was sollte die sein?), sondern zu neuen Horizonten: Im Südwesten wird Richtung Sonnenaufgang geflogen. In Richtung Vielfalt, Offenheit, Miteinander – das Blei prophezeit es. Also werden die Autoren der Machbarkeitsstudie für das Rathaus Zehlendorf vermutlich einen wegweisenden Neubau der Bauteile B bis E empfehlen, mit Kita, Kultur-Restaurant und Indoor-Spiellandschaft für alle Generationen.

In Dahlem kommt die Museums-Stiftung zu dem Schluss, dass neben dem Forschungscampus ein Museum der Zukunft entstehen könnte. Und im Bierpinsel wird am ersten barrierefreien Co-Working-Space der Kreativbranche im Südwesten gearbeitet. Oder erinnert das Bleistück doch eher an die Pfaueninsel? Klimaschutz, emissionsarmer Verkehr und eine Stärkung des Tourismus durch die natürlichen und historischen Bezirksschätze wären dann unsere Zukunft. Ach, sagen wir einfach, der Flügel stammt von einem Pfau, dann passen beide Deutungen unter eine Schwinge. (Boris Buchholz)

Spandau - Von Ameisen und Dinos Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Spandau

Ach herrje, was’n ditte? „Na, ’ne Ameise!“, ruft der Kollege drüben aus Berlin … aber sorry, das passt nicht zu Spandau, das sich noch nie klein gemacht hat, sondern schon immer eine Nummer größer war als Berlin (ja, ja, der Rathausturm ist sechs Meter höher!). „Dann ist es eben ein „Q-Tip!“, ruft die Kollegin, was wiederum passen könnte, schließlich kann in Spandau niemand wirklich gut hören – was allerdings nicht an mangelnder Hygiene liegt, sondern an der dauerlärmenden TXL-Schneise, die Haselhorst bis Staaken auch 2018 erhalten bleibt.

„Oder ein Dinosaurier!“, sagt die andere Kollegin – was ebenfalls passen könnte zu Spandau, schließlich ist der Bezirk viel älter als Berlin. „Dann ist’s halt mit Fantasie Sperma!“ Aah, Fruchtbarkeit und so. Okay, der Bezirk wächst und wächst – 2018 wird am Havel-Ufer munter gebaut, alte Ruinen werden umgestaltet zu neuen Wohnungen. Apropos junges Leben: Mit etwas Glück findet sich in Spandau im Januar ein weiterer „Spielplatzpate“ – das wäre dann schon der 50. (!) im Bezirk. Mit etwas Fantasie sieht das Ding ja schließlich aus wie eine Wippe. (André Görke)

Charlottenburg-Wilmersdorf - Reif für die Insel Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Charlottenburg-Wilmersdorf

Das sieht aus wie ein Boot, was bezirkspolitisch dafür stehen könnte, dass im Rathaus Charlottenburg mehr Fraktionen als früher am Ruder sind. Die seit 16 Jahren bestehende Zählgemeinschaft aus SPD und Grünen verlor ihre absolute BVV-Mehrheit bei den Wahlen im Herbst 2016, die damals neu ins Rathaus Charlottenburg eingezogenen Linken stimmen aber in der Regel mit den beiden Fraktionen und „tolerieren“ sie damit – also eine Art Rot-Rot-Grün. Auch FDP und AfD sind nun in der BVV mit im Boot, während die Piratenfraktion Schiffbruch erlitt und nicht mehr vertreten ist. Bei der CDU hat sich wenig geändert, angesichts der Mehrheitsverhältnisse kann sie nur wenig steuern.

Jenseits der Politik passt das Boot am besten zur Mierendorff-Insel – der Gegend um den Mierendorffplatz, die rundum von der Spree und dem Charlottenburger Verbindungskanal umgeben ist. Jeden Sommer startet an der Caprivibrücke sogar ein Drachenbootrennen. Vor allem aber soll die Gegend mit rund 14 000 Bewohnern zur „Zukunftsstadt“ werden. Im gleichnamigen deutschlandweiten Wettbewerb, zu dessen Veranstaltern das Bundesforschungsministerium und der Deutsche Städtetag gehören, hat das Projekt „Die nachhaltige Mierendorff-INSEL 2030“ die zweite Runde erreicht. Dabei steht „INSEL“ auch als Abkürzung für „innovativ, nachhaltig, sozial, empathisch, lebenswert“. Beispielsweise beginnt 2018 ein „Leuchtturmprojekt“ (das tatsächlich so genannt wird), mit dem das Bezirksamt und der Energieversorger Gasag den Kiez „klimaneutral“ machen wollen – als Modell für den ganzen Bezirk. (Cay Dobberke)

Neukölln - Das Chamäleon der Stadt Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Neukölln

Das Bleistück sieht auf den ersten Blick aus wie ein unförmiger Pfropfen. Wenn man das Stück aber eine Zeit lang hin und her dreht und wendet, ergeben sich neue Perspektiven. Wie so vieles in Neukölln sieht es, aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet, entfernt aus wie das Minarett einer Moschee. Droht dem Bezirk also nun, nach dem Ali-Baba-Spielplatz, die ultimative Islamisierung?

Nee, drehen wir mal weiter. Im nächsten Moment erinnert das Bleistück an eine Frau mit großem Hut, die sich sonnt. Kommt also ein besonders warmer Sommer? Auch eine Schnecke kann man in dem Bleistück erkennen - vielleicht als Hinweis auf Projekte im Bezirk, die auch im kommenden Jahr viel zu langsam vorankriechen. Beim letzten Betrachten erinnert das Stück plötzlich an ein Chamäleon, das mit großen Augen in die Zukunft blickt. Und genau das ist dann wohl auch die Prognose, die am besten auf Neukölln zutrifft: Der Bezirk bleibt auch 2018 wandelbar und zeigt jedem ein anderes Gesicht. (Madlen Haarbach)

Tempelhof-Schöneberg - Hier spielt die Musik Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Tempelhof-Schöneberg

Eindeutiger geht es nicht: In Tempelhof-Schöneberg spielt die Musik. Denn beide Teile des Bleis deuten in diese Richtung. Das eine Stück ist ganz klar eine Viertelnote, das andere ein Saxophon. Da das Blei in zwei Teile zerfiel, nehme ich die Deutung sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne. Es könnte also im kommenden Jahr musikalisch etwas mehr zur Sache gehen. Bei der Fête de la Musique etwa: Die zwei bisherigen Standorte zum Singen und Musizieren sind doch ausbaufähig. Und es könnte auch mal laut werden, ein Saxophon ist schließlich kein zart-säuselndes Musikinstrument. Vielleicht heißt das ja, dass das Festival Lollapalooza wieder zurück nach Tempelhof kommt. Die Planungen sehen zwar bislang den Olympiapark in Westend vor; aber auch an diesem Standort – wie an allen vorherigen – gibt es Widerstand gegen das Festival.

Nun wenden wir uns der politischen Seite zu. Der Bezirk will gehört werden, eine größere Bedeutung haben, Vorbildfunktion einnehmen und übergeordnete Aufgaben für die gesamte Stadt übernehmen. Das hat er beispielsweise schon in einem Punkt getan: Die zentrale Umsetzung des Prostitutionsschutzgesetzes obliegt Tempelhof-Schöneberg. Jetzt muss der Bezirk beweisen, dass er das kann. Und ganz vorbildlich könnte er die Radwegeplanung anpacken und endlich den Sozialdienst der Jugendämter stärken. (Sigrid Kneist)

Mitte - Oh, Baby, Baby! Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Mitte

Was soll denn das sein? Eine Aubergine, ein Baseballschläger? Ach nee, klarer Fall: ein Wal! In der keltischen Mythologie steht das Walsymbol für die Zeit im Uterus der Mutter. Ein Raum, der Schutz und Geborgenheit bietet. Bedeutet für Mitte: Babyboom! Zur Erinnerung: 2016 wurden in Berlin so viele Kinder geboren wie seit der Wiedervereinigung nicht. Das betrifft natürlich auch Mitte, ohnehin einer der am schnellsten wachsenden Bezirke mit 8000 neuen Einwohnern im Jahr.

Viele Kinder sind toll, noch toller ist es allerdings, wenn man für diese auch schnell eine Geburtsurkunde bekommt. Das Bezirksamt Mitte leidet unter Personalmangel, neu eingestellte Mitarbeiter müssen erst noch eingearbeitet werden. Das bedeutet für Eltern im Bezirk: Warten. Auf die Geburtsurkunde, den Kitaplatz, den Schulbescheid. Und Bangen. Denn viele Schulen sind marode, in einigen schimmelt es. Und wenn es so weitergeht mit mehr Kindern und weniger Schulen, fürchten manche in der BVV, dass in naher Zukunft nicht einmal mehr jedes Kind einen Schulplatz bekommt. (Laura Hofmann)

Treptow-Köpenick - Trepnick im Sportwahn Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Treptow-Köpenick

Schon mal den österreichischen Horror-Klimakatastrophenfilm „Blutgletscher“ gesehen? Dann wissen Sie, dass dieses bleierne Ungeheuer nur die genveränderte Variante eines Seewolfs sein kann. Für Treptow-Köpenick verheißt das wohl nichts Gutes, sorry. Die abschmelzenden Polkappen werden immerhin dafür sorgen, dass der Wasserstand im Müggelsee nicht weiter sinkt. Seewolf, das war aber auch die Fernsehserie aus den 70ern mit dem bärenstarken Schauspieler Raimund Harmstorf, der vor seiner Filmkarriere mal Zehnkampfmeister in meiner Heimat Schleswig-Holstein war.

Womit wir beim Sport wären, da wird sich der Bezirk 2018 mit weiteren Olympiastützpunkten schmücken (Tischfußball, BMX-Rad) und die Müggelberge in olympischer Höhenzug umbenennen. Das olympische Feuer wird fortan am Müggelturm entzündet, die Bewerbung für die olympischen Spiele 2032 (Sommer oder Winter, geht beides) startet mit dem Slogan Try Trepnick, Win Gold, Botschafter für die Bewerbung wird Segel-Olympiasieger Jochen Schümann. Das IOC wird zur Begrüßungsdampferfahrt mit Bürgermeistersegler Olli Igel eingeladen und noch an Bord mit digitalen Wistalern aus Adlershof bestochen. Müsste klappen. Und, ach ja, Union wird auf jeden Fall erstklassig. (Thomas Loy)

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