An diesem Ort könnte das Stadion entstehen. Foto: promo
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Hertha BSC präsentiert So stellt sich Hertha das neue Stadion vor

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Die Pläne für ein neues Stadion für 55.000 Fans sind fertig. "Wir haben über 50 Standorte geprüft", sagt Gegenbauer. Und zwei sind übrig geblieben.

Der Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat am heutigen Donnerstag seine Neubaupläne für ein Stadion der Öffentlichkeit präsentiert. "Weit über 50 mögliche Standorte in und um Berlin wurden von dem renommierten Architektur- und Planungsbüro AS+P intensiv geprüft. Das Ergebnis zeigt: Ein Standort ist besonders geeignet", schreibt Präsident Werner Gegenbauer in einem Rundbrief an die mehr als 30.000 Mitglieder - und meint damit das Olympiastadion.

"Zu 100 Prozent privat finanziert"

Am Mittwochabend wurde bereits die Führungsebene des Klubs informiert. "Hier soll bis zum Jahr 2025 Herthas neue Fußballarena entstehen. Ohne dass ein denkmalgeschütztes Gebäude im Olympiapark betroffen wäre. Und zu 100 Prozent privat finanziert", schreibt Gegenbauer. "Wir planen eine moderne und nachhaltige Arena für 55.000 Zuschauer." Und: "Steil, nah und laut."

"Brandenburg Park in Ludwigsfelde eine echte Alternative"

Wie berichtet wird auch Ludwigsfelde genannt. "Falls sich der Berliner Senat trotzdem gegen unseren Wunsch stellt, im Olympiapark zu bauen: Dann haben wir mit dem Brandenburg Park in Ludwigsfelde – nur 18 Minuten mit der Bahn vom Potsdamer Platz entfernt – eine echte Alternative gefunden. Hier wäre Hertha BSC sehr willkommen", schreibt Werner Gegenbauer an die 30.000 Mitglieder. Und auch für das Stadion in Ludwigsfelde gibt eine Simulation.

Die möglichen Standorte von Kladow bis Pankow

Wie es jetzt weitergeht

Gegenbauer kündigte weiter an: "Als nächsten Schritt gehen wir mit unserem Architektur- und Planungsbüro AS+P an eine belastbare Kostenschätzung, die natürlich abhängig vom Standort ist. Über diesen wird Hertha BSC nun mit den zuständigen Behörden und der Politik sprechen."

Geisel: "Hertha gehört nach Berlin"

Erste Reaktionen aus der Politik gibt es schon: Berlins Senator für Inneres und Sport, Andreas Geisel, ließ zu den Überlegungen verlauten:

„Wir alle wollen, dass Hertha BSC schönen und erfolgreichen Fußball spielt. Der Verein hat jetzt erstmals konkret mögliche Standorte für einen Stadionneubau benannt. Völlig klar ist: Hertha BSC gehört nach Berlin. Wir müssen dabei folgendes im Auge behalten: Gute Rahmenbedingungen für den Verein mit den entsprechenden Entwicklungsperspektiven und Erfolg für die Sportmetropole Berlin. Ein Stadionneubau darf nicht zum Millionengrab für das Olympiastadion werden. Wir wollen deshalb Gespräche mit Hertha führen und sondieren, wie wir das erreichen können. Das geht nur miteinander, nicht gegeneinander. Das sieht Hertha BSC auch so. Es geht um eine Vielzahl von Details, die zu klären sind: Da spielen zum Beispiel Verkehr, Lärm, Anwohner- und auch Denkmalschutz eine wichtige Rolle. Für das Land Berlin als Eigentümer der Liegenschaften gilt natürlich: Wir wollen, dass das Olympiastadion ein wirtschaftlich und sportlich lebendiger Ort bleibt. Deshalb hat dessen langfristige Nutzung für uns die höchste Priorität. Vorstellbar ist für mich auch ein entsprechender Umbau. Ich glaube, dass Hertha BSC und das Olympiastadion eine gute und gemeinsame Zukunft haben können.“

 Frank Steffel: "Stadion gehört in die Stadt"

Unterstützung kommt auch von der CDU. "Zu einem starken Hauptstadtverein gehört ein attraktives Stadion – in der Stadt. Daran muss jedem gelegen sein", teilte der Bundestagsabgeordnete Frank Steffel mit. Er ist auch Obmann im Sportausschuss. „Die Vorgaben dafür erfüllt weder das Olympia-Stadion noch ein Umzug aufs Brandenburger Land.  Der Senat sollte Hertha in der Stadion-Frage bestmöglich unterstützen und den Verein nicht zu suboptimalen Entscheidungen zwingen.“

Das alte Familienbad

Auf dem jetzt genannten Grundstück befindet sich auch das marode Familienbad, das seit mehr als 20 Jahren brach liegt und einst von den britischen Alliierten genutzt wurde. Dort ist der Neubau von Sportplätzen geplant; im Gestrüpp lagert übrigens auch noch der Siegerpodest der WM 2006.

Albert Speer entwarf Stadion für Tennis Borussia im Poststadion

Albert Speer hat übrigens schon einmal Stadionpläne in Berlin entworfen - für den Klub Tennis Borussia. Im Jahr 2008 war ein reines, aber viel kleineres Fußballstadion im Poststadion im Gespräch (16.000 Plätze, 16 Millionen Euro Kosten). Die Studie umfasste 100 Seiten. Aus den Plänen wurde bekanntlich nichts.

Ludwigsfelde gilt als Alternativstandort. Screenshot: Tsp/Hertha/ASP
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CDU-Fraktion: Senat muss nun über Nachnutzung des Olympiastadions nachdenken

Stephan Standfuß, sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sagte zum Ergebnis der Machbarkeitsstudie zur Prüfung möglicher Standorte für ein neues Stadion: "Wir begrüßen das klare Bekenntnis von Hertha BSC hinsichtlich einer Stadionlösung in Berlin außerordentlich. Hertha als Traditionsverein ist ein Imageträger für die Sportstadt Berlin. Die Spielstätte des Fußballclubs muss ohne Zweifel in Berlin liegen. Dies ist für die Identifikation der Fans enorm wichtig. Es sind gerade die Berliner Fans, die Hertha über alle Jahre die Treue gehalten haben. Sie haben es verdient, ihren Klub im Herzen der Stadt zu behalten."

Der Senat müsse nicht nur umgehend Gespräche mit den Verantwortlichen über die künftige Spielstätte führen und diese schnell zum Abschluss bringen, sondern auch die seitens des Landes Berlin notwendigen Maßnahmen umsetzen, um Hertha BSC in Berlin zu halten. Gleichzeitig habe der Senat aber auch dafür Sorge zu tragen, dass eine adäquate Nachnutzung des Berliner Olympiastadions gesichert ist. Hier darf kein Millionengrab entstehen.

So berichtete der Tagesspiegel 2008. Foto: Archiv Tagesspiegel
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Der Berliner Senat müsse außerdem in einen aktiven Austausch mit den Vereinsverantwortlichen von Hertha BSC treten. "Außer Frage steht, dass die Spielstätte - wo auch immer diese künftig in Berlin sein wird - stärker den Charakter eines Heimstadions aufweisen muss und alle anderen Eigenschaften eines modernen Fußballstadions haben sollte, damit sich die Fans besser identifizieren können. Das Olympiagelände eignet sich hierfür mit seinen Gegebenheiten besonders gut", sagte Standfuß.

"Ich bin in der Ostkurve groß geworden"

Kai Wegner, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Hertha BSC-Fanclubs im Deutschen Bundestag, erklärt zur Stadiondebatte von Hertha BSC: „Hertha BSC ist der Hauptstadtclub und gehört als Aushängeschild des Berliner Sports unweigerlich nach Berlin. Ich bin selbst in der Ostkurve groß geworden, kann aber den Wunsch von Hertha BSC verstehen, in einem reinen Fußballstadion spielen zu wollen. Der Senat muss alles dafür tun, dass der Hauptstadtclub in der Hauptstadt bleibt und sich nötigenfalls ein zweites ‚Wohnzimmer‘ auf dem Olympiagelände baut. Davon würde nicht nur Berlin, sondern auch die ganze Region profitieren.“

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