Der Nachbarschaftsgarten Alt-Treptow. Im Bild Marcus Waldherr, Katrin Wegner und ihre Kinder. Foto: DAVIDS/Sven Darmer
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Gemeinsame Sache in Treptow-Köpenick 2017 In Treptow wird Grau zu Grün

Felix Kessler
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Neues im Kungerkiez: Hinter einem früheren Schulgebäude in Alt-Treptow entsteht auf einer Brache ein Nachbarschaftsgarten.

Noch liegt die kahle Betonfläche hinter dem alten Schulgebäude in der Alt-Treptower Bouchéstraße versteckt hinter wuchernden Sträuchern. Doch wenn es nach Katrin Wegner vom Verein „KungerKiezInitiatve“ geht, soll sich das schnell ändern. Der graue Beton soll vor allem einer Farbe weichen: Grün.

Denn Wegner plant, gemeinsam mit den Bewohnern des Kiezes rund um die Karl-Kunger-Straße an der Schule Hochbeete anzulegen und der Brache hinter der alten Schule neues Leben einzuhauchen. Mit dabei ist auch das Freiwilligenzentrum Treptow-Köpenick. „Der Kiezgarten“ soll „Raum bieten für urbanes Gärtnern, städtisches Erholen und kreatives Upcycling“, erklärt ein Flyer. Kinder, und von denen gibt es im Viertel viele, sollen so ein Verständnis für Biologie und Klima entwickeln. Zum Beispiel wenn neben der Gartenarbeit Papier geschöpft wird und so ein Wissen über den Rohstoffkreislauf entsteht.

Unterstützung vom Bundesumweltministerium

Möglich ist das auch, weil das Projekt vom Bundesumweltministerium finanziell unterstützt wird. Von den Fördergeldern sollen ausleihbare Lastenfahrräder angeschafft, Ausstellungen und Workshops mit dem Thema Umweltschutz organisiert werden. Davon profitieren alle Kiezbewohner. Auch die zwei Lastenräder sollen der gesamten Nachbarschaft kostenlos zur Verfügung stehen.

Dass sich die Umwelt nicht nur auf dem Rad schützen lässt, zeigt der Verein durch Upcycling. Für den neuen Gemeinschaftsgarten wird dabei aus alltäglich anfallendem Plastikmüll, etwa aus alten Milchkartons, Neues gemacht. An der Hauswand der ehemaligen Schule sprießen schon jetzt Kräuter aus aufgeschnittenen Tetrapaks. Spätestens zu den Aktionstagen für ein schönes Berlin soll dann der ganze Hinterhof zum großen Garten werden. Dafür braucht es noch helfende Hände. „Aktuell haben wir einen festen Stamm von gut 15 Leuten, die sich hier sehr regelmäßig einbringen“, sagt Wegner, die eine von drei Stellen besetzt, die sich der Verein seit einiger Zeit durch Spenden und Förderungen leisten kann.

Großer Zuspruch

Den vielen Kulturangeboten, die bereits jetzt organisiert werden, mangelt es schon längst nicht mehr an Zuspruch. „Wir haben den Verein vor zehn Jahren gegründet, damals standen hier noch viele Ladenlokale leer", berichtet Wegner. Eins wurde angemietet und zuerst als Nachbarschaftsgalerie genutzt. Prompt hätten sich daraufhin auch Nachbarn mit weiteren Ideen gemeldet. Auf den ersten Yoga-Kurs folgte ein zweiter, immer neue Angebote kamen hinzu. Mittlerweile werden in den Vereinsräumen in der Kiefholzstraße täglich Kurse angeboten, nicht nur für die Mitglieder des Vereins. Tanzkurse, Kindertheater, Krabbelgruppen und Workshops stehen regelmäßig auf dem Programm. Lesungen und Kunst sind nach wie vor fester Teil des Kulturprogramms.

Baumscheibenfest als Highlight

Ein besonderer Höhepunkt ist das alljährliche Baumscheibenfest im Kunger-Kiez, das sich mittlerweile fest im Viertel etabliert hat. Nicht nur der Verein, sondern auch Cafes, Kneipen, Geschäfte und Ateliers sorgen dafür, dass sich der ganze Stadtteil Mitte September in eine Kulturmeile verwandelt. Auch wenn die „Feier von Anwohnern für Anwohner“ konzipiert ist, sind ausdrücklich auch Kiez-Fremde eingeladen. Dabei werden in Treptow nicht nur Flohmärkte, Livemusik und Bratwurst geboten, sondern auch Außergewöhnliches. Lakritze zum Selbermischen, ein Kindermusical in der Treptower Gedächtniskirche und Reisegeschichten bei Tee und Rotwein stehen auf dem Programm. In diesem Jahr findet das Baumscheibenfest am 15. und 16. September statt und startet mit einer Freiluft-Kinoaufführung am Freitagabend.

„Mittlerweile machen wir so viel, uns werden die Räumlichkeiten für die Kurse fast schon knapp“, berichtet Wegner. Daher werden jetzt alle freien Flächen genutzt – und dazu gehört auch die Betonfläche an der Schule. Um auf die zahlreichen Projekte aufmerksam zu machen und dem fertigen Garten einen großen Schritt näher zu kommen, lädt die Initiative am Freitag, 8. September, zwischen 14 - 18 Uhr Helferinnen und Helfer ein. Für das leibliche Wohl wird gesorgt.

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