Hallo Nachbar. Hier feiern Flüchtlinge und Helfer der Marzahner Notunterkunft mit Anwohnern im nahen Park. Foto: Volkssolidarität
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Gemeinsame Sache in Marzahn-Hellersdorf 2017 Eine Gartenecke gegen die Tristesse

Helke Ellersiek
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Düster und grau ist die Flüchtlingsunterkunft am Brebacher Weg in Marzahn. Helfer wollen nun eine Gartenecke bauen.

Der Weg zur Notunterkunft für Geflüchtete in Marzahn führt durch einen schönen Park, vorbei an Backsteinhäusern und einer schicken Augenklinik. Vom S-Bahnhof Wuhlheide erreicht man diese kleine Oase über die vielbefahrene Altentreptower Straße. Dort hängt an nahezu jedem Laternenpfahl ein AfD-Plakat. Die Gegend ist ruhig, fast wie ausgestorben. Es gibt keine Supermärkte, keine Cafés, kaum Wohnhäuser und Menschen. Nur einen Kiosk am S-Bahn-Stop.

Schilder weisen den Weg zum „Haus 41“ am Brebacher Weg , einem verwitterten Plattenbau mit sechs Stockwerken. Der Sicherheitsdienst am Eingang lässt hausfremde Besucher nur mit Ausweis hinein. Die niedrigen Decken, die Leuchtstoffröhren, die Einrichtung und die ganze Atmosphäre erinnern schon am Empfang sofort an ein Krankenhaus.

Nur eine Übergangslösung

„Das hier war vorher eine Psychiatrie“, erzählt Ulrike Maiwald. Sie ist die stellvertretende Leiterin und Ehrenamtskoordinatorin der Notunterkunft. Seit Januar 2016 sind hier besonders schutzbedürftige Geflüchtete untergebracht: „Wir haben viele Kinder im Haus, alleinreisende Frauen, alte Menschen, aber auch chronisch Kranke.“ Die rund 220 Geflüchteten wohnen in ehemaligen Patientenzimmern und schlafen in Krankenhausbetten. „Wir konnten nichts Großes anschaffen, immerhin haben die Zimmer noch Toiletten und Duschen“, sagt Maiwald.

Sie sitzt in ihrem Büro, vor ihr ein typischer Verwaltungsschreibtisch inklusive Stempelkarussell. Hinter ihr hängt ein Plakat der Berlinale, darauf steht: „Why don’t you get a real Job?“ Betrieben wird das Heim von der Volkssolidarität.

Im Unterschied zu Gemeinschaftsunterkünften, in denen die Bewohner eine Bleibeperspektive haben, ist dieses Heim nur als Übergangslösung gedacht. Ziel ist eher, eine bessere, dauerhafte Unterkunft woanders zu finden. „Viele würden zwar länger bleiben, wenn sie ihre Zimmer abschließen und selbst kochen könnten“, sagt Maiwald. Aber das ist wegen der Brandschutzauflagen in Notunterkünften untersagt und außerdem in einem als Klinik geplanten Gebäude kaum machbar.

Dunkel und schmutzig

Renoviert wurde das Haus schon lange nicht mehr. Entsprechend sehen die Gänge aus: Es ist dunkel, das Licht unfreundlich, die Wände haben graue Schmutzstreifen. Das Team von mehr als 20 Mitarbeitern versucht, den Bewohnern mit Kursen, Kinderbetreuung und Schulungen ein besseres Angebot zu machen als nur ein Dach über dem Kopf. Aber es ist kaum Geld da. Nur der Frauenraum ist freundlich und gemütlich, für dessen Einrichtung hat die Unterkunft Spenden bekommen.

Auch ums Haus herum sieht es recht trostlos aus: Zwar liegt das Gebäude im Park, aber direkt davor ist der Platz zubetoniert für Parkplätze und Anlieferung von Essen und Bettwäsche für die damalige Psychiatrie. Auf Plastikstühlen sitzen Erwachsene und rauchen, zwei Kinder aus dem Wohnheim spielen auf dem Vorplatz Fangen. „Wir haben eine Kooperation mit dem Kiezhaus Marzahn, dort können die Kinder auch den Spielplatz benutzen“, erklärt Maiwald.

Immerhin ist es hinter dem Parkplatz grün, neben dem Haus führt ein unebener Weg unter Rotbuchen hindurch. Der Streifen reicht bis an die Seite der Anlieferfläche, die von Büschen gesäumt ist. Eine Bank steht an der Hauswand. „Man soll auch mal draußen sitzen können und was vom Park haben“, sagt Maiwald.

Das Team hat Bänke aus Paletten gebaut und diese vorher gesammelt, einige wurden auch gespendet. Nun soll eine beschauliche Gartenecke entstehen, und diese soll natürlich auch den Winter überstehen.

Los geht die Bauaktion am Aktionstag „Gemeinsame Sache“ am kommenden Freitag. Und dabei bekommen die Ehrenamtlichen und Flüchtlinge Unterstützung: Zehn Mitarbeiter einer Startup-Firma für Software wollen beim Aufbau helfen. „Wenn die Aktion gut ankommt, überlegen wir, sie noch auszuweiten“, sagt Ulrike Maiwald.

Gebaut wird am 8. September von 14 bis 18 Uhr. „Helfer können sich gern noch anmelden“, sagt Maiwald. Das geht per Mail an ulrike.maiwald@volkssolidaritaet.de.

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