Der Berliner Meisterkoch 2017: Sebastian Frank vom „Horváth“ in Kreuzberg. Foto: Tsp
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Gala "Berliner Meisterköche" 2017 Berlins Meister kochen für die Lokalprominenz

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Bei der Gala der „Berliner Meisterköche“ dinierten 500 Gäste, den Hauptgang servierte Sieger Sebastian Frank vom Restaurant Horváth.

Wenn schon Berlin selbst immer größer wird – warum dann nicht auch die Gala der „Berliner Meisterköche“? Deshalb saßen am Sonnabend nun schon mehr als 500 Gäste Schulter an Schulter im durchaus klischeehaft morbiden Ambiente des ehemaligen Kaufhauses Jandorf in Mitte. Was 1997 mit etwa 200 Gästen als Weihnachtsfeier der von Volker Hassemer frisch gegründeten Berlin Partner begonnen hat, ist nun ein Schaufenster der kulinarischen Klasse Berlins geworden.

Viele, die in diesen 20 Jahren ausgezeichnet wurden, haben Gastronomiegeschichte geschrieben, und möglicherweise trifft das ja auch für Sebastian Frank vom „Horváth“ in Kreuzberg zu, der in diesem Jahr zum Berliner Meisterkoch gewählt wurde, nicht der erste gebürtige Österreicher, dem diese Ehre zuteil wird.

Die Jury rühmte seinen unverwechselbaren Stil, der ungewöhnliche Produkte mit osteuropäischen Assoziationen und der aus Skandinavien stammenden neuen Regionalküche verbindet und ihm immerhin schon zwei Michelin-Sterne eingebracht hat. Mit seinem Titel hatte er auch das Recht, den Hauptgang des Menüs zu servieren, einen für seine Verhältnisse recht zurückhaltend stilisierten rosa Tafelspitz mit Spinat-Suppenfett-Emulsion, gegrillter Essiggurke und Birnen-Pastinaken-Creme.

Man trifft sich zu Tisch

Das Typische an der Meisterköche-Gala ist das informelle Zusammentreffen von Wirtschaft und Politik von Startups bis zu den Eigenbetrieben des Landes. Parlamentspräsident Ralf Wieland und der Regierende Bürgermeister Michael Müller saßen deshalb ebenso am Tisch wie Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, Innensenator Andreas Geisel und Bausenatorin Katrin Lompscher. Gekommen waren auch viele Preisträger vergangenen Jahre wie Markus Semmler oder Marie-Anne Raue.

Als charmante Moderatorin debütierte in diesem Jahr die bekennende Feinschmeckerin Ulla Koch am Brink, die viele der gelobten Restaurants aus eigener Anschauung kennt. In der „Bleiche“ in Burg/Spreewald war sie allerdings noch nicht, jedenfalls nicht seit Amtsantritt des neuen Küchenchefs René Klages, der aus dem Stand zum „Meisterkoch der Region“ ernannt wurde und seinen euro-japanischen Stil mit einer gebratenen Jakobsmuschel auf gestockter Sauce Divine mit japanischer Bouillon demonstrierte.

Aufsteiger, Gastgeber und Champagnerduscher

Niemand kann im Moment Christopher Kümper besuchen, dessen viel beachtetes Restaurant „Schwein“ nach der Wahl zum „Aufsteiger des Jahres“ geschlossen wurde; die Hoffnungen ruhen nun auf dem Neuanfang in Charlottenburg. Sein leicht japanischer Zwischengang: Geräucherter Schweinebauch mit Rote-Bete-Dashi und Miso.

„Gastgeberin des Jahres“ wurde Ilona Scholl, die Chefin des Kreuzberger „Tulus Lotrek“. Das „Berliner Szenerestaurant 2017“ ist das „Brlo“ am Gleisdreieck, wo Küchenchef Ben Pommer erfolgreich das Zusammenspiel von hausgebrauten Bieren und überwiegend vegetarischer Küche probiert – er kochte deshalb auch eine Kombination von Topinambur, Schwarzwurzel und Rotem Mangold mit Röstmalz und Sellerie-Vinaigrette.

Und mit besonders großem Beifall wurde gleich zu Beginn The Duc Ngo bedacht, der es von der Flucht der vietnamesischen Boat People zum Erfolgsunternehmer gebracht hat und nun schon elf stilprägende asiatische Restaurants (Kuchi, 893 Ryotei) betreibt – er ist „Gastronomischer Innovator 2017“ und eröffnete die Gala mit einer Backfisch-Praline auf Ingwer-Gurken-Remoulade. Und zum Finale beschloss er sie auch: Mit einer Champagnerdusche, die die Preisträger und Juroren ziemlich kalt erwischte.

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