Festivalbesucher ruhen sich am 10.09.2016 auf dem Musikfestival Lollapalooza in Berlin im Schatten der Bäume aus. Foto: Britta Pedersen/dpa
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Festival in Hoppegarten Das Lollapalooza will keine Hotelkosten übernehmen

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Eigentlich haben Anwohner Anspruch auf eine Unterbringung in einem Hotel oder eine Entschädigungszahlung. Doch Lollapalooza will nicht zahlen.

Die gute Nachricht: Es gibt noch Tickets für das Lollapalooza-Festival am 9. und 10. September in Hoppegarten. Auch im Shuttlebus aus der Innenstadt sind noch Plätze frei. Rund 3000 Anwohner der Pferderennbahn können auch ohne Eintrittskarten die Konzerte der Beatsteaks, des Masken-Rappers Cro und der Foo Fighters live miterleben – ihre Wohnungen liegen im 70-Dezibel-Schallkreis der vier Bühnen, damit haben sie Anspruch auf eine Unterbringung in einem Hotel mit Vollpension oder eine Entschädigungszahlung.

Lollapalooza will für die Kosten nicht aufkommen

Doch Lollapalooza will für diese Kosten von bis zu 100.000 Euro nicht aufkommen; ein Widerspruchsverfahren gegen diese Auflage der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung läuft, wie Lollapalooza-Sprecher Tommy Nick bestätigte. In einer Anwohnermitteilung hatte das Festival erklärt, diese Frage notfalls gerichtlich klären zu lassen.

Hoppegartens Bürgermeister Karsten Knobbe hat den Anwohnern inzwischen eine „Richtigstellung“ zukommen lassen und versichert, die Kosten für Hotelzimmer würden auf jeden Fall erstattet.

Lage in Hoppegarten nicht vergleichbar mit Treptower Park

Im vergangenen Jahr hatte Lollapalooza im Treptower Park tatsächlich für Ersatzwohnraum gesorgt und dafür auch bezahlt, aber die Lage in Hoppegarten sei nicht vergleichbar, sagte Nick. Dort seien die Anwohner deutlich weiter entfernt vom Festival. Am Treptower Park hätten letztlich nur 50 Haushalte das Angebot genutzt, während des Festivals ins Hotel zu ziehen.

„Die Stimmung ist aufgeheizt."

Für das „Aktionsbündnis für den Erhalt der Rennbahn im Grünen“ ist das Scharmützel um den Ersatzwohnraum zwar ein „sehr großes Ärgernis“, aber dennoch nur ein Nebenschauplatz. Auf der Gemeinderatssitzung am kommenden Montag soll die Genehmigung der Veranstaltung noch mal Thema sein. „Die Stimmung ist aufgeheizt.

Wir sind generell gegen Großveranstaltungen auf der Rennbahn. Man hat hier gegen geltendes Recht verstoßen“, sagt Sven Francke, Sprecher des Aktionsbündnisses.

Die Natur leidet unter dem Festival

Das glaubt auch der Naturschutzbund Brandenburg. „Hier wird Recht gebeugt“, sagte die Geschäftsführerin des Nabu, Christiane Schröder. Die Rennbahn liege im Landschaftsschutzgebiet, das sei mit solchen Großveranstaltungen nicht vereinbar. Die angekündigten 100 000 Besucher würden die Natur auf der Rennbahn „plattmachen“, sagte Schröder.

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