Bereit für den Laubeinsatz. Die BSR hat sich auf den Herbst eingestellt. 1900 Mitarbeiter und 450 Fahrzeuge werden die Stadt in den kommenden Wochen vom bunten Kleid des Herbstes befreien. Das Sturmtief Xavier hat bereits viele Blätter auf Straßen und Wegen verteilt. Foto: Foto: Maurizio Gambarini/dpa
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Fahrradfahren in Berlin Achtung, Herbstlaub!

Sophie Krause
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Der Orkan "Xavier" hat viel Herbstlaub von den Bäumen gefegt – eine Gefahr für Radfahrer und Arbeit für die BSR.

Wer angesichts der herrlichen Farbenpracht des jungen Herbstes allzu sehr ins Träumen gerät, der legt sich in diesen Tagen schnell lang – vor allem das Fahrradfahren ist gefährlich. Denn der Regen der letzten Tage machte das rot-goldene Herbstlaub auf den Straßen und Wegen so glatt wie Schmieröl und damit zur unscheinbaren Gefahrenquelle.

Anruf bei der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr: Woher kommt plötzlich das ganze Laub? Viele Blätter sind doch noch grün? „Das ist vor allem dem Orkan geschuldet“, sagt Behördensprecher Derk Ehlert. „Der hat die Blätter von den Bäumen gefegt.“ Und viele Äste und ganze Bäume gleich mit.

Schon zu Beginn der vergangenen Woche startete die Berliner Stadtreinigung (BSR) ihren Spezialeinsatz zur Laubbeseitigung. 1900 Beschäftigte und 540 Fahrzeuge hat das Unternehmen dafür abbestellt. Die Damen und Herren in Orange beseitigen das Laub auf öffentlichen Straßen, Plätzen, Parkbuchten, Fuß- und Radwegen. Vielfach sind die Wege schon frei, doch mancherorts lauern noch Rutsch- und Stolperfallen. Auf Privatgrundstücken und -straßen müssen Eigentümer beziehungsweise Anwohner das Laub selbst zusammenfegen und in speziellen Laubsäcken oder in der Laubtonne entsorgen – wer sein Gartenlaub unerlaubterweise auf die Straße schüttet, muss mit einer Geldbuße rechnen.

500 000 gefüllte Badewannen voll Laub

Jede Herbstsaison sammelt die BSR nach eigenen Angaben rund 110 000 Kubikmeter Laub auf, was etwa 500 000 gefüllten Badewannen entspricht. Nach dem Orkan Xavier hat das Unternehmen alle Hände voll zu tun, die Sturmfolgen zu beseitigen.

„Nach dem Sturm ist es für uns am wichtigsten, die Verkehrssicherheit auf den Fahrbahnen und Gehwegen wiederherzustellen“, sagt BSR-Sprecher Sebastian Harnisch. Kleinere Äste und Laub entfernt die Stadtreinigung, um größere abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume kümmern sich Feuerwehr, das Technische Hilfswerk und die Grünflächenämter der Bezirke. Bis zum Jahresende soll das Herbstlaub beseitigt werden, wobei die Reinigung regionsabhängig erfolgt, das heißt je nach Bedarf. In manchen Straßen und Kiezen stehen mehr Bäume, wodurch mehr Laub anfällt und die BSR häufiger anrücken muss. Wenn die Temperaturen stark abfallen, führe dies dazu, dass die Bäume noch einmal besonders viele Blätter verlieren, erklärt BSR-Sprecher Harnisch. „Manchmal haben wir eine Straße vom Laub geräumt und schon am nächsten Tag sieht es so aus, als wären wir gar nicht da gewesen.“ Im Falle eines Kälteeinbruchs mit Schnee und Eis habe aber der BSR-Winterdienst klar Vorrang.

Momentan ist ein Spaziergang im Berliner Wald lebensgefährlich

In den meisten städtischen Parks sind die Grünflächen- und Bezirksämter in der Pflicht, herumliegendes Laub zu beseitigen. Aufgrund der Sturmschäden warnen die Bezirke aktuell vor dem Betreten von Parks und Friedhöfen. Besonders schlimm getroffen hat der Orkan die Berliner Wälder, die rund 20 Prozent der Stadtfläche ausmachen. „Da werden wir mit den Aufräumarbeiten noch Wochen beschäftigt sein“, sagt Behördensprecher Ehlert. „Im Augenblick ist das Betreten des Berliner Waldes lebensgefährlich, weil überall noch lose Äste und Zweige in den Bäumen hängen, die runterfallen können.“ Man solle deshalb auf keinen Fall den Wald betreten.

In der Stadt, rät Ehlert, sollten Fußgänger am besten die Straßenseite wechseln, dort wo Bäume umgekippt und Wurzeln hervorgetreten sind.

Radfahrer sind besonders gefährdet

Besonders gefährdet sind Radfahrer, die auf feuchtem Laub leicht abrutschen oder ins Schleudern geraten können. „Radfahrer sollten langsam, vorsichtig und vorausschauend fahren und daran denken, dass der Bremsweg bei Nässe länger ist“, empfiehlt der ADFC auf Anfrage des Tagesspiegels. Dicken Laubschichten sollte man am besten ausweichen, da darunter Pfützen oder Äste lauern können. „Zusätzlich kann man ein bisschen Luft aus den Reifen lassen, dann haften sie besser am Boden. Das hilft bei rutschigen Stellen“, heißt es beim Fahrradverband. Zudem sollten Radler darauf achten, dass ihre Felgen sauber sind, damit die Bremsen gut greifen können. Auch eine funktionierende Beleuchtung und helle Kleidung sind im Winter unabdingbar.

Solange die goldene Blätterpracht und die Hinterlassenschaften des Orkans die Berliner Straßen und Wege zieren, gilt für Fußgänger, Menschen mit Kinderwagen oder Gehhilfen höchste Wachsamkeit. Um Brüche und Beulen zu vermeiden, sollten sie das „Blatteis“ am besten weiträumig umgehen.

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