Heißer Preis. Judith Rakers und Lutz Schüler kürten Start-ups.p

Den Haustürschlüssel überflüssig machenBerliner Start-Up mit "made in.de"-Award ausgezeichnet

Von Sophie Aschenbrenner0 Kommentare

Sie wollen den Markt revolutionieren und den Haustürschlüssel überflüssig machen: Das Berliner Start-Up-Unternehmen Carzapp wurde Dienstagabend mit dem "made in.de"-Award ausgezeichnet. Organisator Lutz Schüler will mit dem Award digitale Innovationen aus Deutschland stärken.

Aufmerksamkeit, Geld, Kontakte: Ohne diese Faktoren haben es junge Start-Ups schwer – sagt Lutz Schüler, Geschäftsführer des Kabelnetzbetreibers Unitymedia. Dienstagabend hat er zumindest drei Start-Up-Unternehmen ein Stück weitergeholfen. Das Berliner Unternehmen Carzapp wurde mit dem mit 25 000 Euro dotierten „made in.de“-Award ausgezeichnet, je 2500 Euro erhielten das Hamburger Unternehmen HQLabs und die Firma VivosensMedical aus Leipzig.

Unitymedia verlieh den Preis zum dritten Mal. Der Wettbewerb richtet sich an aufstrebende deutsche Start-Up-Unternehmen, die die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen und durch ihre innovativen Ideen „made in Germany“ auch die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands steigern. Alle Unternehmen, die sich beworben haben, haben ihren Sitz in Deutschland und entwickeln ihre Innovationen überwiegend hier. Die Start-Ups dürfen nicht länger als fünf Jahre bestehen.

Die Vision von Carzapp: Schlüssel überflüssig machen

Mehr als 100 Unternehmen hatten sich bis Anfang April beworben. Die besten zehn durften ihr Konzept einer Jury präsentieren, die letzten drei wurden Dienstagabend im E-Werk in Mitte ausgezeichnet. Hier konnten die jungen Unternehmer schon einmal ausprobieren, wie sich Erfolg anfühlen kann: Auf dem roten Teppich vor dem Eingang konnten die Gruppen vor den Kameras der Fotografen posieren, drinnen gab es feines Catering und exklusiven Blumenschmuck. „Dies ist eine Nacht, die für Risikofreude steht“, kündigte Moderatorin Judith Rakers zu Beginn des Abends an.

Sieger Oliver Lünstedt und Sahil Sachdeva von Carzapp haben sich 2011 bei einem Gründerworkshop an der TU Berlin kennen gelernt. Dort arbeiteten sie daran, Autos ohne Schlüssel zu öffnen. Ihre Idee begeisterte sie derart, dass sie nach dem Ende des Kurses beschlossen, den Business-Plan weiter auszubauen. Mit Erfolg: 2012 gründeten sie ihre Firma, heute hat Carzapp neun Mitarbeiter und bildet sogar einen Azubi aus. Die Vision: Schlüsselloser Zugang per App auf dem Smartphone zu allem, vom Auto übers Büro bis hin zu Tresoren.

Nutzen vor allem fürs Carsharing

In puncto Carsharing haben die Unternehmer den Markt erneuert: Sie entwickelten die App ZappKit, mit der sich das geliehene Auto einfach öffnen und auch wieder schließen lässt - auch außerhalb der Öffnungszeiten des Anbieters. Auf der Bühne ist sich Lünstedt sicher: „In vier bis fünf Jahren werden Schlüssel überflüssig sein.“ Schüler betont, dass „vor allem die Kombination aus mechanisch und digital“ die Jury überzeugt habe. „Wir freuen uns wirklich sehr“, sagt Lünstedt. Mit dem Geld wollen die beiden Unternehmer nun vor allem die Technik weiterentwickeln.

Den Eisprung vorhersehen

Lucas Bauche, Nils Czernig und Tobias Hagenau von der Firma HQLabs haben sich bereits während ihres Studiums in Hamburg kennen gelernt. Gemeinsam haben sie eine Software entwickelt, die die Arbeitsprozesse in Firmen erleichtern soll. Schüler bezeichnet die Idee als „den Vernichter von Excel“ und lädt die jungen Gründer ein, doch mal bei ihm im Büro vorbeizukommen. Die Parlamentarische Staatssekretärin und Laudatorin Brigitte Zypries hingegen favorisiert den OvulaRing, den VivosensMedical entwickelt hat. Mit dem Ring kann jede Frau ihre fruchtbaren Tage und den Zeitpunkt ihres Eisprungs durch einen Biosensor bestimmen. Dieser liefert ein lückenloses Abbild des weiblichen Zyklus. Das unterstützt sowohl bei der Planung einer Schwangerschaft als auch bei der natürlichen Verhütung. Zypries hat dafür zwei Worte: „Total praktisch“, auch Moderatorin Rakers ist begeistert: „Das interessiert uns Frauen eben.“

Wichtig ist Lutz Schüler vor allem eines: „Lasst uns heute Abend etwas schaffen“. Alle drei ausgezeichneten Start-Ups des vergangenen Jahres seien erfolgreich. Wie die Sieger den Abend noch genießen? Ganz bescheiden: „Jetzt trinken wir erstmal ein paar Bierchen und freuen uns, dass wir nicht mit dem Auto nach Hause fahren müssen“, sagt Lünstedt.