Demo vor Kneipe in Berlin-Kreuzberg Reggae gegen Rassismus

Timo Kather
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Die Dealer im Görlitzer Park nerven die Anwohner. Ein Kneipier in der Falckensteinstraße war in der Boulevardpresse mit der Aussage zitiert worden, dass er Schwarzen Hausverbot erteilt habe. Dagegen wurde demonstriert.

In Kreuzberg war am Sonntagabend immer wieder laut Reggaemusik zu hören – genauer: im Wrangelkiez. Dort demonstrierten am späten Nachmittag, wie angekündigt, rund 100 Menschen „gegen Rassismus in den Köpfen“. Anlass waren angebliche Äußerungen des 72 Jahre alten Wirtes der Kneipe „Liesert’s Falckensteiner“, Schwarze hätten bei ihm Hausverbot. Im Umfeld der Kneipe an der Falckensteinstraße 26 wird verstärkt mit Drogen gehandelt.

Anwohner sagen, Dealer würden sich dort oft verstecken

Nach Auskunft von Anwohnern würden sich die Dealer bei Razzien im nahen Görlitzer Park oft dort im Kiez verstecken. Wie berichtet, verdienten sich zuletzt auch Flüchtlinge afrikanischer Herkunft auf diese Weise Geld.

Die Familie des Wirtes Günther Liesert wies die Anschuldigungen von sich, ein solcher Satz sei nie gefallen. „Alle Gäste egal welcher Herkunft und Hautfarbe sind hier willkommen! Dealer egal welcher Herkunft und Hautfarbe sind nicht willkommen“ – das stand am Sonntag auf einem Schild in der Scheibe der Kneipe.

Davor hatten sich Dutzende Demonstranten jeglicher Herkunft und Hautfarbe versammelt, Alt und Jung, Familien, bunt gemischte Pärchen, Nachbarn. Am Sonntag ist in „Liesert’s Falckensteiner“ Ruhetag - aber vor der Kneipe gab es an diesem Tag Kundgebungen am Lautsprecherwagen.

"Rassismus mit Zivilcourage begegnen"

Tahir Della, Vorstandsmitglied von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, sagte „es geht hier nicht nur um eine Kneipe, sondern Staat und Gesellschaft sind aufgefordert, dem Problem des Rassismus mit Zivilcourage zu begegnen“. Eine Rednerin sagte, sie habe Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Bei der Demo, die bis Redaktionsschluss friedlich verlief, waren rund ein Dutzend Polizeibeamte im Einsatz. Zur Demo hatte auch die extremlinke Internetplattform „linksunten.indymedia“ aufgerufen.


Nachdem sich zunehmend Anwohner über die Dealer beschwerten – auch weil sie selbst Kinder ansprechen – arbeitet der Bezirk Kreuzberg jetzt mit der Polizei an einem Sicherheitskonzept für den Görlitzer Park.

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