Schlossakkord. An der Fassade des Humboldt-Forums hängt bereits der wichtigste Schmuck - und der Innenausbau läuft auf Hochtouren. Foto: Kitty Kleist-Heinrichp

Countdown beim Schloss-Neubau Humboldt-Forum sucht Mitarbeiter

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Schlossherr Wien versichert: Mehr als 595 Millionen Euro kostet das Schloss nicht und der Probebetrieb startet kommendes Jahr.

105,5 Millionen Euro brauchen sie, damit auch die Kolossal-Figuren im künftigen Empfangssaal des Schlosses unter der blau leuchtenden Kuppel vollständig sind. Bislang sind aber nur 65 Millionen Euro beisammen, 15 Millionen Euro weniger als die Spender mindestens aufbringen müssen, damit die Baukosten nicht aus dem Ruder laufen. Trotzdem ist Johannes Wien, Vorstand der Stiftung Humboldt-Forum, zufrieden, denn „es ist alles finanziert und es wird alles gebaut, was nach der Eröffnung nachträglich nicht mehr ergänzt werden könnte“.

Schlossherr zum Rapport beim Bund

Der Schlossbauherr hat dem Bund am Mittwoch Rapport erstattet und auch zu Gerüchten Stellung genommen, wonach die Eröffnung des Humboldt-Forums in Etappen nur dazu diene, die schweren technischen Mängel der Gebäudetechnik zu verschleiern. „Brandschutz und bauaufsichtliche Genehmigung als Versammlungsstätte werden im Frühjahr 2019 vorliegen und Ende desselben Jahres öffnet das Humboldt-Forum“, sagt Wien. Die Kosten für das Bauvorhaben lägen unverändert im Rahmen der im Jahr 2011 festgezurrten Planung: 595 Millionen Euro beträgt die Obergrenze. Die Probleme bei der Haustechnik? Werden wie alle anderen gelöst und dazu setzt die Stiftung das Geld aus der „Risikovorsorge“ ein. „Das reicht aus“, legt sich Wien fest.

80 Millionen Euro an Spenden? Kommen!

Der Vorstand ist sich sicher, dass die Spenden über die fest vereinbarte Mindestgrenze von 80 Millionen Euro hinaus reichen. Zwei Jahre seien ja noch Zeit. Allerdings flossen zuletzt rund 15 Millionen Euro jährlich. Bleibt es dabei, kämen einschließlich dieses Jahres weitere 40 Millionen Euro zusammen. So gesehen wäre eine Punktlandung möglich.

702 Tage bei zu Humboldts 250. Geburtstag

Die Bauabläufe rücken indes langsam in den Hintergrund, während der  Countdown zur Eröffnung startet: 702 Tage zählte Wien am Donnerstag – bis zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt am 14. September 2019. Eröffnen wird das Schloss dann vielleicht noch nicht, eine große Veranstaltung werde aber sicher möglich sein. „Wir sind zurzeit 74 Beschäftigte, 50 mehr als vor zwei Jahren und im Jahr der Eröffnung werden wir 330 sein“, sagt Wien. Technische Mitarbeiter der insolventen Airline Air Berlin sollen beispielsweise eine Chance bekommen. Mitarbeiter für den Besucherservice sucht die Stiftung, die Kommunikationsabteilung wächst, für das Management des Hauses mit seiner aufwendigen Technik braucht es ebenfalls Leute. Das Schloss wird zur Job-Maschine.

Im Frühjahr 2019 wird das Bauwerk abgenommen

Und der Termin für die Eröffnung? „Den nennen wir, wenn die Abnahme als Versammlungsstätte gelaufen ist“, sagt Wien – in eineinhalb Jahren also. Ist es dann aber nicht zu spät, damit die Kanzlerin den Tag in ihrem Kalender frei nimmt? Nicht unbedingt, denn die Eröffnung des Schlosses wird einer der Termine sein, die Anfang kommenden Jahres vom Kanzleramt und den zuständigen Fachressorts Bauen und Kultur als wichtige Fixpunkte in der kommenden Legislaturperiode eingesammelt werden.

Das Humboldt-Forum soll eine "Marke" werden

Was die Schloss-Manager außerdem umtreibt: Das Humboldt-Forum als „Marke“ zu etablieren. Es ist eben nicht einfach nur ein Schloss. Oder ein Fachbereich der Humboldt-Uni. Oder eine ethnologische Sammlung. Der Ort muss als ein Ganzes funktionieren. Damit beispielsweise die kanadische Touristin in Berlin auf die Frage „Hingehen oder nicht?“ antwortet: Musste gesehen haben! Eine „starke Intendanz“ braucht es dafür, meint Wien . Zugleich soll diese aber nicht Vitalität und Kreativität der einzelnen Akteure ersticken – „Kooperation“ sei deshalb genauso wichtig.

Kurzum: „Termin- und kostengerecht“ will Wien das Humboldt-Forum abliefern. Aber „für den Einzug auf den ihnen zur Verfügung gestellten Flächen, sind die Akteure mit verantwortlich“, sagt er – der Countdown läuft.

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