Thomas Kralinski (SPD), Chef der Staatskanzlei Brandenburg, bei seinem Grußwort zur 170-Jahr-Feier der Gasag in Berlin am 18. Mai 2017. Foto: Gasagp

Chef der Brandenburger Staatskanzlei"Wo ist der Knopf, mit dem wir Berlinern das Licht ausdrehen?"

von Kevin P. Hoffmann1 Kommentare

Bei einer großen Feier zum 170-jährigen Bestehen des Energieversorgers Gasag hat Thomas Kralinski, Chef der Staatskanzlei in Potsdam, einen Scherz versucht. Es ist ihm nicht wirklich geglückt

Alles nur ein Scherz, natürlich! Aber kein besonders lustiger in einer Stadt, die schon mal fast ein Jahr lang komplett abgeriegelt war und nur über eine Luftbrücke der West-Alliierten versorgt werden konnte. Thomas Kralinski, Chef der Staatskanzlei Brandenburg, war der letzte Redner bei dem Fest zum 170-jährigen Jubiläum des Energieversorgers Gasag am Donnerstagabend in der Kreuzberger Heeresbäckerei.

In seinem knappen Grußwort - auch gehalten im Namen des Ministerpräsidenten Dietmar Woidke - erklärte der SPD-Mann vor mehreren Hundert Zuhörern, darunter Parteifreund Michael Müller, dass etwa die Hälfte der Energie, die die Gasag in Berlin an Kunden verteilt, in Brandenburg erzeugt werde. Das gelte übrigens auch für 90 Prozent des Benzins. „Manchmal fragen wir uns, wie wir Berlin ärgern können: Wo ist denn der Knopf, mit dem wir Berlinern das Licht ausdrehen können?“, würde man dann in Potsdam fragen. „Aber keine Sorge, wir haben ihn noch nicht gefunden“, beruhigte Kralinski, geboren 1972 in Weimar, Thüringen.

Gasag-Chefin sorgte für echte Lacher

Die Zuhörer gingen an diesem Sommerabend milde darüber hinweg. Für Lacher sorgte hingegen die Gastgeberin, Gasag-Chefin Vera Gäde-Butzlaff, als Sie von Archivfunden aus dem Firmengründungsjahr 1847 berichtete. Der Betriebsrat ihres Unternehmen habe Material gefunden, verriet sie am Rande. Damals betrieb das Unternehmen 2000 Gaslaternen für die 400 000 Einwohner. Und Berlins Bürger hätten damals wohl allerlei gegen das Licht einzuwenden gehabt. So sei der Einsatz von Gas gesundheitlich nachteilig für, so wörtlich, „schwachleibige und zartnervige“ Menschen und führe zudem durch das nächtliche Verweilen auf den Straßen zu Schnupfen, Husten und Erkältung. Gaslicht in den Straßen sei auch ein moralisches Problem gewesen, verscheuche doch die künstliche Helligkeit „das Grauen vor der Finsternis, das die Schwachen von mancher Sünde abhält“, zitierte sie.

Das Fest zum 170-jährigen Jubiläum des Energieversorgers Gasag in der historischen Heeresbäckerei in Kreuzberg am 18. Mai 2017. Wegen des guten Wetters verlagerte sich die Party nach den Reden auf den Hof. Foto: Gasagp

Mit Gaslicht werde „hemmungslos gezecht, und noch schlimmer, dann würden verliebte Paare regelrecht verkuppelt“, habe man sich damals gesorgt. „Tja meine Damen und Herren, wie wohl ein Volksentscheid im frühen 19. Jahrhundert zu diesem Thema ausgegangen wäre?“, fragte Gäde-Butzlaff.