Unter den Augen von Strauß: Spandaus Bezirksstadtrat Andreas Otti in seinem Büro. Foto: dpap

Bundestagswahl 2017 Spandaus AfD-Stadtrat zieht es in den Bundestag

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Seit acht Monaten ist Andreas Otti Stadtrat in Spandau, eben erst hat er sein Amtszimmer für 15.000 Euro renovieren lassen. Jetzt will er weiter.

„Ich brenne darauf“, schreibt der Mann auf dem blauen Flyer, „ich brenne darauf, für unsere Heimat tätig werden zu dürfen – Ihr Kandidat für den Deutschen Bundestag: Andreas Otti.“ Otti ist Bundestagskandidat der AfD, aber auch Stadtrat in Spandau; sein Büro im Rathaus hat er gerade erst für 15000 Euro renovieren lassen – allein der Fußboden hat 8400 Euro gekostet (Otti: „Ein Standardzimmer“). Vor allem aber: Die Arbeit als Stadtrat macht er erst seit acht Monaten.

Otti – „48 Jahre alt, Berufssoldat (beurlaubt), Vater, Ehemann“, so steht es auf den AfD-Flyern, die am Wochenende im Spandauer Süden in den Briefkästen gelandet sind –, zieht es nach kurzer Zeit wieder raus aus der Spandauer Politik. „Mein Amt als Stadtrat ist kein Sprungbrett“, sagt er dem Tagesspiegel am Telefon. Dass dieser Eindruck entstehen könnte, glaubt er nicht. „Ich will mit größerer Reichweite für Spandau wirken.“

"Ich werde die 68er aufhalten!"

Was er dort indes verändern will, klingt so: „Ich werde die 68er aufhalten!“ – so steht es auf seinem Flyer. Was Otti, der lange Mitglied der CSU war und dessen Vorbild noch immer Franz-Josef Strauß ist, damit meint? „Die Linken höhlen den Staat aus und wollen ihn missbrauchen“, sagt Otti und verweist auf die G-20-Proteste in Hamburg. Im Bundestag wolle er sich dafür stark machen, dass Datenbanken ausgebaut werden, um Straftäter schneller identifiziert zu könnten. „Volle Kraft für Spandau“, sagt er.

In Spandau ist Otti Stadtrat für Facility Management, Umwelt- und Naturschutz. Kein Einzelfall, in sechs Bezirken stellt die AfD einen Stadtrat. Ihr siebter Stadtrat in Neukölln trat vor einem Monat aus der Partei aus. In den Bundestag will jedoch keiner von ihnen.

Liegt hinter der Bewerbung ein System?

Hinter Ottis Bewerbung scheint trotzdem ein System zu liegen. Auffällig viele prominente AfD-Mitglieder versuchen – in offensichtlich hoffnungslosen Wahlkreisen – als Direktkandidat in den Bundestag zu kommen. Georg Pazderski, Landesvorsitzender und AfD-Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus, tritt in Pankow gegen Stefan Liebich (Linke) an, der das Direktmandat bereits zweimal errungen hat. Im traditionell sozialdemokratischen Neukölln versucht der Schatzmeister der Partei, Frank-Christian Hansel sein Glück. Auch in Spandau dürfte Otti nur eine Nebenrolle spielen, zu stark scheinen die amtierenden Bundestagsabgeordneten Swen Schulz (SPD) und Kai Wegner (CDU).

Über die Landesliste haben sich Pazderski, Hansel und Otti nicht abgesichert. Sollte er nicht gewählt werden, will Otti Stadtrat bleiben. Offiziell rechnet er sich gute Chancen aus. „Ich bin bei den Leuten in Spandau angekommen“, sagt er. Jetzt will er weiter.

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