Mit dem Bundestag hat es nicht geklappt. Jetzt will Frank Henkel (CDU) im Abgeordnetenhaus weitermachen. Foto: Michael Kappeler/dpap

Bundestagswahl 2017 Knapp den Einzug verpasst: Die Wahlverlierer

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Sie haben gekämpft und verloren. Einige prominente Politiker aus Berlin müssen den Bundestag verlassen - oder dürfen gar nicht erst hinein.

Frank Henkel, CDU, Ex-Innensenator und Direktkandidat in Mitte

Der ehemalige Innensenator Frank Henkel verlor im direkten Duell mit Eva Högl von der SPD. Einen Listenplatz hatte er nicht.

Woran lag’s?

Henkel: Es ist im Guten wie im Schlechten so: Das große Wasser nimmt das kleine mit. Mein Wahlkreis 75 in Mitte ist nicht gerade christdemokratisches Kernland, da war es immer schwierig. Bei dem Ergebnis, was wir im Bund eingefahren haben, muss man sich nicht wundern, dass Berlin drei Mandate verloren hat. Das schlägt sich natürlich auch auf komplizierte Wahlkreise nieder. Kai Wegner hat seinen Wahlkreis in Spandau nicht direkt geholt – dabei sind da die Voraussetzungen wesentlich besser als bei mir.

Wie hart ist es und wie geht’s weiter für Sie?

Henkel: Natürlich bin ich enttäuscht, weil ich mit einem sehr engagierten Team über mehrere Monate hin Wahlkampf gemacht habe, da will man natürlich als erster durchs Ziel. Das hat nicht geklappt. Aber ich bin und bleibe Mitglied des Abgeordnetenhauses, und ich werde meine ganze Kraft und Konzentration auf die Wahlkreisarbeit legen.

Auf die Frage, ob er die Politik an den Nagel hängen will und womöglich sogar schon Angebote hat, lacht Henkel nur und verweist darauf, dass das privat sei.

Wir beurteilen Sie das Wahlergebnis insgesamt?

Henkel: Da muss man nicht drumherum reden: Es ist ein schlechtes. Wer so viele Prozentpunkte verliert, muss sich fragen, warum es den Vertrauensverlust gab. Und der muss Antworten finden.

Tim Renner nimmt die Niederlage sportlich. Foto: Thilo Rückeisp

Tim Renner, SPD, Bundestags-Direktkandidat in Charlottenburg-Wilmersdorf

Tim Renner, der ehemalige Kulturstaatssekretär, konnte sich in Charlottenburg-Wilmersdorf nicht gegen den CDU-Politiker Klaus-Dieter Gröhler durchsetzen.

Woran lag's?

Renner: Es ist gar nicht so schlecht gelaufen. Zwischenzeitlich hat mich der Landeswahlleiter schon zum Sieger ausgerufen, ganz am Schluss liefen dann ein paar tiefschwarze Wahlkreise ein. Der Vorsprung von Gröhler im Vergleich zu 2013 ist aber halbiert worden, und das gegen den Bundestrend. Ich verbuche das mal als kleinen Erfolg.

Wie geht es jetzt persönlich für Sie weiter?

Renner: Das weiß ich noch nicht. Ich arbeite immer ohne Plan B. Vielleicht gründe ich eine neue Firma, vielleicht trete ich in die alte ein und nerve meine Frau. Vielleicht schreibe ich auch ein lustiges Buch. Auf jeden Fall werde ich mich weiter in der SPD engagieren.

Wie beurteilen Sie denn den Wahlausgang insgesamt?

Renner: Das Ergebnis zeigt einen dringenden Handlungsbedarf bei den Volksparteien. Beide sind weiterhin wichtig. Die SPD ist ganz klar progressiv und sozial, ihre Erneuerung muss weitergehen, da werde ich mich einbringen, sie lustvoller darstellen. Die SPD ist wie eine Band, die eigentlich sehr gut ist, aber keinen Hit hervorbringt, es fehlt die klare Zuspitzung. Tunlichst sollten wir nicht noch einmal eine große Koalition eingehen.

Öczan Mutlu von den Grünen muss sein Büro im Bundestag räumen. Foto: promop

Öczan Mutlu, Grüne,

Die Grünen verlieren unterdessen ihren profiliertesten Bildungspolitiker, weil sie ihn nur auf Platz 4 der Landesliste gesetzt hatten: Damit entschieden sie sich indirekt gegen eine zweite Amtszeit von Özcan Mutlu im Bundestag, denn dass er ein Direktmandat in Mitte holen könnte, galt als kaum möglich. Ob Mutlu, der es von der Kreuzberger BVV bis in den Bundestag schaffte, jetzt in der Politik bleibt, ist offen.

Martin Pätzold, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Lichtenberg

Der Listenplatz acht hat nicht gereicht. Martin Pätzold, vor vier Jahren in den Bundestag eingezogen, ist schon wieder draußen. In Lichtenberg hatte er keine Chance gegen die Kandidatin der Linken, Gesine Lötzsch.

Woran lag's?

Pätzold: Wir haben es nicht geschafft, unsere Themen zukunftsgewandt zu diskutieren. Es wurde eher rückwärtsgewandt diskutiert, auf die Flüchtlingskrise im Jahr 2015, das hat die Ränder gestärkt. Uns ist nicht gelungen, die Leute davon zu überzeugen, dass sie nicht Frust und Protest wählen. Wir haben ja gute Konzepte.

Wie geht es jetzt persönlich für Sie weiter?

Pätzold: Das kann ich jetzt noch nicht beantworten. Dafür ist es zu früh am Tag nach der Wahl. Ich wollte ja gerne nochmal vier Jahre in den Bundestag. Ich habe parallel zum Mandat meine akademische Karriere befördert und habe eine Honorarprofessur an der Hochschule Mittwalde. Vielleich gehe ich auch in die Wirtschaft. Es gibt ja tolle Arbeitsmarktfelder, überhaupt einen sehr guten Arbeitsmarkt - ärgerlich, dass wir das nicht rüberbringen konnten.

Christina Schwarzer (CDU), Bundestagsabgeordnete aus Neukölln

Christina Schwarzer verlor in ihrem Wahlkreis gegen SPD-Mann Fritz Felgentreu und schaffte es auch nicht über die Landesliste. Über diese war sie 2013 in den Bundestag gekommen. „Ich persönlich bin enttäuscht und traurig - denn wir haben wirklich wie die Löwen gekämpft. Jetzt heißt es: sortieren, analysieren, weiter arbeiten“, sagte sie. Das Ergebnis in Neukölln spiegele den Trend in Deutschland und zeige die Polarisierung der Wähler.

Das Wahlergebnis im Bund wertet Schwarzer als eine klare Absage an die Große Koalition. Sie sei jetzt gespannt auf die Arbeit einer möglichen Jamaika-Koalition. „In jedem Fall gilt es, klar Position gegen zu erwartende rechtsextreme Äußerungen der AfD-Bundestagsabgeordneten  zu beziehen, ohne deren Wähler pauschal als ‚Nazis‘ abzustempeln.“

Und wie geht es für sie persönlich weiter? „Ich werde arbeiten gehen, wie ganz normale Menschen bei uns in Neukölln“, sagte Schwarzer. „Zusätzlich bleibe ich, wie in den letzten 21 Jahren, aktiv und engagiert in der CDU Neukölln.“

Mechthild Rawert saß zwölf Jahre lang im Bundestag. Foto: Promo/SPDp

Mechthild Rawert (SPD), Bundestagsabgeordnete aus Tempelhof-Schöneberg

In der Wahlnacht sah es lange noch danach aus, dass die Sozialdemokratin Mechthild Rawert aus Tempelhof-Schöneberg mit dem fünften Listenplatz ihr Mandat sicher haben würde. Aber da die SPD so schlecht abschnitt und der Neuköllner Fritz Felgentreu sein Direktmandat holte, kam Rawert nicht mehr zum Zuge. Nach drei Legislaturperioden ist für sie jetzt Schluss. 2005 war es der Sozialdemokratin sogar gelungen, den Wahlkreis direkt zu holen. Das gelang ihr bei den nachfolgenden Wahlen nicht mehr. Rawert, die in den vergangenen Wochen einen engagierten Wahlkampf führte, hatte immer eine starke Rückendeckung durch die sozialdemokratischen Frauen. Am Montag wollte sie wohl nicht über ihre Wahlniederlage sprechen.

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