Bei seinem Antrittsbesuch in Berlin versuchte sich Frank-Walter Steinmeier als U-Bahn-Fahrer. Foto: dpap

Bundespräsident auf Antrittsbesuch Steinmeier wechselt seine Berlin-Perspektive

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Frank-Walter Steinmeier war auf Antrittsbesuch in der Hauptstadt. Er durfte eine U-Bahn steuern, Reden halten und Klopse essen.

Die Passanten auf der Plattform im U-Bahnhof Lichtenberg gucken relativ müde in die Gegend. „Nicht einsteigen“, steht auf der Hinweistafel. Wenn sie wüssten, wer da vorn in der U-Bahn sitzt, die ohne Halt durchfährt, wären sie vielleicht elektrisiert: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steuert den Zug. Mit Patricia Leis steht ihm allerdings eine erfahrene Fahrlehrerin zur Seite.

Bei seinem offiziellen Antrittsbesuch als Bundespräsident im Land Berlin erfüllt sich Steinmeier gemeinsam mit Elke Büdenbender gleich zu Beginn den Traum vieler kleiner Jungs: einmal Lokführer sein. Auch den Gastgeber, den Regierenden Bürgermeister Michael Müller, chauffiert Steinmeier von Friedrichsfelde zum Alexanderplatz.

Ab in den Untergrund

Na gut, es ruckelt mal ein bisschen, und einmal gibt es eine recht scharfe Bremsung. Aber es sitzen ja alle. Und später nach einem Spaziergang vom Alexanderplatz durch den Tunnel zum Baustellen-U-Bahnhof am Roten Rathaus, erklärt der Bundespräsident auch gleich, was er daraus gelernt hat: „Man muss auf das Totmann-Signal achten“. Aha, ein zweites Mal wird ihm das also nicht passieren.

Vor der Praxis stand die Theorie und die war auch schon spannend. BVG-Chefin Sigrid Nikutta hatte früh um sieben die Gäste in der U-Bahnleitstelle in Friedrichsfelde empfangen. Er habe zunächst jene besuchen wollen, ohne die nichts geht, sagte Steinmeier im „Nervenzentrum des U-Bahn-Systems“, nachdem ihm an den riesigen Computerschirmen viele Details erklärt wurden.

Nach der Fahrt zurück warten bereits Senatoren und Honoratioren zum Empfang im Rathaus-Festsaal. Bevor Steinmeier dort erzählt, dass er auch schon als Außenminister in aller Welt für das moderne Berlin geworben habe, beschreibt er kurz sein U-Bahn-Abenteuer: „Sind alle gut angekommen“.

Überirdisch zur Sache

Dann wird er ernst und politisch: „Viele spüren, dass das Klima in diesem Lande sich zu ändern beginnt“, sagt er. Aus notwendigem Streit dürfe keine Feindschaft innerhalb der Gesellschaft werden: „Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die demokratische Kultur dieses Landes erhalten bleibt.“

Als ein kleiner Junge wohl vor Aufregung umfällt, zeigt er Empathie, beendet vorzeitig seine Rede, erkundigt sich nach dem Befinden des Jungen, dem es aber bald besser geht. Noch Gespräche mit den Gästen, dann geht’s weiter zum Gang durchs Brandenburger Tor, dort schüttelt er Hände von Zaungästen . Anschließend Besichtigung der Ehrenbürger-Galerie im Abgeordnetenhaus mit dessen Präsidenten Ralf Wieland. In der Kantine entscheidet sich der Bundespräsident für die Königsberger Klopse.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (li.) empfängt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Hauptstadt. Foto: dpap

Danach will er noch mit den Schülern der Carl-von-Ossietzky-Schule reden, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Fab Lab auf dem Bötzow-Areal warten anschließend innovative Projekte aufs Kennenlernen, darunter auch ein Metronom fürs Handgelenk, das Bandmitgliedern das Zusammenspiel erleichtern soll. Nächste Stationen: Gedenkstätte Berliner Mauer, Freie Universität – ein langer Tag voller neuer Berlin-Perspektiven.

„Ich war viele Male hier“, sagte Steinmeier bereits am Morgen beim Empfang nach seinem Spaziergang durch den im Bau befindlichen U-Bahntunnel: „Aber noch nie hatte ich Gelegenheit, mich dem Rathaus im Untergrund zu nähern.“

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