Besetzt. Das Schulgebäude in der Ohlauer Straße ist seit 2012 von Flüchtlingen besetzt (hier ein Bild von 2014). Foto: Mohamed Amjahid
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Bildungspolitik in Kreuzberg Bezirk gibt Gerhart-Hauptmann-Schule auf

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"In Friedrichshain brennt die Luft", sagt die Bezirksbürgermeisterin in Sachen Schulplatzmangel. Dennoch wird im selben Bezirk ein Schulstandort platt gemacht.

Trotz der berlinweiten Schulraumnot bleibt es dabei, dass die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg nicht wieder als Bildungsstandort reaktiviert werden soll. Dies teilte Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) auf Anfrage mit. Seit 2012 war das Gebäude von Flüchtlingen und deutschen Unterstützern besetzt worden, Anfang 2018 soll der Südflügel geräumt werden.

An dem Vorhaben, den großen Schulhof kostenlos an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge abzugeben, damit sie dort preiswerte Wohnungen bauen kann, habe sich nichts geändert: „In Friedrichshain brennt die Luft, aber in Kreuzberg haben wir keinen Bedarf an weiteren Schulplätzen“, betonte Herrmann. Das Schulgebäude selbst soll im Nordflügel weiterhin als Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Familien dienen.

Warum Modulbauten, wenn es doch Alternativen gibt?

Angesichts des um sich greifenden Schulplatzmangels stößt Herrmanns Darstellung allerdings zunehmend auf Skepsis: Überall in der Stadt werden aktuell wegen der fehlenden Raumkapazitäten eintönige Modul- oder Containerbauten positioniert, während gleichzeitig ein solider und individueller Schulbau für immer als Schule verschwinden soll.

Die Arbeitsgruppe Ohlauer Straße weißt seit langem darauf hin, dass sich die Schulnutzung und der Wohnungsbau nicht ausschließen müssten - wenn das Wohngebäude anders konzipiert würde, als es jetzt der Fall ist. Den Entwurf des bekannten Architekten Helmut Jahn, für dessen Nutzung die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge bereits wirbt, lehnt die AG, zu der auch Architekten gehören, wegen seiner Massigkeit, wegen mangelnder Öffnung in den Kiez und wegen eines angeblich zu kleinen Innenhofs kategorisch ab.

Hier können Sie den offenen Brief der Initiative "Campus Ohlauer Straße" HERUNTERLADEN
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