Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat Mittwoch neue Zahlen zum Sanierungsbedarf der Berliner Schulen veröffentlicht. Foto: dpa/Monika Skolimowskap

Bildung in BerlinSo hoch ist der Sanierungsstau - alle Schulen im Überblick

von Susanne Vieth-Entus69 Kommentare

Die Bildungsbehörde hat erstmals genaue Zahlen zum Sanierungsstau aller Schulen veröffentlicht. Es gibt große Unterschiede zwischen den Bezirken.

Erstmals in der Berliner Geschichte gibt es Klarheit über den Sanierungsbedarf jeder einzelnen öffentlichen Schule. Die entsprechende Liste präsentierte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch. Demnach liegt allein der akute Bedarf im Schulbereich bei 1,6 Milliarden Euro. Darüber hinaus legte die Bildungsverwaltung die Planung für neue Schulbauten vor, die benötigt werden, um den wachsenden Schülerzahl gerecht zu werden. In beide Bereiche – Sanierung und Neubau – sollen allein 2017 rund 750 Millionen Euro fließen.

Überraschend sind die großen Bezirksunterschiede beim akuten Sanierungsbedarf. Die neue Gesamtübersicht der Bildungsverwaltung offenbart, dass Steglitz-Zehlendorf fast 345 Millionen Euro angehäuft hat – rund sieben Mal mehr als Bezirke wie Neukölln, Treptow-Köpenick oder Lichtenberg. Auch Tempelhof-Schöneberg, Spandau und Friedrichshain-Kreuzberg liegen mit rund 200 Millionen Euro im Spitzenbereich.

In Steglitz-Zehlendorf gibt es 10 Schulen mit Sanierungsbedarf über 10 Millionen Euro

Bezirke, die ihre Schulen haben verkommen lassen, dürften im Nachhinein nicht dafür „belohnt“ werden, indem sie besonders viel Geld aus den Sanierungsmitteln erhalten, forderte der Neuköllner Bildungsstadtrat Jan-Christoh Rämer (SPD). Er wies darauf hin, dass in seinem Bezirk keine der 30 Schulen liegt, deren Sanierungsbedarf bei über zehn Millionen Euro beträgt. Zum Vergleich: Allein Steglitz-Zehlendorf verfügt über zehn solcher besonders baufälligen Schulen.

Welchen Sanierungsbedarf hat die Schule in Ihrem Kiez? Verschaffen Sie sich mit unserer interaktiven Karte einen Überblick:

Die Hochbauämter sollen personell aufgestockt werden

Die Bildungsbehörde hatte aber nicht nur den Akutbedarf erfasst, sondern den gesamten Sanierungsstau ermitteln lassen. Sein Umfang beträgt über vier Milliarden Euro, wie bereits vor der Wahl im Herbst bekannt geworden war: Auch Sportstätten und Außenflächen sowie Investitionen in die Barrierefreiheit sind dabei berücksichtigt. Um diesen Stau abzuarbeiten, ist die Gründung einer neuen Landesschulbaugesellschaft geplant. Bis es soweit ist, sind die Bezirke gefragt, die sich aber bei großen Projekten Amtshilfe von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung holen können.

Um die Millionenprojekte personell bewältigen zu können, bekommen sie 96 zusätzliche Stellen für die Hochbauämter. Da der Arbeitsmarkt im Bereich der Ingenieure und Bauplaner leergefegt ist, klagen Bezirke wie Mitte darüber, dass sie die Stellen absehbar gar nicht besetzen können. Rämer hielt dem entgegen, dass es nicht reiche, „Stellenanzeigen ins Amtsblatt zu setzen“. Es sei notwendig, direkt in den Hochschulen zu werben. Neukölln sei damit erfolgreich.

40.000 zusätzliche Schüler kommen bis 2020/21

Der zusätzliche Personalbedarf resultiert nicht nur aus dem Sanierungsstau sondern auch aus der Notwendigkeit, auf die Schnelle viel neuen Schulraum zu schaffen. Allein bis 2020/21 wird mit 40.000 zusätzlichen Schüler gerechnet. Um sie unterbringen zu können, hat die Bildungsverwaltung zusammen mit den Bezirken inzwischen alle Möglichkeiten geprüft und dem Hauptausschuss am Mittwoch entsprechend Bericht erstattet. Demnach sollen 7000 Schulplätze durch Neubau entstehen, 12.700 durch Erweiterungs- oder Mobilbauten und knapp 9000 durch die Reaktivierung ehemaliger Schulen.

Da auch dies alles noch nicht reicht, um alle Schüler unterbringen zu können, soll es jetzt weitere Monitoring-Runden zwischen den Verwaltungen geben. Mit der Errichtung neuer Schulplätze ist bereits begonnen worden – und 2017 geht es weiter: Von den für dieses Jahr genannten 750 Millionen Euro sollen laut Scheeres knapp 250 Millionen in Neubau und Erweiterung fließen, weitere 300 Millionen in die Sanierung und andere Investitionen im Schulbereich.

Die SPD-Bildungspolitikerin Maja Lasic mahnte, man dürfe "Bei aller Begeisterung für die schnellen Fortschritte in der Planung nicht die Beteiligung der Schulen und Familien aus den Augen verlieren". Der Ausbau der Schulplätze und die bevorstehenden Sanierungen würden massive Veränderungen an vielen Bestandsschulen mit sich bringen - die Bereitschaft dafür müsse erst noch geschaffen werden.

Unter diesem Link finden Sie weitere Informationen zu dem Sanierungsbedarf an jeder einzelnen Schule in Berlin, geordnet nach Bezirken.

Unter diesem Link finden Sie die Gesamtübersicht zu dem Sanierungsbedarf der Berliner Schulen nach Bezirken.

Unter diesem Link finden Sie weitere Informationen zu einzelnen Schulen mit Sanierungsbedarf von mehr als 10 Millionen Euro.

Unter diesem Link finden Sie weitere Informationen zu einzelnen Schulen mit Sanierungsbedarf zwischen 5 und 10 Millionen Euro.