Dichter Regen am Donnerstag: Tegel schwimmt. In der Nacht zu Freitag saßen 2400 Menschen in Berliner Flughäfen fest. Foto: dpa/ Paul Zinken
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Bilanz der Unwetternacht 2400 Passagiere übernachteten an Berliner Flughäfen

Anna Graefe
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In der Nacht gab es schwere Unwetter in Berlin uns Brandenburg. Die Schäden hielten sich in Grenzen, umstürzende Bäume waren das Hauptproblem. Zugverbindungen und Flüge fielen aus.

Die große Hitze verschwand mit einem Donnerwetter: Blitze, Gewitterschläge, orkanartige Stürme und eimerweise Regengüsse mit bis zu 50 Litern pro Quadratmeter, das war die Szenerie in der Nacht zum Freitag in Berlin und Brandenburg. Sieben Menschen erlitten leichte Verletzungen, ein Berliner Radler wurde von einem umgestürzten Baum schwer verletzt.

Sturmtief Paul trieb den Flugverkehr in Tegel und Schönefeld ins Chaos. In Schönefeld fielen 20 Flüge aus, in Tegel bis zu 70 Verbindungen. Etwa 2400 gestrandete Reisende mussten die Nacht laut einem Flughafensprecher in den Terminals verbringen, sie wurden mit Feldbetten, Getränken und Decken versorgt. Auch der Bahnverkehr war stark gestört.

Feuerwehr im Ausnahmezustand

Die Feuerwehren befanden sich im Ausnahmezustand. 350 Einsätze bewältigten Berlins Wachen, 130 Mal rückten die Retter in Brandenburg aus. Keller liefen voll, Bäume wurden durch Böen mit Windstärken von bis zu 120 km/h entwurzelt, in Bad Liebenwerda (Elbe-Elster-Kreis) riss der Sturm sogar Starkstrommasten um, es kam zu Stromausfällen.

Einen ungewöhnlichen Einsatz hatte die Feuerwehr an der Zufahrt zur Insel Schwanenwerder am Wannsee. Dort war eine riesige Pappel quer über die Fahrbahn gestürzt. Fünf Stunden brauchten die Rüsttrupps, bis sie den Asphalt freigeräumt hatten. Im Schlosspark Charlottenburg gab es gleichfalls Verwüstungen, Äste prasselten herab, Bäume verloren den Halt. Wegen derAufräumarbeiten blieb der Park bis Freitagabend geschlossen.

Die folgenschwersten Unfälle ereigneten sich im Berliner Ortsteil Kreuzberg und bei Nauen im Havelland. An der Kreuzberger Urbanstraße wurde ein Radler von einem herabstürzenden Baum eingeklemmt. Rettungskräfte mussten ihn befreien. Er kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Auf einer Landstraße bei Nauen durchbohrte ein Ast die Frontscheibe eines Wagens, zwei Erwachsene und ein Kind erlitten leichte Verletzungen.

Feuerwehrmänner sind an der gesperrten Zufahrt zur Insel Schwanenwerder in Berlin mit der Sicherung eines beschädigten Baumes beschäftigt. Foto: dpa/ Ralf Hirschberger
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Rekordmengen an Regen im Berliner Süden

Auf mehreren Nah- und Fernverkehrsstrecken der Bahn sowie auf der S-Bahn-Linie 3 und der U 2 bei Ruhleben ging seit den Nachtstunden gar nichts mehr. Entwurzelte Bäume rissen Oberleitungen ab, blockierten Gleise. Die ICE-Linien zwischen Berlin und Hamburg sowie nach Hannover waren unterbrochen, ebenso der Regionalverkehr zwischen Cottbus und Lübbenau. Mit Hochdruck wurden die Hindernisse beseitigt, ab Freitagmittag verkehrten die Züge wieder weitgehend normal.

Dass es während des Unwetters wie aus Eimern schüttete, war nicht ungewöhnlich. Selbst Wetterkundler staunten aber über die höchst unterschiedlichen Regenmengen auch in überschaubaren Gebieten. So verzeichneten sie im Süden Berlins Rekordmengen von 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter, im Berliner Norden waren es nur halb so viel – in Cottbus nur zwei Liter.

Und wie geht’s am Wochenende weiter? „Die Unwetter sind vorbei“, versichert der Wetterdienst Meteogroup. Es bleibe zwar erst mal etwas kühler, aber: „Der Sommer kehrt wieder zurück.“

In Kreuzberg erfassten die kräftigen Windböen einen großen Baum, der auf einen Transporter fiel. Offenbar wurde niemand verletzt. Foto: Marco Schiffner/Tsp
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