Carola Fußwinkel (links) und ihre Verlegerin, Vanessa Arend-Martin, am Eingang ihres Buchladens in Teltow. Foto: Anett Kirchner
p

Natur entdecken: Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf Am Teltowkanal soll es wieder Biber geben

1 Kommentare

Eigentlich wollte sie nur Konzertkarten kaufen - doch dann schrieb sie ein Buch für Kinder über die Natur südlich von Steglitz-Zehlendorf. Carola Fußwinkel ist Lehrerin, Biologin, Autorin und Naturschützerin.

Jedes Jahr - etwa Ende Februar - fliegt ein Kranichpaar zu den Hollandwiesen in Teltow, „besichtigt“ das Gebiet, bleibt zwei bis drei Tage und verschwindet wieder. Es sind seltene Gäste in dieser Region. Mit einer Flügelspannweite von mehr als zwei Metern zählen sie zu den größten Vögeln in Deutschland. „Vielleicht bleiben sie eines Tages und brüten hier“, hofft Carola Fußwinkel. Bis jetzt lasse das jedoch der Lebensraum nicht zu. Die Biologin und Grundschullehrerin aus Teltow ist gern in der Natur unterwegs. Dabei bleibt sie bewusst hier in der Region, geht auf Spurensuche, hört zu, schaut hin und dokumentiert. Über ihre Beobachtungen hat sie jetzt ein Büchlein veröffentlicht: speziell für Kinder.

„Ich empfinde die Natur als große Kraftquelle und möchte das Gefühl gern weitergeben“, erklärt sie und erinnert sich an ein Erlebnis am so genannten Röthepfuhl, einem Teich in Ruhlsdorf. Dort habe sie ein Blesshuhn auf Nahrungssuche entdeckt. Mit einem Hopser holte es Schwung, tauchte kurz unter Wasser und hatte dann ein Büschel Wasserpflanzen im Schnabel. Beeindruckend. Carola Fußwinkel hielt es in einem Foto fest. Wenn sie davon erzählt, wird ihre Stimme weich und ruhig. Solche scheinbar banalen Beobachtungen erfüllen sie. „Wer mit offenen Augen spazieren geht, kann immer etwas Neues entdecken“, schwärmt sie.

Baumlehrpfad mit Urweltmammutbaum

Dabei sei die Natur gewissermaßen unberechenbar, immer für eine Überraschung gut. Man sehe selten das, was man sich zuvor vornehme. Und so verrät Carola Fußwinkel einen Trick: „Wenn ich beispielsweise über eine Wiese schaue, achte ich auf Unregelmäßigkeiten im Gras.“ Etwa die Ohren eines Feldhasen seien ihr auf diese Weise aufgefallen, der in einer „Sasse“ saß, einer flachen Erdmulde, in der er seine Jungen zur Welt bringt. Auch das Bild dokumentierte sie mit ihrem Fotoapparat. So entstand eine ganze Natur-Fotoserie aus der Region, die direkt an Steglitz-Zehlendorf grenzt.

Am Teltowkanal sollen wieder Biber leben. Foto: Anett Kirchner
p

Carola Fußwinkel spazierte entlang des Teltowkanals, wo es wieder Biber geben soll, erkundete den Baumlehrpfad auf der Bäkewiese in Kleinmachnow mit einem Urweltmammutbaum und war auf den „Upstallwiesen“ in Stahnsdorf unterwegs. Sie beobachtete Rehe, Fasane und Greifvögel, entdeckte Heilpflanzen wie Blutweiderich und Baldrian. Das und weit mehr hat sie in ihrem Büchlein festgehalten; jeweils aus dem Blickwinkel eines Kindes betrachtet. Denn als Lehrerin an einer Grundschule in Zehlendorf kann sie sich in die Kinder hinein denken.

Die Hollandwiesen sind ihr besonders ans Herz gewachsen

„Ich stelle fest und das macht mir Sorgen, dass die Kinder das Bewusstsein für die Natur verlieren“, schildert sie. Das Wissen dürfe nicht verloren gehen, wie sehr der Mensch mit der Natur zusammenhängt und wie sehr er von ihr abhängt. Dafür engagiere sie sich. Regelmäßig biete sie zum Beispiel Naturführungen an, etwa über die Hollandwiesen in Teltow. Dieser Lebensraum ist ihr besonders ans Herz gewachsen, weil er quasi vor der Haustür liegt. Die Straße, in der sie wohnt, münde direkt in das Landschaftsschutzgebiet.

Die Vielfalt der Lebewesen auf relativ kleinem Raum sei hier besonders hoch. Ackerflächen, Wiesen, Gebüschstreifen und ein Waldstück böten den Tieren genügend Schutz und Futter. Doch dieser Lebensraum sei gefährdet. Direkt durch das Pappelwäldchen verlaufe die sogenannte Freihaltetrasse der Bahn. Wenn die S-Bahn von Teltow nach Stahnsdorf verlängert würde, führe sie durch dieses Gebiet. Ein Damm sei schon aufgeschüttet. „Das Wissen um den Wert dieses Landschaftsschutzgebietes muss Grundlage für politische Entscheidungen sein“, rät Carola Fußwinkel, die sich speziell hier auch als Naturschützerin sieht und inständig hofft, dass dieses naturbelassene Kleinod erhalten bleibt.

Von Konzertkarten zum Buch

Die Idee zu dem Buch entstand bei einem Besuch in der Buchhandlung Buchkontor Teltow. „Ich wollte Konzertkarten kaufen und entdeckte dieses Buch für Kinder, das durch die Teltower Altstadt führt“, erinnert sie sich. „So etwas wollte ich auch machen - bloß mit Natur.“

Die Inhaberin des Geschäftes, Vanessa Arend-Martin, war von der Idee sofort überzeugt. Seit 2012 ist die gebürtige Kasselerin mit ihrem Laden in der Teltower Altstadt. Weil ihr Lieblingsbereich die regionale Literatur ist, hat sie nebenher einen kleinen Verlag aufgebaut und veröffentlicht Bücher mit Geschichten aus der Region. So erscheint in dem Verlag unter anderem auch das jährliche Heimatmagazin. „Es gibt in unserer Region sehr viele Zugezogene, die sich Zuhause fühlen und ankommen wollen“, erklärt sie, die selbst vor 14 Jahren hierher kam. Aus dem Grund sei die Nachfrage nach regionaler Literatur groß. Das Buch von Carola Fußwinkel reihe sich daher nahtlos in das Verlagsprogramm ein.

Das 52-seitige Buch von Carola Fußwinkel heißt Wir entdecken die Natur in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf. Es kostet 6 Euro. Foto: Anett Kirchner
p

Es ist ein persönlicher Naturführer für die ganze Familie; durchaus auch interessant für die Nachbarn in Steglitz-Zehlendorf. „Wer mit dem Fahrrad am Teltowkanal entlang fährt, kommt direkt hierher“, empfiehlt Carola Fußwinkel. In diesem Zusammenhang fällt ihr noch ein: Es gibt Aufgaben in dem Buch, sogenannte Beobachtungsaufträge. Beispiel: „Suche im feuchten Boden an einem Graben, ob du Fußabdrücke von Rehen finden kannst.“ Am Ende des Buches ist eine Tabelle, in der die Kinder ihre Entdeckungen eintragen können. Also: auf geht’s, in die Natur!

Mehr zu Steglitz-Zehlendorf