Birgit Stigter vor ihrem Werk "Vertikale Stadt" Foto: Maike Edda Raack
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Foto-Ausstellung bei Mutter Fourage in Wannsee Überbrücken und über Brücken

Maike Edda Raack
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Das Herstellen von Verbindungen ist ein wichtiges Thema im Werk der Künstlerin Birgit Stigter. Vor allem Brücken und ihre Symbolik haben es ihr angetan. In der Galerie Mutter Fourage in Wannsee ist bis 26. April ihre Fotoausstellung zu sehen. Der Tagesspiegel Zehlendorf hat mit der Künstlerin gesprochen.

Es geht um Brücken, um das Überbrücken - und es geht über Brücken: Die Fotokünstlerin Birgit Stigter nimmt den Betrachter mit über Berlins Brücken. "Berlin ist ja voller Brücken! Damit erinnert mich die Stadt sehr an unsere holländischen Hafenstädte." Aus jedem von Birgit Stigters Worten hört man die Begeisterung für Berlin und die Brückenarchitektur der Stadt. In internationalen Städten wie Rotterdam oder eben Berlin kämen unglaublich viele Menschen aus der ganzen Welt zusammen. "Es geht mir um das Zusammenkommen, um die Verbindung". Und hier kommen die Brücken ins Spiel: "Brücken haben für mich eine hohe symbolische Bedeutung, sagt Stigter. "Man gelangt auf ihnen zueinander, über Flüsse, von einem Ufer auf das andere und manchmal über Landesgrenzen. Auch das Brückenschlagen vom Diesseits in das Jenseits finde ich spannend."

Die gebürtige Holländerin kam vor zehn Jahren zum ersten Mal nach Berlin. Seit einem Jahr ist Berlin für sie und ihre Familie Zuhause und Inspirationsquelle zugleich. So hat sie etwa auch ihre Erfahrung des Ankommens in einem der ausgestellten Werke verarbeitet: "Als ich zum ersten Mal nach Berlin kam, kam ich mit dem Zug an und war gleich mittendrin im Geschehen, im Zentrum aller Möglichkeiten." Und so zeigt die Schwarzweißcollage "Ankunft" das Glasdach des Ostbahnhofs, dazu montiert sind Gleise und ein einfahrender Zug. Auf das quadratische Foto (etwa einen Meter auf einen Meter) hat sie mit einer Nadel in stundenlanger Arbeit symbolische Kettenglieder geritzt. Es wirkt, als ob Ketten geknüpft, aber auch gesprengt werden - da will sie dem Betrachter nichts vorgeben. "Ich spiele gerne mit den vielen verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten", lächelt sie verschmitzt.

Den Einsatz hochmoderner Fototechnik und digitaler Montagetechnik ergänzt Stigler durch traditionelle Druckweise. "Wir drucken noch traditionell auf Fotopapier, und zwar nicht digital", ist ihr wichtig zu betonen.

Mindestens so wichtig ist es ihr aber, in ihrem Werk auch Klischees und Ängste zu überbrücken - etwa gleich im Eingangsbereich der Galerie Mutter Fourage: Im Bild "Russland über Berlin" schwebt "Russland", also die geographischen Umrisse des Staates, über dem Olympiastadion, das wie ein überdimensioniertes starres Argusauge nach oben blickt.

Im Nebenraum dann sind große Berliner Stahlbrücken auf Fotocollagen digital zu monumentalen Motiven montiert. Der Betrachter glaubt bekannte Gebäudeteile und Brücken zu erkennen, bleibt aber im Ungewissen, ob es sich um ein Fantasiebauwerk oder um ein real existierendes handelt. Man sieht viele Stahlstreben und Nieten. "Ich mag die rohe und massive Bauweise des 19. Jahrhunderts, vor allem die Nieten, die große Stahlkonstruktionen zusammenfügen," sagt Stigter.

Die Bilder saugen den Betrachter in eine surreale Welt

Trotz der monumentalen Motive: Die Formate bleiben eher bescheiden - gleichwohl saugen sie den Betrachter wie durch ein Fenster in eine surreale und doch vertraut wirkende Welt. So auch in den beiden Werken "Vertikale Stadt" und "Zwischen blau" im kleinsten Raum der Galerie. Rein optisch scheinen sie irgendwie zusammen zu gehören, eröffnen aber jedes für sich ein ganz eigenes Formenspektrum, eine eigene Farbdimension. Die Bilder sind über eine Ecke einander zugewandt, so dass sie sich quasi axial über die Ecke spiegeln, ähnlich wie sich die Brückenpfeiler auf dem Bild "Vertikale Stadt" im sich kräuselnden Wasser spiegeln. Für die Hängung ihrer Werke findet Stigter denn auch die Räumlichkeiten der Galerie der Mutter Fourage ideal. Und wenn der Betrachter eine kleine Pause benötigt, kann der Blick durch das Fenster hinaus wandern in den arkadischen Galeriegarten der Mutter Fourage, samt Skulptur von Ingeborg Hunzinger und Brunnen.

Die Ausstellung Birgit Stigter - Überbrücken II findet in der Galerie der Mutter Fourage statt, Chausseestraße 15a, 14109 Berlin-Wannsee, noch bis Sonntag, 26. April. Der Text erscheint auf dem Tagesspiegel Zehlendorf, dem Online-Portal der Zeitung aus dem Südwesten.

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