Vom Bahnhof Spandau soll die S-Bahn wieder bis nach Nauen fahren. Foto: Duringp

Verkehr in Berlin und Brandenburg Rot-Rot-Grün macht Tempo bei S-Bahn nach Nauen

Rainer W. During
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Vom Bahnhof Spandau soll wieder eine S-Bahn bis Nauen fahren. Der Bahnkundenverband präsentierte eigenes Verkehrskonzept für Spandau.

Rot-Rot-Grün will jetzt Tempo machen mit der S-Bahn von Spandau über Falkensee nach Nauen. Die Wiederaufnahme der Strecke ins Havelland in Form einer Express S-Bahn steht vor der Potsdamer Stammbahn, der Kremmener Bahn sowie der Stammstrecke der Heidekrautbahn einschließlich der Weiterführung bis Gesundbrunnen an erster Stelle eines Forderungskataloges, den SPD, Linke und Grüne am heutigen Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus einbringen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Daniel Buchholz (SPD) hat dafür nach vergangener Ablehnung inzwischen auch Bereitschaft auf Brandenburger Seite ausgemacht, wie er am Mittwochabend auf einer Diskussionsveranstaltung des Bundestagsabgeordneten Swen Schulz (SPD) betonte. Mit dem Antrag wird der Senat aufgefordert, "alle erforderlichen Schritte" zu unternehmen, um die Wiederinbetriebnahme der Strecken voran zu bringen.

Senatorin sprach bereits von einer "Prioritätsstrecke"

Dass Verkehrsthemen den Spandauern „auf den Nägeln brennen“, hat Swen Schulz wieder im laufenden Wahlkampf bemerkt. Gerade an der Frage, ob lieber die S-Bahn ausgebaut oder der Regionalbahn-Verkehr erweitert werden soll, schieden sich auch im Paul-Schneider-Haus der Evangelischen Luther-Gemeinde die Geister. Diese Diskussion muss beendet werden, forderte Daniel Buchholz. „Sonst bekommen wir gar nichts.“

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) hatte den Korridor zwischen Spandau und Nauen bereits im Frühjahr als „Prioritätsstrecke“ bezeichnet. Allerdings handelt es sich aus Sicht der Senatsverwaltung um ein langfristiges Projekt, zunächst wolle man versuchen, mit der Neuausschreibung des Regionalverkehrs 2022 dessen Takt zu verdichten. Buchholz fordert dagegen mehr und längere Züge möglichst schon zum Fahrplanwechsel im Dezember.

Zur Erinnerung: Schon vor zehn Monaten war der Ausbau der S-Bahn über Falkensee nach Nauen (Kosten: 250 Mio Euro) das Ziel der Politik.

Regionalbahnhof am Klosterbuschweg und Tram von Hakenfelde bis Pichelsdorf

Der stellvertretende Landesvorsitzende des Deutschen Bahnkundenverbandes (DBV), Jochen Bona, stellte dessen Nahverkehrskonzept für den Bezirk vor. Danach sollte am Klosterbuschweg zwischen den Bahnhöfen Spandau und Albrechtshof ein neuer Regionalbahnhof entstehen.

Neuer S-Bahnhof nahe Ikea?

Einen zusätzlichen S-Bahnhof möchte man südlich der Charlottenburger Chaussee unweit von Ikea einrichten. Bis dorthin soll auch die U-Bahnlinie 2 von Ruhleben um eine Station verlängert werden.

Um den in Spandau besonders starken Busverkehr zu reduzieren, möchte der DBV eine Straßenbahn vom jetzigen Industriebahnhof Johannesstift über Hakenfelde zum Rathaus und weiter entlang der Wilhelmstraße bis südlich der Heerstraße verkehren lassen. Abzweige sind entlang der Heerstraße bis zum Magistratsweg, entlang der Falkenseer Chaussee bis zum neuen Regionalbahnhof am Klosterbuschweg und über eine der Wasserstadt-Brücken bis zum U-Bahnhof Haselhorst vorgesehen.

Konkrete Ideen für die Straßenbahn

Für den Bereich zwischen Falkenseer Platz und Rathaus stellte Bona vier Varianten zur Diskussion. Die Trasse könnte durch den Altstädter Ring, die Carl-Schurz- oder die Breite Straße verlaufen oder von der Carl-Schurz-Straße über den Marktplatz zur Breiten Straße und dem Stabholzgarten geführt werden.

Für Daniel Buchholz waren das alles „sehr ambitionierte Zukunftsvisionen“, die sich aber nur langfristig realisieren ließen. Deshalb wolle man jetzt die S-Bahn ins Umland vorantreiben und angesichts der rund 10 000 bis 15 000 im Raum Haselhorst entstehenden Wohnungen die Reaktivierung der S-Bahntrasse der einstigen Siemensbahn von Jungfernheide nach Gartenfeld vorantreiben. Nach dem gemeinsamen Antrag der drei Parteien im Abgeordnetenhaus soll auch die Aufnahme eines Infrastrukturfonds der Länder zur Vorfinanzierung der Lückenschluss-Projekte geprüft werden.

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